Hallo,
einen großen Teil des Kaps - vorallem den Weg zur Hütte - so umgeschrieben, dass viele der Probleme umgangen werden sollten. Dadurch ist aber auch einiges an Text weggefallen.
Der Witz war, das Ganze hat auch gleich ein riesiges Problem mit der Zeitlinie in Kap 33 gelöst. Die Auseinandersetzung mit den Slytherins ist jedoch nur in Kleinigkeiten geändert. Wer keine Lust hat alles noch einmal zu lesen, kann die angehängte Datei lesen, da sind alle neuen Passagen blau gekenntzeichnet.
Danke für die Anregunden.
MfG Tikki
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- Kapitel 32 -
…böse Mädchen überall hin
Tarsuinn war gut eine halbe Minute zu spät am Waldrand. Wenn er hingeflogen wäre, hätte er es noch geschafft, aber er wollte nicht verraten, dass er viel mehr freie Zeit im Schloss gehabt hatte, als man vielleicht vermutete.
Obwohl es sehr warm war, er einen schweren Rucksack trug und fast gerannt war, fror Tarsuinn erbärmlich.
„Ich bin da, bin schon da“, rief er laut, doch nur die Geräusche des Waldes antworteten. Hoffentlich bemerkte Hagrid ihn nicht, wie er hier herumlief. Ein weiterer, unangenehmer Gedanke war, dass vielleicht der Portschlüssel schon weg war, jedoch hatte er keine Magie am Rand des Waldes gesehen, die darauf schließen ließ. Außerdem war Tarsuinn trotz allem blind – er konnte sich nicht vorstellen, dass der Schreiber des flatternden Zettels nicht wenigstens ein paar Minuten Toleranz vorgesehen hatte. Allein für den Weg hierher hätte er ohne Besen sicherlich fünfzehn Minuten gebraucht.
„Hallo!“, rief er erneut in den Wald hinein.
Was ist denn das für eine blöde Planung, schoss es ihm durch den Kopf. Erst so eine Hetze und dann vergisst man den Transport oder die Abholung. „Ach tut mir leid, mir ist was dazwischen gekommen! Es geht ja um nichts Wichtiges, oder?“, murmelte Tarsuinn sarkastisch und imitierte eine hochnäsige Schnepfe. „Sag mal, Tikki, siehst du was?“
Er hätte sogar einen Schockzauber oder Ähnliches begrüßt. Nur hier einfach nur herumzustehen – fand er unpassend. Es vermittelte das Gefühl, Opfer eines extrem schlechten Scherzes zu sein – und Tarsuinn war nicht bereit auch nur ein Fitzelchen Verständnis dafür aufzubringen.
In der Hoffnung, die Magie eines Portschlüssels aufzuschnappen, zu sehen oder zu fühlen, betrat er den Wald. Irgendwer kannte Tarsuinn gut, also musste er sich auch etwas speziell für ihn überlegt haben. Es sei denn, dieser irgendwer wusste ein wenig zu viel über Tarsuinn. Was ihn dazu brachte kurz an Toireasa und Winona zu denken. Ob die beiden gerade ihre Ferien genossen oder sich Sorgen um ihn machten? Wenn er es recht bedachte, dann war die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass die Mädchen in irgendwelchen Schwierigkeiten steckten. Doch sie würden nie jemanden eines seiner Geheimnisse verraten und so ging er davon aus, dass seine Fähigkeit mächtige Magie zu sehen, nicht gerade Allgemeinwissen war.
Daraus folgte, wenn hier wirklich ein Portschlüssel rumlag, dann war er nicht visuell, sondern akustisch markiert. Tarsuinn musste somit nur ein Geräusch finden, welches hier nicht hingehörte. Also konzentrierte er sich auf seinen schärfsten und zuverlässigsten Sinn. Zuerst fiel ihm dabei auf, was er alles nicht hörte. Das Schloss war unglaublich leise, von Hagrid oder Fang war nichts zu hören, die Welt war furchtbar traurig – und irgendwie lag ein Tod in der Luft. Er befahl sich, den letzten Gedanke zu ignorieren. Sein Bauch hatte jetzt mal Funkstille zu halten, schon weil sein Gehör ihm mit einem bestimmten Lied nervte. Das passende Gefühl dazu brauchte er jetzt nicht.
