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- Kapitel 32 - …böse Mädchen überall hin
Tarsuinn war gut eine halbe Minute zu spät am Waldrand. Wenn er hingeflogen wäre hätte er es noch geschafft, aber er wollte nicht verraten, dass er viel mehr freie Zeit im Schloss gehabt hatte, als man vielleicht vermutete. Obwohl es sehr warm war, er einen schweren Rucksack trug und fast gerannt war, fror Tarsuinn erbärmlich. „Ich bin da, bin schon da“, rief er laut, doch nur die Geräusche des Waldes antworteten. Hoffentlich bemerkte Hagrid ihn nicht, wie er hier herumlief. Ein weiterer, unangenehmer Gedanke war, dass vielleicht der Portschlüssel schon weg war, jedoch hatte er keine Magie am Rand des Waldes gesehen, die darauf schließen ließ. Außerdem war Tarsuinn trotzallem blind – er konnte sich nicht vorstellen, dass der Schreiber des flatternden Zettels nicht wenigstens ein paar Minuten Toleranz vorgesehen hatte. Allein für den Weg hierher hätte er ohne Besen sicherlich fünfzehn Minuten gebraucht. „Hallo!“, rief er erneut in den Wald hinein. Was ist denn das für eine blöde Planung, schoss es ihm durch den Kopf. Erst so eine Hetze und dann vergisst man den Transport oder die Abholung. „Ach tut mir leid, mir ist was dazwischen gekommen! Es geht ja um nichts Wichtiges, oder?“, murmelte Tarsuinn sarkastisch und imitierte eine hochnäsige Schnepfe. „Sag mal Tikki, siehst du was?“ Er hätte sogar einen Schockzauber oder ähnliches begrüßt. Nur hier einfach nur herumzustehen fand er unpassend. Es vermittelte das Gefühl Opfer eines extrem schlechten Scherzes zu sein – und Tarsuinn war nicht bereit auch nur ein Fitzelchen Verständnis dafür aufzubringen. In der Hoffnung die Magie eines Portschlüssels aufzuschnappen, zu sehen oder zu fühlen, betrat er den Wald. Fünf Minuten später war er der Ansicht, dass demnächst etwas passieren sollte, denn ansonsten würde er zum Feuerteufel und mal schauen, was dann so alles zum Vorschein kam. Er wollte gerade wieder Richtung Schloss zurück, als neben ihm jemand laut Disapparierte. Keine halbe Sekunde später befand er sich in einem magischen Gefängnis wieder. „Runter mit dir, Junge!“, befahl eine männliche Stimme hektisch. „Wo sind sie?“ „Wo ist wer?“, fragte Tarsuinn verwundert, ohne den Befehl folge zu leisten. „Mr Noiturspa? Von ihnen hätte ich es nicht erwartet.“ „Deine kleine Elfe hat gesagt, du wärst in Gefahr“, sagte der alte Mann und Tarsuinn hörte, wie er erschrocken herumfuhr, als in einem Gebüsch ein Vogel in die Luft startete. Probeweise streckte Tarsuinn die Hand aus und konnte problemlos den Zauber vor ihm durchdringen. Kein Gefängnis also, sondern nur ein Schutzzauber. Das war alles sehr seltsam. Zuerst lockte man ihn hinaus, dann kam niemand und als dann doch jemand auftauchte, versuchte derjenige ihn zu schützen und hatte vorher mit Patsy gesprochen. Bei Professor Moody hatte er gelernt, dass es keine Zufälle gab und wenn doch, waren sie dazu da alles noch viel, viel schlimmer zu machen. Wenn er den Professor mal wieder traf, würde Tarsuinn ihn überreden die Ergänzung zu Murphys Gesetzen zu schreiben. „Nein, außer ihnen ist hier niemand, der mir gefährlich werden könnte“, sagte Tarsuinn und ließ sein Misstrauen deutlich durchschimmern. „Ich kann dir nur versichern, dass ich bis vor wenigen Minuten mit Mr Cutter über dich diskutiert habe, als deine Elfe bei uns auftauchte und außer sich vor Angst um dich war. Anscheinend hatte sie Probleme den wehrhaften Teil der Familie zu finden.