Anmelden    Forum    Registrieren    Suche    FAQ

Foren-Übersicht » Allgemeines » Die Geheimnis Triologie




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 14 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 28: Ein guter Anlass zum Feiern
 Beitrag Verfasst: 16. Feb 2009, 21:27 
Offline
Major General
Major General
Benutzeravatar

Registriert: 7. Apr 2002, 19:50
Beiträge: 2719
Hallo allerseits,

es ist schön für mich, dass selbst nach so langer Zeit noch Rückmeldungen kommen. Danke - und ich gelobe Besserung.

@zebu
Ein Glück dass Dumbledores Bart so lang ist, genauso wie die Zeit zwischen meinen Kapiteln. ;)

Staubwedel und seine Wirkung
Ich schätze, da muss ich noch stark nacharbeiten. In meiner Vorstellung ist es so (und es steht auch auf der 2Do-Liste). Caradoc macht des öfteren den Peter Pan indem Lucy ihn fliegen läßt (mit Elfenstaub einnebelt). Alles was daneben geht, muss aber entfernt werden, damit es zu keinen Unfällen kommt. Dazu dient der Staubwedel, was natürlich dazu führt, dass an ihm noch jede Menge Elfenstaub hängt.
Caradocs wegfliegen dient dann aber nur zur Ablenkung. Gloria weiß in dem Augenblick, dass ihrem Sohn nichts geschehen soll. Sie lenkt also die Todesserin ab, die Lucy am teleportieren hindert, und knockt sie dann auf, woraufhin der Zauber bricht.

Apparieren und verfolgen
Hier habe ich JKR einfach falsch verstanden oder verstehen wollen. Ich bin der Ansicht, dass man jemanden verfolgen kann, wenn man nur nah genug an ihm dran ist. Eine Berührung ist dabei natürlich am besten. Ansonsten ist mir das Apparieren an sich viel viel zu heftig und stört die Balance der Welt. Im siebten Band hat ja JKR selbst auch gegen ihre ganze Magie mit Einschränkungen ankämpfen müssen. ;)

Warum die Verhandlung genau am Tag des Turnieres?
Geht man nach den Büchern (meine Hauptreferenz) sind nicht sonderlich viele externe Gäste anwesend. Wenn ich mich recht erinnere war es nur der Zaubereiminister und die Verwandten der Champion (bzw Mrs Weasley und Rons Bruder). Das Hauptleben in der normalen Welt geht einfach weiter. Ich denke, man hat über Kimmkorns Berichte mitgefiebert, was auch ihre Macht und die Macht des Tagespropheten erklärt. In der Beziehung leben die Zauberer so ungefähr zu den Zeiten von 1900.
Ansonsten hatte es natürlich storytechnische Gründe. Ich wusste ja, dass Famulus sie gelingt hatte und genau dieser Abend war die letzte Gelegenheit Gloria unvorbereitet zu erwischen.
In der Beziehung habe ich nochmal drüber nachgedacht und mich entschlossen, das "Interview" ihres Mannes noch an das Kapitel anzuhängen. Es macht so vom zeitlichen Ablauf einfach mehr Sinn. Ich hab ja seit Kap 27 drei parallele Handlungsstränge und da geht es wohl logisch nicht anders, obwohl ich den Schlusssatz eigentlich perfekt fand, um das Kapitel damit abzuschließen. :/


Famulus Namen
Tja, da hab ich mir wohl meinen eigenen Running Gag versaut. Laut meiner uralt Planung sollte sein Name zwar in diesem Kapitel rauskommen, aber nicht so nebenbei. Liegt an der Bedeutung ist eher eine Sache für mich als für euch. ;)

Cindy
Ja, zumindest Cindy müsste Gloria "Euch-en". Wird noch korrigiert.

Janos Fairbank
Na ja, ohne es zu ahnen, hat er sich und seiner Frau wohl das Leben gerettet, oder? ;)

@metamorph
"Konspiration mit dem Feind" gefällt mir. Bekomme ich sicher irgendwie unter.

Glorias Bestrebungen
Was ist besser als viel Macht? Noch mehr Macht! :D

Also, danke für die vielen Ideen. Ich denke, morgen schreibe ich das "Interview", am Wochenende wird überarbeitet und ab nächste Wochenende darf eri sich mit der Korrektur rumärgern. :p

Tschüß
Tikki


Nach oben 
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 28: Ein guter Anlass zum Feiern
 Beitrag Verfasst: 23. Apr 2009, 17:01 
Offline
Lance Corporal
Lance Corporal
Benutzeravatar

Registriert: 13. Aug 2008, 23:20
Beiträge: 33
Wohnort: Eisenach

Nur ein kleiner Hinweis für alle, die das Forum nur nach einer neuen Benachrichtigung besuchen: Ich habe einen neuen Thread eröffnet.



_________________
Hier gibt es ein paar FanFiction-Kurzgeschichten von mir: http://www.fanfiction.net/u/754341/

"Hexen benutzen Computer schon seit Jahrhunderten. Bill Gates hat nur den Absturzzauber hinzugefügt." (Bernds Hexe)


Nach oben 
 Profil E-Mail senden  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 28: Ein guter Anlass zum Feiern
 Beitrag Verfasst: 13. Jun 2009, 22:59 
Offline
Major General
Major General
Benutzeravatar

Registriert: 7. Apr 2002, 19:50
Beiträge: 2719
So - hier die neuere Version.
Ich hab ein paar Fehler korrigiert, Famulus sein Namen bis zum letzten Abschnitt hin rausgeschmissen und noch ein paar Zeilen (blau) hinten angehängt.