Ansonsten war nur der übliche Wald zu hören. Rauschende Blätter, ein paar Thestrale tiefer im Wald, ein paar Vögel hoch oben in den Wipfeln, eine fauchende Wildkatze, eine Mücke, die hinter seinem Ohr landete…
„Etwas, dass nicht hierher gehört, Tikki!“, murmelte er und streichelte ihr Fell. „Warum ist es nicht offensichtlich? Wie paranoid-schizophrener muss man denn sein, um derart vorsichtig zu sein.“
…
„Also ich bitte dich. Ich bin nicht paranoid-schizophren, sondern nur paranoid. Der schizophrene Teil in mir ist eine fremde Dreingabe.“
…
„Ich bin erstaunt, dass du weißt, was diese Worte bedeuten.“
…
„Okay, jetzt hast du mich abgehängt.“
Tikki störte sich an etwas, das völlig vertraut war, aber trotzdem nicht hierher passte. Vielleicht war aber auch Tarsuinn der Dumme? Na ja, er konnte sich nicht an die letzten Monate erinnern, irgendwann mussten die längeren Aussetzer ja negative Auswirkungen haben. Noch zwei, drei solcher Jahre und sein Hirn war sicherlich so weich wie ein frischgebackenes Weißbrot.
Das Fauchen der Wildkatze wurde langsam nervig. Warum konnte die nicht jemand zum Schweigen bringen? Manchmal wäre ein Aus-Knopf bei einigen Dingen sehr nützlich. Tarsuinn hatte einen. Warum nicht die ganze andere Welt auch?
„Halt endlich die Klappe!“, fuhr er die Wildkatze an. Wilde Tiere hatten abzuhauen, wenn Tarsuinn wütend war – normalerweise. Das war ziemlich ungewöhnlich…
„Ich bin so doof, Tikki“, schlug er sich mit der Hand gegen die Stirn. „Jeder magische Depp kann einen Gegenstand temporär in ein Tier verwandeln. Okay – ich vielleicht nicht – aber, warum sollte man dies nicht mit einem Portkey machen können?! Wer fasst schon freiwillig eine Wildkatze an.“
Das Fauchen der Katze wurde immer dringlicher.
„Komm, Tikki. Ich vermute der Countdown läuft gleich ab.“
Er lief so schnell es ihm möglich war, sicherte Tikki zwischen Arm und Brust und dann schnappte er sich die Wildkatze. Wenn er falsch lag, würde dies sicher eine der unangenehmeren Erlebnisse seines kurzen Lebens.
Sekunden später war klar, dass er richtig hatte gelegen. Doch er hatte in seinen Überlegungen verdrängt, wie sehr er das Reisen mit einem Portkey hasste. Seine momentane, leicht unterkühlte Verfassung tat dabei sein übriges. Es war erstaunlich – selbst wenn der Magen leer war, war der Mensch immer noch in der Lage irgendwas herauszuwürgen. Nun ja, so ein extrem leerer Magen sorgte wenigstens für eine schnellere Wirkung von Zaubertränken. Das hatte mal Snape in seinem Unterricht erwähnt – zusammen mit dem Hinweis, dass dies auch zu einem Überlastungsschock oder einer Verkürzung der Wirkungsdauer führen konnte.
Diese Information war natürlich völlig überflüssig, wenn man auf allen Vieren auf den Rasen kotze und zwischendurch nach Luft rang. Er war quasi wehrlos, als neben ihn jemand apparierte.
„Runter mit dir, Junge!“, befahl eine männliche Stimme hektisch. „Wo sind sie?“
„Ich bin unten“, keuchte Tarsuinn und würgte kurz nochmal – aber es kam nichts mehr. „Und Sie befinden sich neben mir.“
„Keine Zeit für Scherze. Deine Elfe meinte, du seist in Schwierigkeiten.“
„Im Moment nur, wenn Sie welche machen. Sind Sie derjenige, der mir Schwierigkeiten machen wird, Mr Noiturspa?“
„Gott behüte, nein“, erwiderte der Mann ernsthaft. „Na ja, vielleicht später, wenn ich dich in Sicherheit gebracht habe. Wir sollten von hier verschwinden – wo immer dieses hier ist.“
„Wir sind ungefähr noch hundert Schritt von Tod und Verderben entfernt – und von Rica“, erwiderte Tarsuinn und deutete in die Richtung.
„Ich kann da nichts sehen.“
„Glauben Sie mir. Alles da und wartet auf mich. Und ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob sie mich nun gefunden haben oder zu denen gehören, die mich erwarten.“
„Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, ich hätte dich nicht erwartet“, erklärte Noiturspa. „Aber nicht hier und sicherlich nicht jetzt.“
„Wie kommt es dann, dass ich das Gefühl habe, Sie hätten mich gezielt auf meinen Besuch hier vorbereitet.“
„Das sagt mir immer noch nicht, wo wir uns hier befinden.“
Das Lied seines Einhorns brachte Tarsuinn fast um den Verstand und das Noiturspa ihn im Weg stand auch, doch er zwang sich zur Ruhe.