“ Tarsuinn musste zugeben, dass die Erklärung Sinn machte. Schließlich hatte er selbst Patsy losgeschickt und wenn man die Geschwindigkeit bedachte, mit der Erwachsene Zauberer reisen konnten, dann passte es sogar zeitlich. Außerdem hörte er keine Lüge in Mr Noiturspas Worten. „Nun, vielleicht stimmt das. Dann wäre es vielleicht ganz gut, wenn Sie sich verstecken, denn bisher ist hier niemand aufgetaucht und einen Portschlüssel habe ich auch nicht gefunden.“ „Wie kommst du denn überhaupt darauf, dass hier ein Portschlüssel sein müsste?“, fragte der alte Zauberer neugierig und Tarsuinn reichte ihm den Zettel. „Wer ist den P.D.?“ „Das soll war Pádraigín Davian sein. Aber das glaube ich nicht.“ „Warum nicht?“ „Ganz einfach. Wer ist so dumm und unterschreibt ein solches Beweisstück mit seinen Namen? Und wenn Toireasas Stiefmutter doch so rundumverblödet ist, warum unterschreibt sie dann nicht mit P D und K? Sie wollte immer auf Toireasa Anspruch haben, doch wenn sie jetzt das Keary in ihrem Namen verleugnet, dann wäre das sehr unlogisch – oder ich hab einige wichtige Entwicklungen verpennt.“ „Zumindest nicht so wichtig, als das man sie mir mitgeteilt hätte“, sagte Mr Noiturspa nachdenklich. „Komm, es ist besser, ich bringe dich nach Hause oder zurück ins Schloss.“ „Sagen Sie mir erst, ob es stimmt was in den Brief steht?“, forderte Tarsuinn zu wissen. „Ist Rica wirklich entführt wurden?“ „Leider ja“, bestätigte der Mann entschuldigend. „Wahrscheinlich fast genau zu der Zeit, als du schlafen geschickt wurdest.“ „Denken Sie, dass hing zusammen?“ „Davon sind wir alle überzeugt.“ „Wieso?“ Mr Noiturspa dachte einen langen Moment nach. „Nun…“, sagte er nach einer Weile sehr gedehnt. „Professor Dumbledore vermutete, dass verhindert werden sollte, dass du oder deine Tikki Miss McNamara findet. Er hielt dich dazu befähigt.“ Rädchen drehten sich in Tarsuinns Kopf. Ausnahmsweise schien mal alles zusammen funktionieren zu wollen. „Sie alle konnten keine Spur von Rica finden?“, fragte er um sicher zu gehen. „Auch magisch nicht.“ „Überhaupt keine. Sie ist einfach vom Erdboden verschwunden. Und wir haben wirklich Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt.“ „Dann weiß ich wo sie sind“, fasste Tarsuinn einen Entschluss. „Aber Sie kommen nicht mit!“ „Ich schätze, du hast nicht das Alter um mir Befehle zu erteilen“, weigerte sich Mr Noiturspa entschieden. „Sag mir wo sie sind, dann gehst du ins Schloss zurück und ich hole deine Schwester.“ „Ohne mich finden Sie nie den Weg!“, fauchte Tarsuinn ihn zornig an. Was bildete sich dieser alte Knacker ein? „Und Sie kommen nicht mit, weil ich Ihnen nicht traue. Halten Sie sich einfach aus unseren Angelegenheiten raus.“ „In den vergangenen Monaten sind das auch meine geworden“, meinte der Mann kühl. „Außerdem, was willst du tun? Wenn ich der Böse bin, bin ich der, welchen du begleiten solltest, um deine Schwester wieder zu bekommen. Bin ich der Gute, dann kann ich dir helfen, sie zurück zu bekommen.“ „Oder sie tun ihr was an, wenn man Sie bei mir sieht.