Sorry, dass es so lange gedauert hat. :ops:

**********************************************************************
- Kapitel 28 -
Ein guter Anlass zum feiern


„Erheben Sie sich für die ehrenwerte Madame Bones und dem Zaubergamot.“
Gloria brauchte nicht die rituellen Worte des Speakers. Sie war schon aufgestanden, als die Tür sich öffnete. Neben ihr erhob sich Janos Fairbanks – nur deutlich langsamer. Er schien um Jahrzehnte gealtert. Die ganze Affäre hatte an seinen Kräften gezehrt und trotzdem straffte sich sein Rückgrat. Das war einfach nur der Stolz sich nicht vor den anderen zu beugen. Stolz war eine große Stärke und gleichzeitig die größte Schwäche der Rechtschaffenden. Trotzdem bewunderte sie Janos dafür – es machte ihn nur so ungeeignet für den Dschungel einer Bürokratie und der Politik. Stolz konnte man woanders sein, aber innerhalb des Systems musste man so etwas herunterschlucken können und als Trumpfkarte im rechten Moment ausspielen.
Sorgsam betrachtete Gloria die Gesichter der Mitglieder des Gamots, welche sich natürlich alle Mühe gaben möglichst nichtssagend dreinzublicken. Es gab einige Lücken unter denen, die eine abschließende Entscheidung zu treffen hatten. Dumbledore fehlte, genau wie der Zaubereiminister. Kein Wunder, die mussten sich heute Abend um die letzte Aufgabe des Trimagischen Turniers kümmern. Aber es fehlten noch andere. Bei den meisten wusste Gloria warum sie nicht da waren. Viele von denen hatten sich einfach ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt zu der Zeit, als alle Janos Fairbanks vorverurteilt hatten und jetzt waren sie zu Stolz, um gegen ihr eigenes Vorurteil zu stimmen. Aber da sie auch zu feige waren, sich jetzt noch gegen Glorias Beweise und Argumente zu stellen, blieben sie lieber mit einer Entschuldigung fort.
Sie unterdrückte ein triumphierendes Lächeln. Schließlich hatte Gloria das Plädoyer ihres Lebens gehalten und dann waren auch noch – natürlich von jemanden ganz anderen und vollkommen zufällig – die nötigen Beweise aufgetaucht.
„Mr Fairbanks?“, fragte die Vorsitzenden Madame Bones mit extrem neutraler Stimme. „Möchten Sie vor der Urteilsabstimmung noch etwas sagen?“
Das war auch nur eine traditionelle Frage. Man gab so einem Angeklagten noch einmal die Chance sich eventuell doch schuldig zu bekennen und so vielleicht eine mildere Strafe zu bekommen.
„Nein, Madame“, erwiderte Janos Fairbanks ohne ein einziges Zittern in der Stimme. Er hatte so oft selbst einem Beklagten diese Frage gestellt. „Ich danke Ihnen für die faire Leitung des Prozesses.“
Es war bezeichnend, dass Madame Bones Schwierigkeiten hatten den Blickkontakt mit Fairbanks zu halten. Auch sie hatte zu Beginn stark an ihren Unterabteilungsleiter gezweifelt und deshalb fühlte sie sich sicher schuldig. Gut so.
„Dann stimmen wir jetzt ab“, fuhr Madame Bones fort. „Wer ist für eine Verurteilung von Janos Fairbanks aufgrund seiner geheimen Kontaktaufnahme mit Dem-dessen-Name-nicht-genannte-werden-darf?“
Nur wenige Hände erhoben sich. Größtenteils von Leuten, die Gloria für Sympathisanten des Dunklen Lords hielt, aber auch einige, die mit Janos Fairbanks noch eine Rechnung zu haben glaubten. Aber wenn sich nicht jetzt noch achtzig Prozent der verbliebenen Stimmen sich enthielten…
„Wer ist der Überzeugung, dass Janos Fairbanks im Auftrag des damaligen Zaubereiministers handelte, in der Hoffnung eine Festnahme zu erzielen?“
Deutlich mehr Hände wurden erhoben und obwohl Gloria mit einem Sieg gerechnet hatte, hatte doch ein gewisses Restrisiko bestanden.
„Wer enthält sich?“
Es war irrelevant wer sich enthielt. Mehr als zwei Drittel hatten für einen Freispruch plädiert. Das war zwar kein überragender Sieg, aber auch kein knappes Ergebnis, bei dem der Tagesprophet noch einmal Zweifel konstruieren konnte.
Aber Gloria glaubte kaum, dass der Prophet daran noch Interesse hatte. Wahrscheinlich würden sie es ganz klein schreiben und hoffen, dass Rita Kimmkorn mit einem mitreißenden Beitrag über das Trimagische Turnier alles andere vergessen ließ. Gloria konnte das nur Recht sein. Sie hatte nicht vor auf ihrem Erfolg herumzureiten. Die richtigen Leute waren nun von ihr beeindruckt und die falschen würden sie vergessen, wenn sie das Messer nicht in der Wunde herumdrehte. Das hob sie sich für den passenden Augenblick auf.
„Für das Protokoll. Janos Fairbanks wurde von allen Vorwürfen gegen seine Person entlastet. Seine Suspendierung wird aufgehoben und seine Besoldung für die zurückliegenden zehn Monate muss nachgezahlt werden. Außerdem trägt das Ministerium die Kosten seiner Anwältin und muss eine mindestens halbseitige Anzeige zur Entschuldigung im Tagespropheten veröffentlichen. Damit ist diese Sitzung beendet.“
„Gratulation, Janos“, sagte Gloria leise und reichte ihrem Chef die Hand. „Sie sind jetzt endlich wieder das, was Sie immer waren: Ein ehrbarer Mann.“
„Ohne Sie hätte ich das niemals durchgestanden, Gloria“. Seine Hand zitterte und er hatte Tränen in den Augen. „Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken kann.“
„Vergessen Sie es einfach…“, die Rechnung würde sich von allein begleichen, „…gehen Sie besser zu ihrer Familie und überbringen Ihnen die frohe Botschaft. Und vergessen Sie nicht zu lächeln, damit sie Ihre Tränen richtig einordnen können.“
„Glauben Sie mir, ich werde heute nur noch lächeln. Sie waren einfach großartig, Gloria.“
„Wir hatten auch viel Glück, Janos, und nun gehen Sie endlich.“
Als er sich endlich umwandte, schaute Gloria sinnend ihren Mentor hinterher. Er war ein guter Mann und recht kompetent, aber völlig ungeeignet für eine Führungsposition. Einfach zu nett für diese Welt. Viel zu verletzbar und naiv.
„Wahre Loyalität ist schwer zu finden“, sagte Madame Bones, die unbemerkt an Glorias Seite getreten war.
„Sie zu verdienen ist noch viel schwerer“, sagte Gloria und schaute lang genug zur Tür durch die gerade Janos Fairbanks verschwunden war, um den falschen Eindruck entstehen zu lassen.
„Haben Sie wirklich niemals an seiner Geschichte zweifelt?“, fragte die Frau interessiert.
„Niemals!“, erwiderte Gloria überzeugt. Was auch sehr einfach war, wenn man die Wahrheit kannte.
„Wissen Sie, dass Janos gestern bei mir war?“
„Was!?“ Gloria war aufrichtig entsetzt. Das konnte das gesamte Urteil gefährden. Mit der Vorsitzenden des Zaubergamot am Vorabend des Urteils plauschen. Wenn das jemand…
„Keine Sorgen. Er hatte Zeugen mitgebracht und eine Protokollantin.“
„Das war trotzdem unvernünftig! Egal was es ist, er hätte damit bis heute warten sollen.“
„Sie wissen es wirklich nicht, oder?“
„Was soll ich wissen? Warum Mr Fairbanks bei Ihnen war?“
„Nun – Loyalität ist meist eine beiderseitige Sache. Gestern war Janos bei mir, um offiziell seinen Rücktritt einzureichen, damit kein Schaden auf das Ministerium, die Abteilung und mich zurückfällt. Er wollte dies tun, solange er noch selbst die Macht dazu hat.“
„Aber das ist doch jetzt unerheblich“, sagte Gloria, obwohl sie innerlich jubilierte.
„Nein, denn er hat ausdrücklich betont, dass sein Rücktritt auch gilt, wenn er freigesprochen wird.“
„Das ist nicht fair, Madame“, tat Gloria entsetzt.
„Es war sein Wunsch“, schüttelte Madame Bones traurig den Kopf und schaute dann Gloria eindringlich an. „Und es war auch sein Wunsch, dass ich Sie als seine Nachfolgerin in Betracht ziehe. Ich erwarte Ihre Unterlagen in zwei Stunden auf meinem Schreibtisch vorzufinden, Mrs Kondagion. Und wenn diese nur halb so überzeugen wie Janos und ihre Auftreten vor dem Zaubergamot, dann haben Sie eine gute Chance gegen Ihren Mitbewerber.“
Erst als Madame Bones schon lange Zeit gegangen und Gloria vollkommen allein war, gestattete sie sich ein leichtes Lächeln.