„Wir befinden uns in unmittelbarer Nähe einer Hütte in der ein Haufen verdammte und verrückte Seelen, deren Körper jetzt als Dementoren Angst und Schrecken verbreiten, darauf warten, dass irgendein Naivling auftaucht, den sie zu einen der ihren machen können.“
„Und?“
„Ich fürchte, Sie sind so ein Naivling. Deshalb will ich Sie nicht dabei haben.“
„Als ob du es verhindern könntest.“
„Und Sie können ohne mich nicht dahin gelangen.“
„Jeder Schutzzauber kann gebrochen werden.“
„Ja, aber auch schnell genug?“
Das Gespräch hatte Tarsuinn dazu gebracht, seinen Magen unter Kontrolle zu bringen und so schaffte er es, sich aus seiner würdelosen Position zu erheben und dem alten Zauberer mit ein wenig Nachdruck zu begegnen. Er wusste, seine momentane Verhandlungsposition war ein wenig suboptimal.
„So kommen wir nicht wirklich weiter“, meinte Noiturspa. „Ich bin hier um dir zu helfen.“
„Und ich bin hier um meine Rica zu holen. By the way: Ist sie wirklich entführt worden?“
„Ja, und ich war gerade dabei mit Mr Cutter eine Möglichkeit deines Aufwachens zu diskutieren, als deine Patsy unseren Tagesablauf stark beschleunigte.“
„Und es konnte niemand anderes als Sie als meine Kavallerie erscheinen? Das ist armselig.“
„Alle anderen suchen seit Monaten fast ausschließlich deine Schwester. Du solltest ein wenig dankbarer sein.“
Wenn sie erfolgreich gewesen wären, vielleicht, mischte sich eine bösartige innere Stimme ein. Doch das äußerte Tarsuinn nicht, obwohl die innere Stimme seine eigene war.
„Sie können nichts dafür“, sagte er – auch zu sich selbst. „Niemand außer mir kann die Geisterhütte finden. Nicht mal Superbrain.“
„Darf ich dann fragen, wie du überhaupt hierhergekommen bist? Zuerst hat die Magie mich nach Hogwarts an den Rand des Verbotenen Waldes gebracht, doch da warst du nicht mehr.“
„Portkey!“, erklärte Tarsuinn knapp.
„Und warum hat der dich hierher und nicht in diese Hütte gebracht?“
„Weil die Hütte keine magischen Reisenden mag. Mehr noch als Hogwarts. Und wie schon gesagt, ohne mich, schaffen Sie nicht mal die letzten fünfzig Schritte bis hin.“
„Und ich kann dich nicht allein gehen lassen.“
„Aber Sie können auch nicht mitgehen“, erklärte Tarsuinn fest und hob gleich abwehrend die Hände. „Zumindest nicht sichtbar oder als sie selbst. Wenn ich nicht allein auftauche, tun die vielleicht Rica etwas an.“
„Ein durchaus guter Punkt. Das sollte jedoch kein Problem sein. Immerhin bin ich ein genialer, wenn auch alter, Zauberer.“
„Bisher noch nicht bewiesen“, sagte Tarsuinn.
„Meine Fähigkeiten stehen wohl weniger in Frage, als deine. Hast du denn geübt?“
„Die letzten Monate offensichtlich nicht.“
„Und davor?“
„Es gab Zauber in ihrem Buch die ich nicht mochte.“
„Das hab ich nicht gefragt.“
„Ich weiß.“
„Wirst du antworten?“
„Nein! Aber ich verspreche Ihnen, wir werden es bald herausfinden.“
„Da bin ich sicher.“
„Gut, dann wird es jetzt langsam Zeit, dass sie sich auf irgendeine Art und Weise unsichtbar machen – und wenn man sie doch entdeckt, sollten Sie wissen, dass Sie relativ zu Rica nur eine verschwindend geringe Priorität in meinem Denken besitzen.“
„Darauf baue ich“, erwiderte Mr Noiturspa und lachte fast freudig auf. „Und auch wenn du es selbst schon gesagt hast – ich möchte, dass du keinerlei Rücksicht auf mein Überleben nimmst. Ich bin ein alter Mann und wie du ja weißt, sterbe ich bald. Deshalb – versprich mir das – stelle das Leben deiner Schwester und auch dein eigenes, über das meine. Nimm keine Rücksicht auf mich, sondern sichere nur euer Überleben. Einverstanden?“
„Einverstanden!“, entgegnete Tarsuinn sofort und fühlte sich kein Stück schlecht dabei. Das hier war ganz anders als beim Alten Jack. Den hatte Tarsuinn auf Anhieb gemocht, aber bei Noiturspa hatte er immer das Gefühl nur Mittel zum Zweck zu sein. Ein wenig wie bei Dumbledore, aber das Gefühl war distanzierter.
