Ich sagte doch, kurze Kapitel.
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- Kapitel 30 -
Die Einladung Manchmal kündigte sich Ärger mit Blitz und Donner an – manchmal mit einem ausgiebigen Gähnen.
„Das war aber ein seltsamer Traum“, murmelte Tarsuinn und strich der gähnenden Tikki durchs Fell. „So spannend, ohne Angst einzujagen.“ Er wollte sich aufsetzen, doch seine Bauchmuskeln protestierten aufgrund der Anstrengungen. „Was zur Hölle…“, brummte er genervt und half zitternden Armen nach. „Ich fühl mich, als hätte ich ein paar Liter Blut verloren.“
Tikki schien sich auch nicht besser zu fühlen, zumindest protestierte sie auch.
Er zog tief die Luft ein und lauschte angestrengt.
„Krankenflügel und eine andere Jahreszeit?“, fragte er seine kleine Freundin.
Sie bestätigte besorgt und schien der Ansicht zu sein, eine sehr wichtige Zeit verschlafen zu haben.
„Ja so ist das mit Freunden. Da schläft man einmal in seinem Leben richtig durch und schon traut sich keiner einen zu wecken. Siehst du meinen Zauberstab?“
…
„Wehe sie haben ihn mir weggenommen.“
…
„Ich weiß, dass das Ding gefährlich ist. Aber es ist trotzdem meine!“
…
„Ist ja schon gut, ich reg mich nicht auf. Das heb ich mir für später auf.“
…
„Was meinst du damit, es flattert dünnes Holz vor der Tür? Meinst du damit Papier?“
…
„Deine Formulierungen waren auch schon mal genauer.“
…
„Meine Ohren sind so gut wie eh und je.“
…
„Ja, ich geh ja schon zur Tür.“
Tarsuinn schwang die Beine vorsichtig über den Rand des Bettes. Seine Zehen schienen noch nicht ganz erwacht und kribbelten unangenehm. Vorsichtig setzte er ein Bein nach dem anderen auf den Boden. Er musste sich erst einige Sekunden am Bett festhalten, eher er seiner Kraft und den Gleichgewichtssinn wiederfand.
„Also Winter ist sicher nicht mehr. Ich höre kein Feuer, es ist warm und der Boden ist viel wärmer als im Frühjahr. Wo ist denn ungefähr die Tür? Ich glaub das Schloss ist wieder mal sauer auf mich.“
…
„Ich hoffe auch, dass ich niemanden umgebracht habe. Wir werden es ja gleich wissen…“
Dank Tikkis Anweisungen fand er die Tür und drückte die Klinke herunter. Mit einem leisen Klack öffnete sich das Schloss. Ihm fiel ein Stein vom Herzen. Also sah man in ihm keine Gefahr. Er öffnete die Tür einen Spalte und wurde von einem Papierflieger umgeworfen, der ihm ins überraschend ins Gesicht geflogen war.
„Verdammt!“, fluchte er, weil ihm sein Hintern von dem Sturz wehtat. Am liebsten hätte er das flatternde Ding verbrannt, aber weil es hektisch seinen Kopf umflog, hatte er Angst ausversehen Tikki oder sich selbst zu erwischen. Er hörte Tikki vom Bett auf den Boden springen, begleitet von einem schmerzhaften Pfeifen, dann kam sie herüber und fing für Tarsuinn das Papier ein.
„Ich les ja schon!“, sagte Tarsuinn weil sie ihn ein wenig drängelte.
McNamara!
Wenn du deine Schwester lebend wiedersehen willst, sei in zwanzig Minuten am Rand zum Verbotenen Wald. Ein Portkey erwartet dich. Komm allein oder deine Schwester, deine Familie und deine Freunde werden es büßen.
P.D.
Wut stieg in Tarsuinn auf. Er konnte fühlen, dass dies nicht nur ein übler Scherz war. Das Papier strotzte nur so von Bösartigkeit. Wie konnten sie es wagen sich an seiner Schwester zu vergreifen? Wie hatten die anderen das zulassen können? Und warum hatten sie ihn nicht geweckt!
„Sie haben Rica gestohlen!“, erklärte er Tikki und rappelte sich auf. „Komm, wir müssen sie holen.“
…
„Ich verstehe nicht? Was meinst du damit, dass Toireasa mich hätte eigentlich wecken sollen?“, fragte Tarsuinn für einen Moment verwirrt. Tikkis Antwort war dann eine der seltenen Gelegenheiten, in denen er nicht verstand, was sie ihm sagen wollte. Aber er schob dies beiseite.
„Egal, dafür haben wir keine Zeit. Wir müssen los und zwar sofort!“
…
„Ja, ich weiß. Wir sind beide nicht in der richtigen Verfassung. Wir müssen möglichst schnell zu Kräften kommen. Kannst du meine Sachen finden?“
Sie bejahte und lief zur Tür. Tarsuinn folgte so gut er konnte. Wie vermutet führte die Tür in den Krankenflügel. Es war extrem still und so hörte er sehr deutlich wie Madame Pomfrey Wäsche mit Deinfektionszaubern wusch. Er wollte schnell und leise Tikki folgen, doch sein Kreislauf verabschiedete sich in ein tiefes Tal und er fand sich keuchend auf den Knien wieder.