„Schatz, ich bin zu Hause.“
Durch Magie unterstützt flog Glorias Stimme durch alle Zimmer im Hause. Sie betrat ihre Wohnung, schleuderte übermütig die Schuhe von ihren Füßen und lief zur Küche. Es war noch früh am Abend und sie hatte nicht wirklich mit der Anwesenheit ihres Mannes gerechnet. Sie hatte sogar darauf gezählt, denn so konnte er ihren vielen Einkäufe nicht sehen. Sie war extra auf einen kurzen Sprung in Frankreich gewesen, um, dem Anlass entsprechend, Champagner und ein paar andere Delikatessen vom Festland zu holen. Auch wenn es ihr Nationalstolz niemals zugelassen hätte es zuzugeben, aber die Franzosen wussten wirklich das Leben zu genießen – auch wenn sie mit einigen Dingen weit übers das Ziel hinausschossen. Frösche zum Beispiel, fand Gloria, hatte nur was in Zaubertränken zu suchen, nicht auf dem Teller eines Feinschmeckerrestaurants.
„Cindy“, rief sie freundlich, als sie sicher war, dass ihr Mann es noch nicht nach Hause geschafft hatte.
„Guten Abend, Mylady. Was kann ich für Sie tun?“, materialisierte die Hauselfe vor Gloria.
„Guten Abend, Cindy. Wir werden heute feiern und ich brauche eure Hilfe bei den Vorbereitungen.“
„Sie werden feststellen, dass alles dem Anlass entsprechend vorbereitet ist, Mylady.“
„Dem Anlass entsprechend…?“, wunderte sich Gloria. „Woher weißt du es?“
„Gute Nachrichten verbreiten sich schnell unter den Elfen, Mylady“, entgegnete Cindy und verbeugte sich ehrfurchtsvoll. „Falls Sie es nicht für aufdringlich halten, dann möchte ich Ihnen im Namen aller gratulieren und Ihnen alles Gute wünschen – falls dies nicht zu gewagt ist.“
„Ich bin froh, dass du mal etwas wagst, Cindy“, lachte Gloria. „Und herzlichen Dank für die Wünsche.“ Sie freute sich ehrlich über Cindys Worte. Wenn die Elfen sie schon für nett hielten, dann blieb der Rest der Welt auch nichts anderes übrig. „Und wie der Zufall es so will, habe ich die Zutaten für den leckersten Elfenkuchen der Welt dabei. Feenstaubzucker, Yeti-Gletscherschokolade und ein Ei des Vogel Roch – ich hoffe, ich habe nichts vergessen.“
„Mylady!“ Cindy erlitt wohl gerade einen kleinen Schock und hatte die Hände über ihren Kopf zusammengeschlagen. „Das ist doch viel, viel zu teuer.“
„Habe ich vergessen zu erwähnen, dass es sich auch finanziell lohnt die Nummer zwei unter Madame Bones zu sein?“, kicherte Gloria, genoss ihren Triumph und ging in Richtung Küche. Dort angekommen stellte sie das ganze Zeug ab und weil sie so guter Laune war…: „Ich bin im übrigen sehr stolz auf dich, Cindy. Du hast kein einziges Mal darum gebettelt mir etwas abnehmen zu dürfen.“
Wie erwartet machte die Elfe trotz des Lobes ein eher unglückliches Gesicht.
„Myladys Wünsche dahingehend waren sehr deutlich.“
„Es wird dir mit der Zeit immer leichter fallen“, versprach Gloria. „Und jetzt rufe bitte die anderen. Wir müssen fertig sein, wenn der Herr des Hauses kommt.“
Sie hatte die Worte kaum ausgesprochen, als auch schon fünf weitere Elfen aus dem Nichts erschienen und in der Küche zu wuseln begannen.
Da Gloria ihre Talente kannte – und Kochen gehörte nicht dazu – überließ sie den Elfen das Feld und ging ins Kinderzimmer. Da ihr kleiner Schatz sie nicht begrüßt hatte, hatte sie schon vermutet, dass er schlafen würde. Immerhin war es heute spät geworden.
Am Fußende seiner Wiege saß Lucy und strickte.
„Wollte der kleine Halunke mal wieder nicht gleich ins Bett?“, erkundigte sich Gloria amüsiert und betrachte die Nase der Elfe, die im Moment sehr an die Löcher eines Reptils erinnerte.
„Er wird einmal ein außergewöhnlich starker Zauberer… Mrs Gloria…“
Gloria warf ihr einen tadelnden Blick zu.
„Gloria!“, korrigierte sich Lucy schnell.
„Gut“, murmelte Gloria, zog ihren Zauberstab und korrigierte die Nase der Elfe. Sie hatte die neue Namensregel für Lucy eingeführt, nachdem sie bei den McNamaras gesehen hatte, was diese kleine Geste alles bei einer Hauselfe anrichten konnte. „Warum hast du das eigentlich nicht selbst gemacht, Lucy?“
„Es schien ihm zu gefallen“, erklärte die Elfe.
„Du darfst dir nicht alles von ihm gefallen lassen“, schüttelte Gloria den Kopf. „Er muss lernen auf dich zu hören. Du bist nicht sein Sklave. Ich hab dir schon einmal erklärt, dass er sich dieses Denken gar nicht erst angewöhnen darf.“
Gloria beugte sich über die Wiege und sah ihren kleinen, schlafenden Engel an. Seine Minifinger umklammerten einen völlig harmlosen Babyzauberstab, dessen einzige Besonderheit war, dass er die ersten Zähne schütze, wenn man auf ihn herum kaute. Eine Tätigkeit, die Caradoc mit Begeisterung nachkam, wenn nichts anderes in Reichweite war. Sanft strich sie über seine Haare.