„Was hältst du davon, wenn ich mich zur Tarnung in einen Mungo verwandle?“
„Nichts. Zwei Mungos würden Misstrauen erwecken.“
„Ich dachte auch eher, ich würde deine Tikki vorübergehend ersetzen.“
„Niemand kann Tikki ersetzen.“
„Natürlich, natürlich. Aber wäre es nicht besser, wenn ich, und nicht deine Tikki, in der Schussbahn stehe.“
Ein wirklich gutes Argument. Tarsuinn überlegte einen Moment, dann nickte er langsam. Den Weg fand er dank des Liedes auch so.
„Machen Sie es. Brauchen Sie ein Haar von Tikki?“
„Für Vielsafttrank? Ich denke eher nicht. Die Illusion wäre zwar perfekt, aber es ist besser den Zeitpunkt der Rückverwandlung selbst bestimmen zu können. Ich denke, ein Zauber reicht völlig.“
„Ich hoffe, Sie sind so gut, wie Sie sagen.“
Alte Leute hatten einen besonderen Laut um ihr Missfallen für die unverschämte Jugend auszudrücken. Noiturspa konnte das richtig gut. Trotzdem kam Tarsuinn seiner Pflicht als Minderjähriger nach und ignorierte dies.
Was er nicht ignorierte war jedoch die Verwandlungsmagie, die sich vor seinen Augen abspielte. Er kannte solch mächtige Zauber ja von Professor McGonagall, aber dieser hier war irgendwie kunstfertiger, vielleicht aber auch, geübter.
Tikki sprang zu Noiturspa und schien ihn eingehend zu begutachten. Sie gab ihr okay und Tarsuinn öffnete seinen Rucksack für sie. Dann griff er sich Noiturspa und inspizierte seine neue Gestalt mit den Händen. Das war sicherlich nicht sonderlich höflich, aber er musste zugeben, auch wenn er Noiturspa niemals mit Tikki verwechselt hätte, er hätte den Mungo niemals für einen Zauberer gehalten. Er fühlte sich wie ein ganz normales Tier an.
„Okay – kann so durchgehen“, tat er so, als wäre der Zauber nur leidlich und nicht sehr gut gelungen. Er schulterte seinen Rucksack und setzte Noiturspa auf seiner Schulter. Es war an der Zeit die letzten Schritte zu gehen.
Lange Zeit hatte Tarsuinn sich dem Lied des Einhorns verweigert, weil er Angst gehabt hatte, seinem Ruf zu folgen, und weil er wusste, dass er noch nicht bereit dafür war. Er war es auch jetzt noch nicht, aber ihm blieb nichts anderes übrig. Es dauerte jedoch nicht lange und zumindest diese Zweifel schwanden, denn das Lied rührte wie immer an seiner Seele und je näher er ihm kam, desto mehr erklang es auch aus ihm selbst heraus. Das war sein Einhorn, welches da sang, und es veränderte sein Denken und Trachten.
Bleibt fern.
„Keine Chance“, murmelte Tarsuinn. Zwei Mungos pfiffen fragend, wobei nur Tikki richtig sprechen konnte. Das von Noiturspa waren einfach nur imitierte Laute. Völliger Kauderwelsch. Tarsuinn wollte den Zauberer gerade damit ärgern, als eine weitere Mungo-Stimme sich einmischte. Sie fragte, wohin Tarsuinn eben verschwunden war.
„Shy?“, war Tarsuinn völlig perplex. Er ging ein paar Schritte zurück und sofort änderte sich das Pfeifen des Mungos. Er schien sehr erleichtert. „Was machst du denn hier?“
Es brauchte ein wenig Hilfe von Tikki, um die Antwort zu übersetzen. Shy tat sich schwer in für Menschen verständlichen Bildern zu sprechen und da Noiturspa überhaupt nichts verstehen konnte, übersetzte Tarsuinn für ihn.
„Shy fühlt, dass Tante Glenn in Schwierigkeiten ist.“, erklärte Tarsuinn dem Zauberer. „Aber er soll heimlich auf mich aufpassen und ist deshalb stinkig auf mich.“
…
„Außerdem bin ich einfach vor seiner Nase verschwunden, was er als extrem ungehörig empfindet.“
…
„Er verlangt, dass ich umkehre oder ihn mitnehme.“
…
„Na ja, dann mach ich halt einen Zirkus auf! Steig ein, Shy!“
…
„Entweder du hüpfst zu Tikki in den Rucksack oder du bleibst hier. Deine Entscheidung.“
…
„Na, wer sagt’s denn.“
Shy und Tikki zofften sich ein wenig in seinem Rucksack, aber es konnte endlich weiter gehen.