“ „Das könnten wir verhindern, wenn ich mich tarne.“ „Und wie, haben Sie einen Tarnumhang?“ „Leider nicht hier. Aber ich könnte mich in einen Mungo verwandeln. Wenn du deine Tikki im Rucksack versteckst, dann wäre dies eine gute Täuschung und ich könnte überraschen eingreifen, falls dies nötig wird.“ „Aber ich bin ohne Tikki aufgeschmissen“, gab Tarsuinn zu bedenken, wobei er sich im Grunde schon mit der Begleitung durch den Zauberer abgefunden hatte. Er konnte ihn sicher nicht so überraschen wie Madame Pomfrey. Dabei machte er sich gar nicht so große Sorgen, darüber, dass Noiturspa ihn vielleicht gerade hinterging, sondern er wollte dem Mann einfach nicht den Weg zur Geisterhütte zeigen. Auf der anderen Seite, wenn es wirklich dahin ging – dann richtete er sowieso gerade Chaos und Vernichtung an. „Okay, versuchen wir es“, sagte Tarsuinn schulterzuckend. „Aber erwarten Sie nicht, dass ich Rücksicht auf Sie nehme!“ „Dies ist eine Bedingung mit der ich leben kann“, lachte der Zauberer bitter. „Auch wenn ich sie eher von einem Slytherin erwartet hätte.“ „Ich passe in alle und keine Kategorie“, sagte Tarsuinn kalt. „Das hat mir schon der Sprechende Hut gesagt. Und jetzt verwandeln Sie sich bitte, bevor uns noch jemand hier sieht.“ Der Zauberer wirkte Magie und dann sprang Tikki von Tarsuinns Schulter und schien das Ergebnis in Augenschein zu nehmen. Sie schien mit Noiturspa zufrieden zu sein und sah nahm Tarsuinn sie auf und packte sie so in den Rucksack, dass sie zu jeder Zeit wieder selbst herauskam. Dann nahm er den Noiturspa-Mungo auf seine Schulter. Es war sicherlich sehr höflich, aber er inspizierte mit den Händen den Körper des Tierimitats. Er musste leider zugeben, auch wenn er diesen Mungo niemals mit Tikki verwechselt hätte, so hätte er hinter dieser Gestalt niemals einen Zauberer vermutet. Es fühlte sich an, wie ein ganz normales Tier. „Okay – kann so durchgehen“, tat er so, als wäre der Zauber nur leidlich und nicht sehr gut gelungen. Er setzte Noiturspa auf seine Schulter und ging langsam tiefer in den Wald hinein. Sein Gefühl sagte ihm, dass er richtig lag. Es gab nur einen Ort auf dieser Welt, den nur er finden und an dem Rica vor magischen Entdeckungszaubern verborgen werden konnte. Und wenn ihr Entführer das auch wusste, dann war es auch kein Wunder, dass er keinen Portschlüssel gefunden hatte. Man hatte gewusst, dass er über kurz oder lang darauf kommen würden. Lange Zeit hatte Tarsuinn sich dem Lied des Einhorns verweigert, weil er Angst gehabt hatte, seinem Ruf zu folgen und weil er wusste, dass er noch nicht bereit dafür war. Er war es auch jetzt noch nicht, aber ihm blieb nichts anderes übrig. Es dauerte jedoch nicht lange und zumindest diese Zweifel schwanden, denn das Lied rührte wie immer seine Seele an und je näher er ihm kam, desto mehr erklang es auch aus ihm selbst heraus. Das war sein Einhorn, welches da sang und es veränderte sein Denken und Trachten. Bleibt fern. „Keine Chance“, murmelte Tarsuinn. Zwei Mungos pfiffen fragend, wobei nur Tikki richtig sprechend konnte. Das von Noiturspa waren einfach nur imitierte Laute. Völliger Kauderwelsch. Tarsuinn wollte den Zauberer gerade damit ärgern, als eine weitere Mungo-Stimme sich einmischte. Sie fragte, wohin Tarsuinn eben hin verschwunden war. „Shy?