„Darf ich etwas anmerken, My…? Gloria!“
„Nur zu.“
„Ich denke, es ist nicht mehr ratsam ihn zu dem Muggelmädchen zu bringen. Es könnte ihre Position schwächen, wenn es zu einem Verstoß gegen die Geheimhaltung kommt. Dieses Muggelmädchen…“
„…Rosa…“
„… ist nicht dumm und recht aufmerksam für einen Muggel. Ich kann nicht immer dafür sorgen, dass Caradocs Ausbrüche unbemerkt bleiben.“
„Ja, ich weiß“, bedauerte Gloria. „Aber er mag Rosa und im Waisenhaus kann er auch mit anderen Kindern spielen.“
„Ich wollte nur anmerken, dass es ein großes Risiko ist. Ich bin mir sicher, Ihr findet eine gute Lösung.“
Gloria schaute sinnend auf ihre Schatz. Was war sie stolz gewesen, als er schon so zeitig angefangen hatte herum zuzaubern. Wohl jede Hexe auf der Welt fürchtete einen Squib in die Welt zu setzen und so zeitig das Gegenteil zu erfahren, war unglaublich beruhigend. Auf der anderen Seite aber zog es das Problem nach sich, auf welches Lucy gerade hingewiesen hatte. Es war eigentlich nicht mehr ratsam ihn mit unter Muggel zu nehmen. Doch Gloria graute es bei der Vorstellung, dass er so aufwachsen würde wie sie selbst. Eingepackt in den Mikrokosmos der Familie und vielleicht ein oder zwei anderen magischen Kindern in der Nähe, ohne große Möglichkeiten, die Welt kennenzulernen. Auch auf die Gefahr hin sich einmal eine blutige Nase einzufangen.
„Du hast Recht, Lucy“, sagte Gloria. „Wir müssen eine gute Lösung finden. Aber nicht heute Abend.“
„Natürlich“, meinte die Elfe. „Ich werde dafür sorgen, dass sie heute einen ruhigen Abend haben.“
„Na, ich hoffe doch, dass er nicht zu ruhig wird“, murmelte Gloria und spürte ein wenig Vorfreude. Es war schon ziemlich lange her. Ein netter ruhiger Abend. Ohne Arbeit, ohne Kindergeschrei, mit…
Ja! Heute war Feiern angesagt. Morgen kamen die Probleme.
Sie schlich aus dem Zimmer und ließ Lucy und Caradoc zurück. Ein kurzer Blick ins Speisezimmer ließ Gloria erkennen, was Cindy unter den Vorbereitungen dem Anlass entsprechend verstand. Der Tisch war gedeckt wie zu einem königlichen Bankett. Alles beleuchtet von romantischem Kerzenlicht, leise Musik spielte und im Kamin brannte ein warm aussehendes, jedoch eher kühlendes Feuer. Nicht übel, gar nicht übel. Gloria war überaus zufrieden.
„Bedeutet das, du hast den Fall gewonnen?“, erklang hinter ihr die Stimme ihres Mannes. Er stand in der Tür, sah so gut wie eh und je aus und das Lächeln um seine Lippen, war geradezu elektrisierend. Mit ein paar schnellen Schritten warf sie sich in seine Arme und an seine Lippen.
„Mehr als“, freute sie sich. „Ich hab gewonnen und Janos hat trotzdem zu meinen Gunsten auf eine Rückkehr ins Ministerium verzichtet.“
„Also bin ich nun der Mann einer hochgestellten Persönlichkeit?“
„Mehr als das“, säuselte Gloria und küsste ihn verheißungsvoll.
In Glorias Reichweite materialisierte ein kleiner Tisch mit der eisgekühlten Champagnerflasche und zwei Gläsern.
„Wie aufmerksam“, sagte Gloria.
„Findest du es nicht beunruhigend, dass sie uns die ganze Zeit beobachten?“, schien ihr Mann sich noch immer nicht ganz mit den neuen Regeln abgefunden zu haben. Doch gleichzeitig füllte er die Gläser mit einer anderen Hand. „Nein, keine Diskussion heute“, schüttelte er den Kopf. „Das ist heute dein Tag. Ich freu mich so sehr für dich.“
„Für uns!“, korrigierte Gloria.
„Für uns“, nickte ihr Mann. „Was riecht denn hier so köstlich.“
„Das bin entweder ich oder das Essen auf dem Tisch“, vermutete Gloria.
„Es sieht beides zum anbeißen aus.“
Dieses verbale Hin und Her setzte sich am Essenstisch weiter fort. Gloria fühlte sich wie ein übermütiger Teenager. Genauso hatte es damals bei ihnen gefunkt. Für einen Außenstehenden mochte es kindisch und schmalzig klingen, aber jetzt und hier, fühlte es sich einfach gut an. Normalität hatte etwas Beruhigendes.
„Das Essen ist wirklich superb“, lobte ihr Mann. „Solch einen großen Tag angemessen. Ich wünschte, jeder würde diesen Tag feiern.“
„Na, das wäre dann doch ein wenig übertrieben“, lachte Gloria.
„Das sehe ich nicht so!“, lächelte er sie gewinnend an. „Nicht an jedem Tag kehrt…“
„Mylady, Mylady“, Cindy materialisierte und zupfte an Glorias Kleid. Früher hätte ein solch ungehöriges Verhalten eine wütende Zurechtweisung nach sich gezogen – jetzt fragte sich Gloria nur, was so schlimm war, dass die Hauselfe all ihre Hemmungen verlor.