„Was für eine Armee“, brummte Tarsuinn und wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. „Man spürt so richtig Zuversicht in sich aufsteigen. Wenn ich nicht so unterkühlt wäre, würde ich richtige Freudensprünge machen.“
Er stapfte wieder Richtung Lied. Auch wenn er es nicht zugab, es fühlte sich durchaus besser an, als wenn er nur mit Tikki allein hier gewesen wäre. Dass er die Schwierigkeiten von Tante Glenn beiseiteschob, versuchte er so gut es ging zu verdrängen. Sie konnte sicherlich viel besser auf sich achten als 99 Prozent aller Menschen, die Tarsuinn kannte. Vielleicht nachher. War an Nachher zu denken ein Zeichen von Optimismus oder Selbstüberschätzung?
Er hatte nicht genug Zeit darüber nachzudenken. Nach gut hundert Schritten, es ärgerte ihn ein wenig, dass er sich derartig verschätzt hatte, stand er zum dritten Mal in seinem Leben, am Eingang der Geisterhütte. Nervös genehmigte er sich zwei Schlucke des Stärkungstrankes.
„Ein verfluchter Heldentrank wäre jetzt toll“, murmelte Tarsuinn.
Es verwunderte Tarsuinn, nicht empfangen zu werden. Selbst wenn er sich irrte und Rica gar nicht hier war, so hätte er eigentlich gedacht, dass die hübschen Geister als Sirenen hier warteten. Aber vielleicht ging das nur in der Nacht?
„Diggy“, nuschelte er ein wenig und stupste Mr Noiturspa vorsichtig an, um zu zeigen, dass er ihn damit meinte. „Wie wäre es mit ein wenig Aufklärung?“
Als Antwort sprang Noiturspa von seiner Schulter und ging voran zur Tür, die natürlich Tarsuinn öffnen musste. Kaum war diese einen Spalt weit offen, schlüpfte Noiturspa hinein. Es fühlte sich wirklich besser an als Tikki vorzuschicken, nur leider konnte er den Mann in seiner gegenwärtigen Form nicht verstehen.
Vorsichtig schlich Tarsuinn in die Hütte. So still und leise hatte er sich seine Rückkehr eigentlich nicht vorgestellt. Die Halle vor ihm schien leer. Nirgends ein Geräusch zu hören, nirgends ein Geist zu sehen – nur seine Nase meldete etwas Ungewöhnliches. Es war sehr schwer einzuordnen.
Zögernd ging er weiter. Seine Schritte klangen viel zu laut in seinen Ohren. Misstrauisch ging er nicht in die Halle hinein, sondern hielt sich nahe der Wand. Sein Verstand erinnerte sich an die vielen Türen, die Stufen in den Keller und die übergroße Treppe in der Mitte, die Balustrade als Rundgang im Raum für den zweiten Stock und die vielen wichtigen Räume oben. Natürlich war es möglich, dass man Rica in den Keller gesperrt hatte, doch sein Gefühl sagte ihm etwas anderes. Sir Oliver wollte ihn. Ob nun tot oder als Schüler spielte dabei keine Rolle. Tarsuinn fand Ersteres akzeptabel. Bei Nummer zwei wäre Rica sicher nicht einverstanden gewesen.
Tarsuinn erreichte die Wand auf der linken Seite, tastete sich zur ersten Tür vor und lauschte daran. Doch außer ein paar Holzwürmern war nichts zu hören. Noiturspa fiepte unangenehm laut. Er war zur Treppe gelaufen und schien auch der Ansicht zu sein, dass Rica oben zu finden war. Doch wieder zögerte Tarsuinn. Irgendwas hier war oberfaul! Sein Gefühl für Gefahr war noch nie derart allein gewesen. Keiner seiner anderen Sinne war alarmiert, nur das Geschenk des Einhorns spielte in der Magengrube verrückt. Ihn störte das Fehlen von Geräuschen. In seinen Erinnerungen war der Raum voller Geister gewesen und trotzdem hatte es gehallt, wie in einer leeren Halle. Doch diesmal…
Der Tod lauerte oben. Es gab kein Echo von der Decke und es lag eine Spannung in der Luft, die nach explosiver Aktivität drängte. Jemand war da oben und hatte sich vor Tarsuinn Gehör unsichtbar gemacht. Nun, Tarsuinn hatte genau das Richtige, um die Ratten aus ihren Löchern zu treiben.
Er kramte in seiner Tasche und förderte eine Nasenklammer sowie eine kleine Dose hervor. Eine Idee von Merton im Übrigen. Klammer auf die Nase, Dose auf, eine schleudernde Bewegung und einen Belüftungszauber in die richtige Richtung…
Ein lautes „Verflucht!“, war die Reaktion von oben. Viel zu früh, als dass das Niespulver aus der Dose schon hätte wirken können. Bruchteile einer Sekunde später folgten drei Flüche der übleren Sorte. Einen konnte Tarsuinn gerade noch mit einem „Protego!“, abblocken, ein anderer zischte bösartig an ihm vorbei. Der dritte schlug weit weg am Anfang der Treppe ein.