“, war Tarsuinn völlig perplex. Er ging ein paar Schritte zurück und sofort änderte sich das Pfeifen des Mungos. Er schien sehr erleichtert. „Was machst du denn hier?“ Es brauchte ein wenig Hilfe von Tikki, um die Antwort zu übersetzen. Shy tat sich schwer in für Menschen verständliche Bilder zu sprechen und da Noiturspa überhaupt nichts verstehen konnte, übersetzte Tarsuinn für ihn. „Shy fühlt, dass Tante Glenn in Schwierigkeiten ist.“, erklärte Tarsuinn dem Zauberer. „Aber er soll heimlich auf mich aufpassen und ist deshalb stinkig auf mich.“ … „Außerdem bin ich einfach vor seiner Nase verschwunden, was er als extrem ungehörig empfindet.“ … „Er verlangt, dass ich umkehre oder ihn mitnehme.“ … „Na ja, dann mach ich halt einen Zirkus auf! Steig ein Shy!“ … „Entweder du hüpfst zu Tikki in den Rucksack oder du bleibst hier. Deine Entscheidung.“ … „Na, wer sagt’s denn.“ Shy und Tikki zofften sich ein wenig in seinem Rucksack, aber es konnte endlich weiter gehen. „Was für eine Armee“, brummte Tarsuinn und wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. „Man spürte so richtig Zuversicht in sich aufsteigen. Wenn ich nicht so unterkühlt wäre, würde ich richtige Freudensprünge machen.“ Er stapfte wieder Richtung Lied. Auch wenn er es nicht zugab, es fühlte sich durchaus besser, als wenn er nur mit Tikki allein hier gewesen wäre. Dass er die Schwierigkeiten von Tante Glenn beiseiteschob, versuchte er so gut es ging zu verdrängen. Sie konnte sicherlich viel besser auf sich achten, als 99 Prozent aller Menschen, die Tarsuinn kannte. Vielleicht nachher. War an Nachher zu denken ein Zeichen von Optimismus oder Selbstüberschätzung? Der Weg kam Tarsuinn noch viel länger vor, als bei den letzten zwei Mal indem er ihn gegangen war. Er fühlte sich schwach und musste immer wieder Pausen machen, doch er wiederstand dem Drang nach einer neuen Dosis Stärkungstrank. Erst als er endlich die Geisterhütte erreichte und die Tür freigegraben fand, genehmigte er sich eine doppelte Dosis. „Ein verfluchter Heldentrank wäre jetzt toll“, murmelte Tarsuinn. „Und ein Ersatzunterhose für den Fall der Fälle.“ Es verwunderte Tarsuinn nicht empfangen zu werden. Selbst wenn er sich irrte und Rica gar nicht hier war, so hätte er eigentlich gedacht, dass die hübschen Geister als Sirenen hier warteten. Aber vielleicht ging das nur in der Nacht?“ „Diggy“, nuschelte er ein wenig und stupste Mr Noiturspa vorsichtig an, um zu zeigen, dass er ihn damit meinte. „Wie wäre es mit ein wenig Aufklärung?“ Als Antwort sprang Noiturspa von seiner Schulter und ging voran zur Tür, die natürlich Tarsuinn öffnen musste. Kaum war diese einen spaltweit offen, schlüpfte Noiturspa hinein und ein dunkler Gedanke meinte zu Tarsuinn, dass besser der Zauberer voranging, als seine Tikki. Nur leider konnte er den Mann in seiner gegenwärtigen Form nicht verstehen. Vorsichtig schlich Tarsuinn in die Hütte. So still und leise hatte er sich seine Rückkehr eigentlich nicht vorgestellt. Die Halle vor ihm schien leer. Nirgends ein Geräusch zu hören, nirgends ein Geist zu sehen – nur seine Nase meldete etwas Ungewöhnliches. Es war nur sehr schwer einzuordnen. Zögernd ging er weiter. Seine Schritte klangen viel zu laut in seinen Ohren. Misstrauisch ging er nicht in die Halle