Es waren die Angst um seine Schwester und die Wut darüber sie retten zu müssen, die ihn nach einer kurzen Pause auf allen Vieren vorwärts trieb. Tikki schien es inzwischen deutlich besser zu gehen. Sie schlich wie ein Wispern voran, verschwand in dem Raum in dem Madame Pomfrey war und als Tarsuinn endlich auch da ankam, kam sie ihm entgegen und hatte seinen Zauberstab zwischen den Zähnen.
„Tarsuinn, was…?!“, hörte er Madame Pomfrey sagen.
„Schlaf!“, formulierte Tarsuinn sein Gefühl und machte eine sichelförmige Bewegung, um die Krankenschwester auch wirklich zu erwischen. Er durfte nicht die Kontrolle über sein Tun verlieren und eine wache Madame Pomfrey war eine große Bedrohung für seinen freien Willen.
…
„Ja, ich weiß, sie meint es immer gut.“
…
„Ich hoffe auch, sie wird darüber hinwegkommen. Aber wir haben keine Zeit. Wo hast du meine Sachen gefunden?“
Tikki führte ihn ein wenig zur Seite und in einem halboffenen Schrank fand er all seine persönliche Habe. Seine Hände tasteten nach dem Inhaljektabsorb, den ihn Tante Glenn geschenkt hatte und beglückwünschte sich dafür, ihn teilweise schon aufgefüllt zu haben. Da er im Moment noch nur einen Schlafanzug trug, was das Gerät schnell angelegt.
„Stärkungstrank“, sagte er dann und öffnete den Mund. Eine Portion des gewünschten spritzte in seinen Mund und er schluckte den größten Teil davon herunter. Ein ganz klein wenig ließ er jedoch unter der Zunge und versuchte damit zu reden.
„Okay, Tikki. Dass wird jetzt ein wenig eklig. Gib Küsschen.“
Er beugte sich hinunter und sobald er ihre Zunge spürte, ließ er den kleinen Rest des Trankes – natürlich jetzt mit Speichel vermischt in ihre Rachen laufen. Es war im Moment die einfachste Art ihr nicht viel zu viel von dem Trank zu geben und gleichzeitig nichts zu verschwenden.
Gleichzeitig spürte er, wie die Magie der Flüssigkeit seinen Körper durchflutete. Die Schwäche seiner Muskeln verschwand und die gewohnte Kraft kehrte zurück. Die Wirkung würde nicht ewig halten, aber im Moment half es ihm und Tikki sehr auf die Sprünge. Schnell zog er sich etwas anderes an und begann einige wichtige Sachen einzupacken.
„Tikki, schau bitte, ob es Madame Pomfrey gut geht und dann, ob sie irgendetwas hat, dass uns helfen könnte.“
Der Krankenschwester schien es gut zu gehen, aber…
„Ich weiß, in Dumbledores Büro gibt es viele nützliche Sachen, aber wir haben keine Zeit, um dahin zu laufen.“
…
Tarsuinn stockte und dann schlich sich ein Grinsen auf seine Lippen.
„Stimmt, wer redet denn vom Laufen.“
Seine Finger zögerten einen Moment, doch dann schloss sich seine Hand um das Holz seines Besens.
„Das bringt uns zehn Minuten zu freien Verfügung. Hoffen wir, dass Dumbledore nicht abgeschlossen hat.“
Er vergewisserte sich im Gedanken, ob er alles hatte. Zauberstab, Tränke, Messer, Verbände, Tikki, Unterhose zum Wechseln – alles da. Dann schwang er sich auf den Besen und brach sämtliche Regeln und Geschwindigkeitsrekorde, die jemals innerhalb der Mauer von Hogwarts mit einem Besen aufgestellt worden waren. Leider war der Einzige der ihn dabei sah Peeves.
„Was ist das für eine Art in das Büro des Direktors einzudringen.“
„Eine sehr ausgefallen“, antwortete Tarsuinn dem Bild eines ehemaligen Direktors. Hektisch durchsuchten er und Tikki den Raum nach etwas nützlichen.
„Wir werde diesen Einbruch dem Direktor melden“, drohte das Bild.
„Tun Sie sich keinen Zwang an“, winkte Tarsuinn ab. „Und sagen Sie im gleich, dass es um Leben und Tod tot geht. Man hat meine Schwester entführt.“
„Das weiß er schon lange und er kümmert sich so gut wie nur er es kann darum!“, sagte eine alte Frauenstimme etwas mitfühlender.
„Na, dann war auch er nicht sonderlich erfolgreich, oder? Ich…“
„Nimm das Schwert Gryffindors“, mischte sich eine Stimme verschwörerisch ein.
„Phineas Nigellus!“, empörte sich eine Stimme voller Entsetzen.