Tarsuinn war es gewohnt, instinktiv zu handeln. Doch diesmal unterdrückte er den ersten Gedanken und zerstörte nicht die Balustrade links neben der Treppe. Aber in Versuchung war er schon. Stattdessen rannte er auf seine Angreifer zu, ignorierte ihre Flüche, ließ seinen Zauberstab Unmengen glitschigen Schleims Richtung Treppe sprühen, warf sich die Füße voran zu Boden und rutschte genau dort unter die Balustrade, wo seine Angreifer standen. Er unterdrückte den Spaß, den er dabei empfand, als seine Beine die Wand trafen und locker seine Bewegung abfederten. Und wieder einen harmlosen Zauber pervertiert.
„Ihr unfähigen Schnepfen“, hörte Tarsuinn Jean Leraux wütend schreien. „Ich hab dieses kleine Mistvieh mit dem ersten Fluch erwischt und ihr könnt nicht mal einen blinden Blutsverräter treffen.“
„Halt die Fresse, Jean!“, fauchte Vivian Hogan. „Dafür bleibt keine Zeit.“
Das Mädchen sagte irgendetwas und plötzlich erfüllte ein unerträglich lautes Kreischen den Raum. In dem Versuch seine Ohren zuzuhalten, stieß Tarsuinn beinahe den Zauberstab in sein rechtes Ohr. Der kurze Hauch an Spaß, den er kurz gefühlt hatte, verflog unter Schmerzen. Inzwischen war er der Ansicht, dass da jemand viel zu gut gelernt hatte. Es kostete ihn unglaubliche Überwindung die Hände von seinen Ohren und den Rucksack vom Rücken zu nehmen. Tikki sprang als Erste heraus. Sie hatte seine Ohrenschützer, Lunas Geschenk, in ihrem Maul. Er stülpte sich die Schützer über den Kopf. Das Kreischen wurde sofort leiser und er konnte wieder vernünftig hören. Luna hatte wirklich gute Arbeit geleistet. Tikki und Shy, welche ihre Ohren nicht schützen konnten, jammerten leise und über ihm niesten drei Personen herzhaft. Er gönnte sich ein kleines, fieses Lächeln. Es gab genug Zauber auf die man sich konzentrieren musste und wenn man darin nicht gut war, dann war auch die Magie sehr unzuverlässig. Was für Luschen!
Nun wollte Tarsuinn den Schreizauber beenden, doch ihm fiel kein Gegenzauber dazu ein. Also blieb ihm nur eine Alternative. Wenn man einen Fluch nicht brechen kann, dann attackiere den Zauberer, der ihn gesprochen hat.
Ein Fläschen voller Öl, vergrößert zu einem Ballon, nach oben geschleudert und mit einem Fluch gezielt zum Platzen gebracht, bereitete nur etwas noch Fieseres vor. Lupin-san wäre ehrlich besorgt und Professor Moody sicher stolz gewesen. Über Tarsuinn erklangen ängstliche Schreie, dann klappte eine Tür und der Schreizauber verklang.
Mit einem zufriedenen Grinsen ließ Tarsuinn eine Flamme an der Spitze seines Zauberstabes entstehen. Dazu brauchte er nicht einmal einen Zauberspruch oder dergleichen. Er ließ einfach sein Gefühl machen. Er konzentrierte sich nicht mehr auf magische Worte oder Gesten mit dem Zauberstab. Tarsuinn musste einfach nur wollen. Die Treppe säubern, sich überzeugen, dass Noiturspa am Leben, aber außer Gefecht war, extrem dichten Nebel heraufbeschwören – alles funktionierte quasi von selbst. Und niemals erlosch dabei die Flamme.
„Mach das Zeug runter, Vivian!“, hörte er Regina Kosloff panisch schreien. „Bitte!“
„Halt still!“, entgegnete das andere Mädchen.
„Das Zeug ist überall…“
Tarsuinn stieß mit seinen Gedanken die noch ein paar Meter entfernte Tür auf. Ohne es sehen zu müssen, wusste er, dass der Nebel sofort in den Raum quoll und alles darin einhüllte. Flüche zischten durch die Tür, doch keiner davon konnte Tarsuinn treffen.
„Jean!“, säuselte Tarsuinn grausam. „Erinnerst du dich noch an mein Versprechen, was passiert, wenn du meiner Tikki was antust?“
Ohne auf eine Antwort zu warten, tat er den letzten Schritt zur Tür und wollte mit einer kleinen Flammenhölle alles beenden – als Tikki ihm seinen Zauberstab aus der Hand riss.
„Was soll das?!“, fauchte er überrascht und wütend und schaffte es nur ganz knapp, sich beiseite zu werfen und so einigen Flüchen zu entgehen.