hinein, sondern hielt sich naher der Wand. Sein Verstand erinnerte sich an die vielen Türen, die Stufen in den Keller und die übergroße Treppe in der Mitte, die Balustrade als Rundgang im Raum für den zweiten Stock und die vielen wichtigen Räume oben. Natürlich war es möglich, dass man Rica in den Keller gesperrt hatte, doch sein Gefühl sagte ihm etwas anderes. Sir Oliver wollte ihn. Ob nun tot oder als Schüler spielte dabei keine Rolle. Tarsuinn fand Ersteres akzeptabel. Bei Nummer zwei wäre Rica sicher nicht einverstanden gewesen. Tarsuinn erreichte die Wand auf der linken Seite, tastete sich zur ersten Tür vor und lauschte daran. Doch außer ein paar Holzwürmern war nichts zu hören. Noiturspa fiepte unangenehm laut. Er war zur Treppe gelaufen und schien auch der Ansicht zu sein, dass Rica oben zu finden war. Doch wieder zögerte Tarsuinn. Irgendwas hier war oberfaul. Sein Gefühl für Gefahr war noch nie derart allein gewesen. Keiner seiner anderen Sinne war alarmiert, nur sein Einhornsinn spielte in der Magengrube verrückt. Ihn störte das Fehlen von Geräuschen. In seinen Erinnerungen war der Raum voller Geister gewesen und trotzdem hatte es gehallt, wie in einer leeren Halle. Doch diesmal… Die Gefahr war oben, dass zumindest war klar. Sie lauerte, wartete – und verbarg Geräusche mit einem Zauber vor ihm. Es war quasi eine Unsichtbarkeit gegen Tarsuinn. Na ja, es war ja nur eine Frage der Zeit bis jemand darauf kommen würde. Dafür hatte Tarsuinn genau die richtige Begrüßung. Er kramte in seiner Tasche und förderte eine Nasenklammer sowie eine kleine Dose hervor. Eine Idee von Merton im übrigen. Klammer auf die Nase, Dose auf, eine schleudernde Bewegung und einen Belüftungszauber in die richtige Richtung… Ein lautes „Verflucht!“, war die Reaktion von oben. Bruchteile einer Sekunde später folgten drei Flüche der übleren Sorte. Einen konnte Tarsuinn gerade noch mit einem „Protego!“, abblocken, ein anderer zischte bösartig an ihm vorbei. Der dritte schlug weit weg am Anfang der Treppe ein. Tarsuinn war es gewohnt instinktiv zu handeln. Doch diesmal unterdrückte er den ersten Gedanken und zerstörte nicht die Balustrade links neben der Treppe. Aber in Versuchung war er schon. Stattdessen rannte er auf seine Angreifer zu, ignorierte ihre Flüche, ließ seinen Zauberstab Unmengen glitschigen Schleims Richtung Treppe sprühen, warf sich die Füße voran zu Boden und rutsche genau dort unter die Balustrade, wo seine Angreifer standen. Er unterdrückte den Spaß den er dabei empfand, als seine Beine die Wand trafen und locker seine Bewegung abfederten. Und wieder einen harmlosen Zauber pervertiert. „Ihr unfähigen Schnepfen“, hörte Tarsuinn Jean Leraux wütend schreien. „Ich hab dieses kleine Mistvieh mit dem ersten Fluch erwischt und ihr könnt nicht mal einen blinden Blutsverräter treffen.“ „Halt die Fresse, Jean“, fauchte Vivian Hogan. „Dafür bleibt keine Zeit.