„Er braucht es! Und außerdem drückt Dumbledore es ja eh jeden Dahergelaufenen in die Hand.“
„Mit dem Schrott kann ich nichts anfange“, lehnte Tarsuinn ab und suchte weiter. Hier war etwas Bekanntes, dass spürte er. „Viel zu unhandlich.“
„Das ist kein Schrott“, meckerte ein Direktor. „Dies ist die Waffe des vielleicht größten Mannes von Hogwarts und einer der Gründe.“
„Ich wette, Hagrid ist größer“, sagte Tarsuinn nebenbei. „Außerdem, selbst wenn das Schwert was taugt, warum sollte ich es meinen Feinden mitbringen.“
„Das Schwert hat einen eigenen Willen und es ist eine der mächtigsten Waffen unserer Welt. Die Klinge wurde in Drachenblut abgeschreckt und in Basiliskengift getränkt.“
„Das war aber nicht sehr sportlich vom alten Gryffindor. Wenn ich mich recht erinnere, wurden Kobolde, welche mit einer vergifteten Klinge angetroffen wurden, ohne viel Federlesens aufgeknüpft. Aber egal, dass hier ist viel besser.“
Tikki hatte etwas gefunden, was Tarsuinn sehr vertraut vorkam. Zumindest einen Teil davon. Er steckte es ein.
„So und jetzt…“
Mit einem deutlichen Befehl unterbrach Tikki ihn.
„Ja, ich mach ja schon!“, gab er nach. „Und ihr hier haltet alle verdammt nochmal eure Klappe. Man versteht ja kaum seinen eigenen Gedanken.“
Er ging zu Dumbledores Schreibtisch und weil er es gegen seinen Willen tat, schob er die Schreibunterlage beiseite und brannte mit dem Zauberstab eine Nachricht direkt in die Tischplatte. Dann schob er die Schreibunterlage wieder darüber und hing die Bilder der Direktoren Townson, April, Bussard, Lexington und Emerald direkt hinter den Schreibtisch.
Er hatte noch fünf Minuten, als er das Büro verließ.
„Wenn doch nur Patsy hier wäre“, murmelte er dabei.
„Ähem, war dass ein Befehl, Ta… Tarsuinn? Weiß du, ich weiß noch immer nicht genau, wann und wann nicht. Das ist so unklar und ich wollte nicht…“
„Patsy“, unterbracht Tarsuinn sie erfreut. „Es ist einfach klasse, dich hier zu treffen. Aber ich hab nicht viel Zeit, deshalb kann ich dies nicht richtig würdigen. Sag mir als erstes schnell ob Rica wirklich entführt worden ist? Weißt du davon?“
„Ja und es tut Patsy sehr leid…“
„Papperlapapp, darum geht es jetzt nicht. Du musst mir zuhören. Ich geh mir jetzt meine Rica zurückholen. Du musst es den anderen sagen. Du weiß schon, die erweitere Familie plus Professor Dumbledore. Sag ihnen, ich habe in Dumbledores Büro eine Nachricht hinterlassen, die sie zu mir führen wird. Sie ist ein wenig versteckt, aber mit ein wenig Logik kommt man dahinter. Kannst du das für mich tun.“
„Patsy tut alles für… dich.“
„Du bist meine Rettung, Patsy. Und nun schnell, ich hab nur noch vier Minuten.“
„Patsy gehorcht – gleich.“ Plötzlich wurde Tarsuinn heftig umarmt. „Patsy ist so froh, Tarsuinn wieder wach zu sehen. Jetzt wird wieder alles gut. Patsy hat alles getan, aber konnte gute Rica nicht finden.“
Er schauderte ein wenig, so unvorbereitet berührt zu werden, war ihm unangenehm. Außerdem fühlte sich seine Haut sehr unangenehm an.
„Ich hab wirklich keine Zeit, Patsy“, sagte er und strich trotzdem sanft über ihren Kopf. „Du hattest keine Chance sie zu finden. Ich schon. Und mach die keine Vorwürfe, wenn du mich auch nicht finden wirst. Sag ihnen nur unbedingt, sie sollen in Dumbledores Büro gehen und die Nachricht lesen.“
„Kann Patsy nicht mitkommen?“
„Ich soll allein kommen“, schüttelte er den Kopf. „Du hilfst Rica und mir viel mehr, wenn du tuest was ich dir sagen. Und jetzt los!“
„Patsy tut was man ihr befie… worum man sie bittet.“
Die Berührung schwand und Tarsuinn atmete befreit auf. Noch drei Minuten und soviel zu tun. Er schwang sich erneut auf den Besen.
„Peeves“, schrie er und verstärkte seine Stimme magisch, während er los flog. „Triff mich in der Eingangshalle. Ich werde dir das Angebot deines Todes machen – und ich werde zehn Sekunden auf dich warten!“
Tarsuinn wusste, die Neugier würde den Poltergeist pünktlich sein lassen. Patsy hatte ihn eine Minute mehr als nötig gekostet und so blieb ihm nicht anderes übrig, als gleich ein Angebot zu machen, welches Peeves nicht ablehnen konnte. Das nächste Schuljahr würde also die Hölle werden – falls Tarsuinn so lange lebte.