Tikkis Antwort darauf war keine wirkliche Antwort, es war eine Strafpredigt, wie sie Tarsuinn zum ersten Mal in seinem Leben bekam, und sie endete mit der Drohung ihn zu verlassen, wenn er nicht sofort Vernunft annahm. Zunächst sträubte sich alles in Tarsuinn ihr zuzuhören, so wütend war er über ihren Verrat. Er kämpfte hier allein gegen drei Sehende seines Alters, die auch noch Rica entführt hatten. Da hatte er doch wohl das Recht, ein wenig rabiater vorzugehen, oder! Oder? Es war der Gedanke an Rica und die Angst plötzlich allein ohne Tikki zu sein, der Tarsuinn für einen kurzen Moment die Augen öffnete. Er sah für einen Moment sich selbst aus Tikkis Sicht. Seine Augen waren komplett schwarze Kugeln, bar jeder Freundlichkeit, und in seinem Gesicht spiegelte sich absolute Mordlust. Ein Ausdruck, den er in seinen Träumen nur allzu oft hatte erblicken müssen.
„Netter Versuch!“, zischte Tarsuinn zwischen seinen Zähnen hervor und dank Tikki sah er, wie seine Augen sich schlossen. „So cool es auch ist, alles mit einem Fingerschnippen zaubern zu können, du leitest mich hier nicht!“
Ohne mich fehlt dir die Macht, deine Schwester zu befreien.
„Aber mit dir möchte ich nicht erfolgreich sein!“, zischte Tarsuinn.
Wir mögen beide unsere Schwester.
„Rica ist meine Schwester. Du wirst sie nicht anrühren!“
Dann hast du bald eine tote Schwester.
„Solange sie und Tikki stolz auf mich sind…“, meinte Tarsuinn verächtlich. Mit einem tiefen Atemzug öffnete er die Lider und war froh, dass Tikki nur noch seine normale Augenfarbe sah. Sie gab ihm einen Befehl und die sanfte Dunkelheit trat wieder in Tarsuinn Leben. Obwohl er ihre Anweisung nicht mochte, tat er was sie sagte.
Zunächst vertrieb er den Nebel – das war gar nicht einfach, denn eigentlich wollte er diesen Vorteil behalten – dann trat er offen in die Tür.
„Also…“, sagte er laut, um die panisch herumschreiende Regina zu übertönen, und duckte sich unter einem Fluch hinweg. „Ich werde jetzt… Könntest du bitte mit den Flüchen aufhören, Leraux?“
Egal ob aus Verblüffung, Neugier oder was sonst noch, der Slytherin-Junge hörte auf.
„Sehr gut!“, sagte Tarsuinn kühl. „Noch mal von vorn. Ich werde euch jetzt eure Situation klarmachen und euch so die Chance geben, eure Hintern in Sicherheit zu bringen.“
„Wir legen keinen Wer…“
„Halt die Fresse, Jean“, sagten Vivian und Tarsuinn gleichzeitig.
„Du kannst deine Meinung gleich kundtun“, ergänzte Tarsuinn. „Und ein viertes Mal beginne ich nicht meine kleine Ansprache. Also! Falls ihr es noch nicht begriffen habt, ich bin hier, um meine Schwester nach Hause zu holen. Dabei wandle ich im Moment auf einem schmalen Grat zwischen rasendem Zorn und blinder Wut. Und glaubt mir, ihr wollt nicht, dass ich von dem Grat falle. In meinem Kopf tobt ein kleiner Mann herum, der nichts lieber als euch tot sehen will. Erringt er die Kontrolle – oder überlasse ich sie ihm – dann tut er euch das an, was du normalerweise mit Tieren veranstaltest, Leraux! Zu eurem körperlichen Wohl und im Sinne meiner geistigen Gesundheit wäre es also für uns alle vier besser, wenn ihr euch von hier verpisst und nie wieder zurückkehrt.“
„Ich werden nichts dergleichen tun“, schrie Leraux ihn an, sobald Tarsuinn fertig war. „Regina, Vivian! Der blufft doch nur. Er hat doch nur ein paar Kindertricks drauf, die ihm der Werwolf beigebracht hat. Nichts anderes hat er verwendet. Wir hier aber haben richtig was gelernt und jetzt eine echte Familie. Ich lass mir das nicht kaputt machen!“
„Familie?“, Tarsuinn lachte bitter.