“ Das Mädchen sagte irgendetwas und plötzlich erfüllt ein unerträglich lautes Kreischen den Raum. In dem Versuch seine Ohren zuzuhalten, stieß Tarsuinn beinahe den Zauberstab in sein rechtes Ohr. Den kurzen Hauch an Spaß den er kurz gefühlt hatte, verflog unter Schmerzen. Inzwischen war er der Ansicht, dass da jemand viel zu gut gelernt hatte. Es kostete ihn unglaubliche Überwindung die Hände von seinen Ohren und den Rucksack vom Rücken zu nehmen. Tikki sprang als Erste heraus. Sie hatte seine Ohrenschützer, Lunas Geschenk, in ihrem Maul. Er stülpte sich die Schützer über den Kopf. Das Kreischen wurde sofort leiser und er konnte wieder vernünftig hören. Luna hatte wirklich gute Arbeit geleistet. Tikki und Shy, welche ihre Ohren nicht schützen konnten, jammerten leise und über ihm niesten drei Personen herzhaft. Tarsuinn wollte den Schreizauber beenden, doch ihm fiel kein Gegenzauber dazu ein. Also blieb ihm nur eine Alternative. Wenn man einen Fluch nicht brechen kann, dann attackiere den Zauberer der ihn gesprochen hat. Ein Fläschen voller Öl, vergrößert zu einem Ballon, nach oben geschleudert und mit einem Fluch gezielt zum Platzen gebracht, bereitete nur etwas noch fieseres vor. Lupin-san wäre ehrlich besorgt und Professor Moody sicher stolz gewesen. Über Tarsuinn erklangen Schreie, dann klappte eine Tür und der Schreizauber verklang. Mit einem fiesen Grinsen ließ Tarsuinn eine Flamme an der Spitze seines Zauberstabes entstehen. Dazu brauchte er nicht einmal einen Zauberspruch oder dergleichen. Er ließ einfach sein Gefühl machen. Er konzentrierte sich nicht mehr auf magische Worte oder Gesten mit dem Zauberstab. Tarsuinn musste einfach nur wollen. Die Treppe säubern, Noiturspa neben sich schweben lassen, extrem dichten Nebel heraufbeschwören – alles funktionierte quasi von selbst. Und niemals erlosch dabei die Flamme. „Mach das Zeug runter, Vivian!“, hörte er Regina Kosloff panisch schreien. „Bitte!“ „Halt still!“, entgegnete das andere Mädchen. „Das Zeug ist überall…“ Tarsuinn stieß mit seinen Gedanken die noch ein paar Meter entfernte Tür auf. Ohne es sehen zu müssen, wusste er, dass der Nebel sofort in den Raum quoll und alles darin einhüllte. Flüche zischten durch die Tür, doch keiner davon konnte Tarsuinn treffen. „Jean!“, säuselte Tarsuinn grausam. „Erinnerst du dich noch an mein Versprechen, was passiert, wenn du meiner Tikki was antust?“ Ohne auf eine Antwort zu warten, tat er den letzten Schritt zur Tür und wollte mit einer kleinen Flammenhölle alles beenden – als Tikki ihm seinen Zauberstab aus der Hand riss. „Was soll das?!“, fauchte er überrascht und wütend und schaffte es nur ganz knapp sich beiseite zu werfen und so einigen Flüchen zu entgehen. Tikkis Antwort darauf war keine wirkliche Antwort, es war eine Strafpredigt, wie sie Tarsuinn zum ersten Mal in seinem Leben bekam und sie endete mit der Drohung ihn zu verlassen, wenn er nicht sofort Vernunft annahm. Zunächst sträubt sich alles in Tarsuinn ihr zuzuhören, so wütend war er über ihren Verrat. Er kämpfte hier allein gegen drei Sehende seines Alters, die auch noch Rica entführt hatten. Da hatte er doch wohl das Recht ein wenig rabiater vorzugehen, oder! Oder? Es war der Gedanke an Rica und die Angst plötzlich allein ohne Tikki zu sein, der Tarsuinn für einen kurzen Moment die Augen öffnete. Er sah für einen Moment sich selbst aus Tikkis Sicht. Seine Augen waren komplett schwarze Kugeln, bar jeder Freundlichkeit und in seinem Gesicht spiegelte sich absolute Mordlust. Ein Ausdruck den er in seinen Träumen nur allzu oft hatte erblicken müssen. „Netter versucht!