„Was ist denn, Cindy?“, fragte sie.
„Es ist ganz furcht…“
Ein gleißender Licht traf die Elfe und schleuderte sie hart gegen die Wand. Gloria fuhr herum, nur um einen vertrauten Zauberstab auf sich gerichtet zu sehen.
„Da versaut mir diese Wanze doch den Auftritt des Abends“, sagte ihr Mann kalt. Er zauberte ohne ein Wort zu sagen und Glorias Zauberstab flog quer durch den Raum. Sie war viel zu geschockt, um reagieren zu können. „Setz dich, Schatz. Und befehl den Elfen sich nicht einzumischen! Wir müssen mal in Ruhe reden.“
„Lass mich vorher nach Cindy sehen“, forderte Gloria und versuchte Zeit zu schinden, um sich zu fangen.
„Die wird das schon überleben. Und wenn nicht, besorgen wir uns einfach Ersatz. Sie wird eh immer aufsässiger. Das hier dreht sich nur um dich und mich! Setz dich!“
Die Macht seiner Worte und die seines Zauberstabes zwangen Gloria hin. Kaum das sie saß, spürte sie wie ihre Glieder gelähmt wurden. Oh, er war wirklich gut mit wortlosen Zaubern.
„Verzeih bitte die Vorsichtsmaßnahmen“, sagte er lässig. „Aber ich wollte, dass du mir zuhörst, ohne gleich Amok zu laufen. In der Beziehung warst du eine gute Lehrerin, Schatz.“
„Ich bin ja so stolz auf dich“, zischte Gloria und spürte wie Zorn und Wut in ihr aufstieg. Wut auf ihren Mann und Zorn auf sich, weil sie nicht auf Banefactors Warnungen gehört hatte.
„Tja, ist eine heikle Sachen, aber glaub mir, ich tue dies nur für unsere Familie.“
„Ach, und was tust du gerade?“
„Uns den Arsch retten.“
„Ach, wirklich?“
„Ja, wirklich! Denn was ich dir sagen wollte, kurz bevor die Wanze hereinplatzte und mir den Auftritt versaute: Der Dunkle Lord ist zurück! Und er ist mächtiger als je zuvor.“
Gloria spürte wie sich ihre Augen in Panik weiteten. Ihre Gedanken rasten und plötzlich drängten sich ein paar Worte in den Vordergrund ihres Denkens.
„Du hast dies gefeiert. Die ganze Zeit! Du freust dich darüber.“
„Natürlich freue ich mich, Schatz. Und du solltest das auch.“
„Bist du des Wahnsinns? Ich habe gegen ihn gekämpft. Wir haben deine Anwartschaft ausgelöscht. Ich hasse diesen Idioten wie die Pest. Er weiß das und wird niemals…“
„Er hat uns allen vergeben. Er wird allen vergeben die reinen Blutes sind und bereit für ihn zu kämpfen. Sogar seinen ehemaligen Feinden. Denk doch mal nach, wie wertvoll wir für ihn sein können. Du bist die Stellvertreterin von Madame Bones. Du hast Zugriff auf geheime Informationen und Akten und falls Bones etwas zustößt, wärst du sogar ihre Nachfolgerin. Wenn wir unsere Karten richtig ausspielen, dann ist der Himmel das Limit. Du könntest sogar Zaubereiministerin werden.“
„Nur eine Marionette“, schränkte Gloria abfällig ein. Natürlich wollte sie Zaubereiministerin werden, aber ganz sicher nicht eine, der man eines Tages einen Dolch in die Rippen stoßen würde und außerdem wollte sie die Macht auch wirklich ausüben und nicht ein Spielzeug sein, dass man jederzeit fallen lassen konnte.
„Aber wir wären in Sicherheit. Gloria! Diesmal ist alles anders. Der Dunkle Lord ist anders. Mächtiger und auch viel weiser. Es geht ihn gar nicht mehr darum, alles zu töten, was nicht auf seiner Seite ist. Er weiß, dass wir es uns nicht mehr leisten können, weitere Zauberfamilien zu verlieren und er weiß auch, das sinnlose Morde nur weitere, zu allem entschlossene Gegner, erzeugt. Eine neue Ordnung zieht auf, Gloria. Und wir können nur überleben, wenn wir uns anpassen.“
„Oder wir könnten außer Landes gehen“, schlug Gloria vor. „Ich kann uns verstecken…“
„Du verstehst das falsch, Schatz“, schüttelte er den Kopf. „Ich handele nicht aus Angst. Nein, ich bin schon immer überzeugt gewesen, dass die Macht wieder in die richtigen Hände…“
Gloria langte es.
„Es ist also eine Art Notfall!“, sagte sie laut. Wie Banefactor es eingerichtet hatte, erloschen mit diesen Worten die Lichter im Raum und mit reiner Willenskraft brach sie den Lähmfluch. Sie sprang auf, griff den Stuhl bei der Lehne und mit einem großen Bogen schlug sie dahin wo ihr Mann sitzen musste. Der Stuhl zerbrach und als er zu Boden stürzte riss er den halben Tisch noch um.
„Licht!“, befahl Gloria, hechtete nach vorn um ihm seinen Zauberstab abzunehmen, als hinter ihr die Tür zerbarst und zwei Gestalten mit wild zuckenden Zauberstäben eindrangen. Schockzauber raubten Gloria die Besinnung und das letzte, was sie noch sah war, wie sich Todesser-Masken über sie beugten.