„Jean“, mischte sich Regina unsicher ein. Sie schien sich inzwischen wieder etwas gefangen zu haben. „Wir sollten eigentlich gar nicht hier sein. Und wir sollen ihm eigentlich auch gar nichts tun.“
„Das ist doch nur, weil sie wollen, dass er den Platz einnimmt, der uns eigentlich zusteht“, war Leraux völlig aufgebracht. „Habt ihr denn nicht begriffen? Sobald sie McNamara haben, werden sie uns aussperren. Deshalb wollten sie uns heute nicht hier haben. Wir sind doch nur zweite Wahl.“
„Aber wir können doch nichts dagegen tun“, zweifelte Regina. „Und sie werden uns nicht hängen lassen. Bei all dem was wir für sie getan haben.“
„Doch! Er muss einfach nur verschwinden. Wir sind allein und niemand wird es erfahren. Regina, Vivian! Das ist unsere Chance. Wir können dem Dunklen Lord zur Seite treten – als seine zukünftigen Champions. Vielleicht sogar als Ebenbürtige. Versteht ihr denn nicht? Wenn wir es sind, die den Trank der Macht trinken…!“
„Dieser Trank ist nichts anderes als Einhornblut“, unterbrach Tarsuinn und hätte am liebsten den Slytherin-Jungen nach dem ersten Satz geschockt, nur leider verbot ihm das Tikki immer wieder. Außerdem hatte sie ja seinen Zauberstab. „Der macht euch nicht stärker, sondern verflucht nur euren Körper und macht euch abhängig.“
„Lüge! Sie werden uns lieben!“
„Weißt du, Leraux“, sagte Tarsuinn und kämpfte gegen einen kalten Schauer an. „Wenn es nicht so grausam wäre, würde ich dir wünschen, diese Liebe bis ins Kleinste kennenzulernen.“
„Das werde ich! Avada…!“, schrie Leraux und auf Tikkis Befehl hin warf sich Tarsuinn einfach zu Boden. Zwei von drei Flüchen zischten über ihn hinweg, jemand fiel hin, Jean fragte erschrocken: „Was?“ und dann sprach Vivian einen vierten und letzten Fluch – ihr „Stupor!“, war voller Hass – und dann fiel Leraux zu Boden.
Tarsuinn rappelte sich wieder verwirrt auf und war ein wenig verblüfft darüber, selbst völlig verschont geblieben zu sein.
„Das war jetzt eben mehr als ein wenig unerwartet“, murmelte er bei sich. Er war sich bewusst, dass da noch jemand stand und im Gegensatz zu ihm einen Zauberstab hielt, doch er fühlte sich überhaupt nicht bedroht. „Danke“, wandte Tarsuinn sich an Vivian. „Und… warum eigentlich?“
„Ich konnte nicht zulassen, dass Regina und er dir was tun“, sagte sie unsicher. „Das ging nicht!“
Wegen Sir Oliver, wollte Tarsuinn zunächst brutal unterstellen, doch so klang das Slytherin-Mädchen nicht. Eher, als wäre sie in einem großen Zwiespalt.
„Ich dachte, du kannst mich nicht leiden?“, fragte er neugierig.
„Ich kann dich nicht leiden!“, betonte sie etwas fester. „Aber du gehörst zur Familie, zum Clan. Und ich hatte den Auftrag, auf dich zu achten. Ich konnte nicht zulassen, dass diese Missgeburt mein eigenes Blut tötet. Regina hätte dir nie was getan. Sie hat einfach nur Angst vor Jean.“
Der Ansicht war Tarsuinn zwar nicht, erwähnte dies jedoch lieber nicht.
„Na ja, trotzdem. Danke für mein Leben.“
„Das bedeutet nicht, dass wir jetzt Freunde sind“, murmelte Vivian verlegen. „Wir sind nur eine Familie. Das hat nichts mit Freundschaft oder Mögen zu tun.“
„Keine Sorge. Ich werde nicht verraten, dass du ein Herz hast. Außer Toireasa vielleicht. Aber Regina und Leraux werden es wissen.“
„Ich wäre dir sehr dankbar, wenn ich Regina erzählen dürfte, dass du sie geschockt hast.“
„Gern. Aber was ist mit Jean? Der hat es mitbekommen.“
„Darum kümmere ich mich, falls du kein Problem damit hast.“
„Mir egal. Solange du mir sagst, wo Rica ist. Sie gehört schließlich auch zur Familie.“
„Sie ist im hinteren Raum und schläft“, antwortete Vivian.
„Danke“, sagte Tarsuinn und wollte schon gehen, als Tikki ihn zurückpfiff. „Ähem, ja, Vivian. Nur um sicher zu gehen. Ihr habt nicht Einhornblut getrunken, oder?“
„Nein, das wollten sie nicht!“
„Das ist gut für euch“, nickte Tarsuinn. „Glaub mir. Du solltest jetzt sehen, dass du die beiden Idioten hier rausbringst.“
„Mach ich“, sagte Vivian und Tarsuinn wollte erneut gehen, als diesmal sie ihn zurück hielt. „Ähem, Tarsuinn. Ich denke, du solltest unbedingt wissen…“