“, zischte Tarsuinn zwischen seinen Zähnen hervor und dank Tikki sah er wie seine Augen sich schlossen. „So cool es auch ist, alles mit einem Fingerschnippen zaubern zu können, du leitest mich hier nicht!“ Ohne mich, fehlt dir die Macht, deine Schwester zu befreien. „Aber mit dir möchte ich nicht erfolgreich sein!“, zischte Tarsuinn. Wir mögen beide unsere Schwester. „Rica ist meine Schwester. Du wirst sie nicht anrühren!“ Dann hast du bald eine tote Schwester. „Solange sie und Tikki stolz auf mich sind…“, meinte Tarsuinn verächtlich. Mit einem tiefen Atemzug öffnete er die Lider und war froh, dass Tikki nur noch seine normale Augenfarbe sah. Sie gab ihm einen Befehl und die sanfte Dunkelheit trat wieder in Tarsuinn Leben. Obwohl er ihre Anweisung nicht mochte, tat er was sie sagte. Zunächst vertreib er den Nebel – das war gar nicht einfach, denn eigentlich wollte er diesen Vorteil behalten – dann trat er offen in die Tür. „Also…“, sagte er laut, um die panisch herumschreiende Regina zu übertönen und duckte sich unter einen Fluch hinweg. „Ich werde jetzt… Könntest du bitte mit den Flüchen aufhören, Leraux?“ Egal ob aus Verblüffung, Neugier oder was sonst noch, die Flüche hörten plötzlich auf. „Sehr gut!“, sagte Tarsuinn kühl. „Nochmal von vorn. Ich werde euch jetzt eure Situation klarmachen und euch so die Chance geben, eure Hintern in Sicherheit zu bringen.“ „Wir legen keine Wer…“ „Halt die Fresse, Jean“, sagten Vivian und Tarsuinn gleichzeitig. „Du kannst deine Meinung gleich kundtun“, ergänzte Tarsuinn. „Und ein viertes Mal beginne ich nicht meine kleine Ansprache. Also! Falls ihr es noch nicht begriffen habt, ich bin hier um meine Schwester nach Hause zu holen. Dabei wandle ich im Moment auf einem schmalen Grat zwischen rasenden Zorn und blinder Wut und glaubt mir, ihr wollt nicht, dass ich von dem Grat falle. In meinem Kopf tobt ein kleiner Mann herum, der nichts lieber als euch tot sehen will. Erringt er die Kontrolle – oder überlasse ich sie ihm – dann tut er euch das an, was du normalerweise mit Tieren veranstaltest, Leraux! Zu eurem körperlichen Wohl und im Sinne meiner geistigen Gesundheit wäre es also für uns alle vier besser, wenn ihr euch von hier verdrückt und nie wieder zurückkehrt.“ „Ich nichts dergleichen tun“, schrie Leraux ihn an, sobald Tarsuinn fertig war. „Regina, Vivian! Der blufft doch nur. Er hat doch nur ein paar Kindertricks drauf, die ihm der Werwolf beigebracht hat. Nichts anderes hat er verwendet. Wir hier aber haben richtig was gelernt und eine echte Familie hier. Ich lass mir das nicht kaputt machen!“ „Familie?“, Tarsuinn lachte bitter. „Jean“, mischte sich Regina unsicher ein. Sie schien sich inzwischen wieder etwas gefangen zu haben. „Wir sollten eigentlich gar nicht hier sein. Und wir sollen ihm eigentlich auch gar nichts tun.“ „Das ist doch nur, weil sie wollen, dass er den Platz einnimmt, der uns eigentlich zusteht“, war Leraux völlig aufgebracht. „Habt ihr denn nicht begriffen. Sobald sie McNamara haben, werden sie uns aussperren. Deshalb wollten sie uns nicht hier haben. Wir sind doch nur zweite Wahl.“ „Aber wir können doch nichts dagegen tun“, zweifelte Regina. „Doch! Er muss einfach nur verschwinden. Wir sind allein und niemand wird es erfahren. Regina, Vivian! Das ist unsere Chance. Wir können dem Dunklen Lord zur Seite treten – als seine zukünftige Champions. Vielleicht sogar als Ebenbürtige. Versteht ihr denn nicht? Wenn wir es sind die den Trank der Macht trinken…!