Als Gloria wieder erwachte, war sie nicht gefesselt, sie fühlte aber auch keinen Drang ihren Mann oder den einen Todesser im Raum anzugreifen. Sie erhob sich.
„Dornröschen ist also wach. Fein“, sagte der Todesser. „Hört mir zu. Du wirst deine Frau schön unter Kontrolle halten. Du bist für sie verantwortlich. Gloria, du wirst weiterhin deine Arbeit so gut erfüllen wie du kannst und keinen Verdacht erregen. Du bist die pflichtbewusste Gloria und treusorgende Ehefrau und Mutter. Du wirst alles beobachten und jeden Abend dem Dunklen Lord einen Bericht darüber schreiben, was du am Tag im Ministerium gesehen und gehört hast. Nicht wahr?“
„Ja“, war Gloria einverstanden.
„Die Wünsche des Dunklen Lord sind nunmehr auch deine.“
„Ich lebe um den Meister zu dienen.“
„Wenn der Dunkle Lord oder ich nicht da sind, wirst du den Befehlen deines Mannes gehorchen!“
„Das werde ich.“
„Na dann - viel Spaß“, sagte der Todesser auf eine Weise, die Gloria als unangenehm empfand.
„Das mit ihr war nur ein Job!“, sagte ihr Mann abfällig. Gloria störte sich nicht daran. Er war der Mann, er hatte recht und wenn er unglücklich war, war es ihre Aufgabe ihn glücklich zu machen.
„Als ob du dich beschweren solltest“, lachte der Todesser. „Was uns aber zum Wichtigsten bringt: Falchion, wo bleibst du?“
„Ich hab hier Probleme, Sin.“, rief eine weibliche Stimme quer durchs Haus.
„Du sollst ein Kind holen, was kann da Probleme machen!“
„Hier ist eine verfluchte Hauselfe die irgendeinen Schutzzauber gewirkt hat und ich brauche meine ganze Konzentration, um zu verhindern, dass sie mit dem Kind abhaut.“
„Das ist Lucy. Eine echte Pestbeule“, sagte ihr Mann. „Ich kümmere mich darum.“
Er ging und eine Minute später hörte sie ihn wütend brüllen.
„Ich bin der Vater. Du wirst sofort den Schildzauber beenden und mich zu meinen Kind lassen.“
Gloria spürte ein schmerzhaftes Stechen im Hinterkopf. Irgendetwas stimmte nicht. Es musste sie doch berühren was hier geschah. Die Welt wirkte so leer, bar jeder Emotion. So völlig unwirklich. Ihr Mann kehrte zurück. Er wirkte ziemlich erbost und Gloria fragte sich besorgt, was sie tun konnte, damit er wieder lächelte.
„Wir brauchen sie!“, sagte ihr Mann und deutet auf Gloria.
„Ihr wollt doch nicht etwa sagen, ihr kommt mit einer Hauselfe nicht klar?“
„Nicht, ohne das Kind zu gefährden.“
„Okay. Also auf sie wird die Elfe hören?“
„Unbedingt.“
„Dann machen wir es halt so. Gloria, komm mit.“
Sie folgte gehorsam dem Todesser bis zum Kinderzimmer. In eine Ecke gedrängt stand Lucy, die einen ängstlich schauenden Caradoc an der Hand hielt. Eine blau schimmernde Kugel umgab die beide. Gloria konnte gar nicht verstehe, warum die beiden da standen und ihr Kleiner solche Angst hatte. Es war doch alles in Ordnung, oder?
„Hol das Kind“, befahl der Todesser Gloria „Und gib es deinem Mann.“
Sie versuchte dem Befehl zu folgen, doch sie bekam einen schmerzhaften Schlag an der magischen Wand.
„Lass mich zu meinem Kind, Lucy“, sagte Gloria. Seltsamerweise schien sich die Elfe sträuben zu wollen. „Es ist alles okay“, versicherte sie deshalb.
„Nein, Mylady. Ist es nicht!“
„Du sollst mich doch nicht Mylady nennen“, schimpfte Gloria.
„Aber Sie sind doch Mylady!“, widersprach die Elfe.
Das Ziehen in Glorias Kopf wurde schlimmer.
„Hol endlich unser Kind“, sagte die Frau namens Falchion, was sicherlich ein Tarnname war.
„Mein Kind!“, korrigierte Gloria und warf einen Blick zurück. Es verwirrte sie noch mehr zu sehen, dass sich der kleine Finger ihres Mannes mit dem der Frau verschränkt hatte.
„Dein Kind!“, bestätigte der Todesser, der Sin genannt worden war. Und warfGlorias Mann und Falchion einen sehr bösen Blick zu. Doch Gloria war nicht dumm. Es war ihr Beruf Lügen zu erkennen oder zu erspüren. Und plötzlich wusste sie, um was es gerade ging. Niemals bekommen die mein Kind. Es machte klick in ihren Kopf.
Sie drehte sich wieder zu Lucy.
„Lass mich zu meinem Sohn“, sagte Gloria, zeigte ihre leeren Hände und fixierte die Augen der Elfin. „Ich bin seine Mutter und du wirst meine Bitte genau befolgen!“
Lucy bewegte ihre Hand ein wenig und obwohl der Schutzschirm nicht schwand, trat Gloria nach vorn. Sie hatte nicht gewusst, ob es möglich war, aber sie passierte den Schirm, ohne dass dieser verschwand.
„Und jetzt bring das Kind hierher!“, forderte der Sin.
Gloria, die mit den Rücken zu den Todesser stand, streckte die Hand in Lucys Richtung aus.
Eine Waffe, formulierte sie extra deutlich, aber lautlos, mit dem Mund. Lucy schnippte mit dem Finger und wie Gloria vermutete hatte, verhinderte die Todesserin zwar die Flucht der Elfe, aber nicht den gegenteiligen Weg. Am liebsten hätte Gloria um ihren Zauberstab gebeten, aber das hätte nicht funktioniert, denn die Elfe musste wissen, wo sich der jeweilige Gegenstand befand.