“ „Dieser Trank ist nichts anderes als Einhornblut“, unterbrach Tarsuinn und hätte am liebsten den Slythrin-Jungen nach dem ersten Satz geschockt, nur leider verbot ihm das Tikki immer wieder. „Der Macht euch nicht stärker, sondern verflucht nur euren Körper und macht euch abhängig.“ „Lüge! Sie werden uns lieben!“ „Weißt du, Leraux“, sagte Tarsuinn und kämpfte gegen einen kalten Schauer an. „Wenn es nicht so grausam wäre, würde ich dir wünschen, diese Liebe bis ins Kleinste kennen zu lernen.“ „Das werde ich! Avada…!“, schrie Leraux und auf Tikkis Befehl hin, warf sich Tarsuinn einfach zu Boden. Zwei von drei Flüchen zischten über ihn hinweg, jemand viel hin, Jean fragte erschrocken: „Was?“ und dann sprach Vivian einen vierten und letzten Fluch – ihr „Stupor!“, war voller Hass – und dann fiel Leraux zu Boden. Tarsuinn rappelte sich wieder verwirrt aus und war ein wenig verblüfft darüber, selbst völlig verschont geblieben zu sein. „Das war jetzt eben mehr als ein wenig unerwartet“, murmelte er bei sich. Er war sich bewusst, dass da noch jemand stand und im Gegensatz zu ihm einen Zauberstab hielt, doch er fühlte sich überhaupt nicht bedroht. „Danke“, wandte Tarsuinn sich an Vivian. „Und… warum eigentlich?“ „Ich konnte nicht zulassen, dass Regina und er dir was tun“, sagte sie unsicher. „Das ging nicht!“ Wegen Sir Oliver, wollte Tarsuinn zunächst brutal unterstellen, doch so klang das Slytherin-Mädchen nicht. Eher als wäre sie in einem großen Zwiespalt. „Ich dachte, du kannst mich nicht leiden?“, fragte er neugierig. „Ich kann dich nicht leiden!“, betonte sie etwas fester. „Aber du gehörst zur Familie, zum Clan. Und ich hatte den Auftrag auf dich zu achten. Ich konnte nicht zulassen, dass diese Missgeburt mein eigenes Blut tötet. Regina hätte dir nie was getan. Sie hat einfach nur Angst vor Jean.“ Der Ansicht war Tarsuinn zwar nicht, erwähnte dies jedoch lieber nicht. „Na ja, trotzdem. Danke für mein Leben.“ „Das bedeutet nicht, dass wir jetzt Freunde sind“, murmelte Vivian verlegen. „Wir sind nur eine Familie. Das hat nichts mit Freundschaft oder Mögen zu tun.“ „Keine Sorge. Ich werde nicht verraten, dass du ein Herz hast. Außer Toireasa vielleicht. Aber Regina und Leraux werden es wissen.“ „Ich wäre dir sehr dankbar, wenn ich Regina erzählen dürfte, dass du sie geschockt hast.“ „Gern. Aber was ist mit Jean? Der hat es mitbekommen.“ „Darum kümmere ich mich, falls du kein Problem damit hast.“ „Mir egal. Solange du mir sagst wo Rica ist. Sie gehört schließlich auch zur Familie.“ „Sie ist im hinteren Raum und schläft“, antwortete Vivian. „Danke“, sagte Tarsuinn und wollte schon gehen, als Tikki ihn zurückpfiff. „Ähem, ja, Vivian. Nur um sicher zu gehen. Ihr habt nicht Einhornblut getrunken, oder?“ „Nein, dass wollten sie nicht!“ „Das ist gut für euch“, nickte Tarsuinn. „Glaub mir. Du solltest jetzt sehen, dass du die beiden Idioten hier rausbringst.“ „Mach ich“, sagte Vivian und Tarsuinn wollte erneut gehen, als diesmal sie ihn zurück hielt. „Ähem, Tarsuinn. Ich denke, du solltest unbedingt wissen…“
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