Ein wenig erstaunt schaute Gloria auf den Gegenstand in ihrer Hand. Sie hatte gehofft einen anderen Zauberstab zu finden, ihren Taser oder eine der alten Duellschwerter aus der Vitrine im Empfangszimmer. Auf der anderen Seite – es war ziemlich elfenmäßig. Nun ja, besser als Wattebäuschen, dachte Gloria. Auch wenn sie keine Ahnung hatte, was sie mit einem Staubwedel sollte. Sie brauchte dringend eine Eingebung und sie hatte dafür nicht gerade viel Zeit. Jedes Zögern könnte die Todesser Misstrauisch machen.
Sie beugte sich zu Caradoc hinunter und nahm ihn auf den Arm. Er streckte seine kleinen Ärmchen nach ihr aus, wobei seine Augen erstaunlicherweise voller Begehren auf den Staubwedel gerichtet waren.
„Pflifli“, plapperte er. Normalerweise ärgerte sich Gloria immer ein wenig, dass Caradoc noch immer kaum ein deutliches Wort sprechen konnte – obwohl er nun schon fast zwei Jahre alt war. Doch heute rette es vielleicht Glorias Kopf. Pflifli stand bei Caradoc für seinen Wunsch zu fliegen und was immer auf die exzessive Verwendung von Feenstaub oder Elfenzauberei hinauslief. Und wenn der Spaß vorbei war, musste eine Menge der magischen Rückstände…
„Was hast du da in der Hand?“, fragte der Todesser Sin misstrauisch.
„Mein Kind“, tat Gloria verwirrt.
„Nein, in der anderen.“
„Oh das! Sein Lieblingsspielzeug“, erklärte Gloria und versuchte naiv zu sein. „Schau!“
Sie staubwedelte heftig über Caradocs Gesicht und Kopf, was den Kleinen ein begeistertes Kichern entlockte. Er streckte die Arme aus, um loszufliegen – seltsamerweise das konnte er – aber Gloria hielt ihn fest. Sie trat zu der namens Falchion und hielt ihr Caradoc hin, der heftig in ihren Arm herum zappelte. Die Todesserin wollte nach den Jungen greifen, doch in dem Augenblick gab Gloria den Jungen mit etwas Schwung frei, wobei sie hoffte, dass die Decke hoch genug war und er nicht dagegen knallte. Falchions Blick und Hand war unwillkürlich Caradoc gefolgt. Blitzschnell griff Gloria nach dem Zauberstab der Frau und rammte mit voller Wucht und gemeiner Freude die Stirn auf die Todessermaske. Zum Glück sollte diese nur die Identität schützen und nicht das Gesicht, weshalb es ein wunderschönes Knacken zu hören gab. Leider durfte sie diesen Moment nicht genießen.
„Schaff Caradoc hier raus“, schrie sie, entriss den Zauberstab der schwankenden Frau und schaffte es gerade noch einen Schockzauber abzublocken. Um sicherzugehen, dass Lucy nicht verfolgt werden konnte, wirkte sie auf die drei Todesser einen komplizierten Antiapparierzauber, den sie bei ihrem Meister gelernt hatte. Zwar vernachlässigte sie damit ihre eigene Verteidigung und folgerichtig erwischte sie ein Expelliarmus, aber sie hatte der Elfe mindestens fünf Minuten Vorsprung verschafft. Ohne Zauberstab hatte sie nur noch die Chance sich zu ergeben, sie hob die Hände.
„Was zur Hölle?“, sagte Sin, während ihr Mann Falchion aufhalf. Er hatte gerade versucht zu disapparieren und war offensichtlich erstaunt, dass es nicht klappte.
„Ich bring die Schlampe um!“, schrie die Todesserin näselnd. Das Blut lief in Strömen unter ihrer Maske hervor.
„Das wirst du bleiben lassen!“, fauchte Sin zurück hielt aber den Zauberstab fest auf Gloria gerichtet.
„Sie hat mir die verdammte Nase gebrochen!“
„Wir haben noch einiges mit ihr vor“, entgegnete Sin kalt und fügte dann ein wenig zittrig hinzu: „Er hat einiges mit ihr vor und er will keine Aufmerksamkeit.“
„Aber diese Blutsverräterin kann einem Imperio widerstehen!“
„Es gibt andere Wege jemanden zur Zusammenarbeit zu bewegen!“
„Welche denn? Der Junge wäre das beste Druckmittel gewesen“, sagte ihr Mann.
„Oh, ich weiß da eine andere Möglichkeit“, sagte Falchion und ihre Stimme beinhaltete eine gefährliche Art Freude.
„Stoppe erstmal die Blutung“, meinte Sin. „Danach kannst du sie immer noch bearbeiten.“
Gloria wusste, wovon die beiden sprachen. Folter. Wie berechenbar diese Todessertypen doch waren. Sie musste zugeben, sie hatte ziemliche Angst davor. Es tröstete sie zwar, ihren Sohn in Sicherheit zu wissen, trotzdem half das nur ein wenig. Im Moment sah sie keine Möglichkeit zu entkommen. Auf der anderen Seite – die Deppen schienen gar nicht daran zu denken, dass Lucy vielleicht Hilfe holen könnte. Gloria war sich langsam ziemlich sicher, hier nicht gerade der Créme de la Créme der Todesser gegenüberzustehen. Vielleicht gab es ja doch Hoffnung?!
„So, dann wollen wir mal“, sagte Falchion kalt. „Bereit, Schlampe?“, und ohne auf eine Antwort zu warten: „Crucio!“
Noch nie hatte Gloria solche Schmerzen empfunden. Na ja, vielleicht bei der Geburt von Caradoc, aber da hatte jemand recht bald lindernd eingegriffen. Als endlich Falchion von ihr abließ, rang Gloria keuchend nach Luft, denn sie hatte über das Schreien, das Luftholen vergessen.
„Na, macht es Spaß?“, lachte die Todesserin.
Glorias Blick wanderte hilfesuchend zu ihrem Mann, doch da fand sie nichts was sie an ihm geliebt hatte. Ja, er war zwar angewidert, aber sie konnte nicht einmal Mitleid in seinen Augen entdecken. Hatte Glorias Liebe zu ihm sie so blind gemacht oder stand er vielleicht unter einem Imperio-Fluch? Es war die Hoffnung an die sie sich klammern wollte, aber tief in ihr fühlte sie, dass es nicht stimmte. Ihr Meister hatte immer wieder zu ihr gesagt, sie solle weniger denken und lieben, sondern stattdessen auf ihr Bauchgefühl hören.
„Keine Antwort? Na, dann weiter mit Runde…“
„Lassen Sie Mylady in Ruhe!“
Lucy war im Rücken der Todesser erschienen und schleuderte einen wilden Schwall Elfenmagie gegen die drei, die quer durch den Raum und gegen Wände und Kinderspielzeug geschleudert wurde.
„Lucy! Nicht! Das ist verboten!“, neben Gloria erschien eine sehr angeschlagen wirkende Cindy, welche Glorias Zauberstab in der Hand hatte. „Mylady, nehmen Sie! Fliehen Sie.“
Ohne Nachzudenken ergriff Gloria den Stab und in einem Anfall von überwältigendem Hass, dachte sie nicht an Flucht. Wie eine Furie ließ sie ihren Zauberstab fliegen. Sie hatte viel gelernt, doch niemals hatte sie daran gedacht, es auch wirklich anzuwenden. Zwei Todesflüche rasten auf sie zu und sie wich ihnen dank eines chinesischen Gummiknochenzaubers aus. Sie revanchierte sich bei Falchion mit einem Voodoofluch, mit der unangenehmen Auswirkung, dass einem langsam das Blut in den Adern gerann. Die war damit erst einmal mit der Rettung ihres Lebens beschäftigt.
Umso wütender wurden jedoch die Angriffe von Sin und ihrem Mann. Beide schienen begriffen zu haben, dass der Todesfluch einfach zu lange in der Vorbereitung dauerte und auch zu leicht an den Zauberstabbewegungen zu erkennen war. Außerdem sprachen sie ihre Zauber in der Hektik laut aus, was Gloria einen kleinen Vorteil verschaffte.
Sie begriff zu spät, dass dies eine Falle war. Sin mochte zwar nicht gut genug sein, um seine Zauber still zu wirken, aber ihr Mann war es. Er wechselte sich immer mit seinem Angriff mit Sin ab.
„Stupor!“
„Plagam!“
„Stupor!”
„Plagam!“
„Stupor!“
„Plagam!“
„Stupor!“
„Plagam!“
Gloria war derart in diesem Rhythmus gefangen, dass ihr Mann still gewirkter Fluch, völlig überraschend auf sie zuraste. Doch Zentimeter vor Glorias Gesicht zerfaserte der Angriff.
„Lucy! NICHT!“, hallte Cindys Stimme durch den Raum. Doch die Elfe, die nun mit steinerner Miene neben Gloria stand achtete nicht darauf.
„Niemand tut meiner Familie etwas an“, schrien die geballten neunzig Zentimeter Zorn und eine – selbst für Gloria – unerwartet starke Welle magischen Chaos fegte mit einem angsteinflößenden Fauchen durch das Kinderzimmer. Was an Einrichtung bis jetzt noch nicht zersplittert oder verbrannt war und im Weg war, hörte auf zu existieren. Selbst Gloria musste für einen Moment die Augen schließen, so geblendet war sie. Als sie diese dann wieder öffnete, tanzten grüne und schwarze Punkte vor ihren Augen herum. Doch sie konnte jetzt wieder sehen, was Lucy geschafft hatte. Sin, Glorias Mann und Falchion lagen anscheinend bewusstlos oder gar tot am Boden. Lucy neben ihr schwankte und die weit aufgerissenen, starren Augen ließen Gloria erkennen, dass die Elfe genau in das Licht gesehen hatte und deshalb im Augenblick blind war. So sah sie auch nicht wie Sin im Liegen den Zauberstab erhob und auf Lucy zielte.
„Strangulare!“, schrie Gloria entsetzt laut.
„Avada Kedavra!“, krächzte der Todesser gleichzeitig.
Wie in einer grausamen Zeitlupe sah Gloria wie die beiden Flüche aneinander vorbeirasten. Sie wollte Lucy wegstoßen, doch ihre Glieder bewegten sich genauso langsam wie die Zeit. Ihr Fluch traf zuerst, doch das half nicht mehr. Der Todesfluch war schon lange unterwegs und die Elfe machte keine Anstalten auszuweichen. Gloria schloss entsetzt die Augen nur um sie sofort wieder aufzureißen. Zu ihrer Verwunderung stand Lucy immer noch neben ihr. Der grüne Fluch stoppte vor ihr und für einen wunderbaren Moment glaubte Gloria, dass Elfen…
Dann erkannte sie ein Flirren, da wo der Fluch endete und hilflos musste sie mit anschauen, wie aus dem, was aussah wie heiße Luft in der Wüste, sich zu Cindy verfestigte. Und dann begriff Gloria das grausame Wunder. Die kleine Elfe materialisierte mitten in dem Todesfluch, um ihre Tochter zu retten.
Urplötzlich beschleunigte die Zeit wieder. Getrieben von ihrer begonnen Bewegung riss Gloria Lucy zu Boden. Sie wollte die Elfe festhalten, doch noch bevor sie beide zu Boden gingen, verschwand Lucy unter ihr und Gloria hörte sie hinter sich wieder auftauchen. Sie warf sich herum.
„Lucy! Hör auf!“, befahl Gloria.
Die Elfe verharrte mitten in ihrer Bewegung. Sie stand über dem toten Körper ihrer Mutter. Wut verzerrte ihr sonst so niedliches Gesicht zu einer Maske des Hasses, Magie brannte in ihren Händen – und der Todesser hing vor ihr hilflos in der Luft. Die Hände an seiner Kehle versuchte er einen unsichtbaren Strick zu lösen.
„Er hat sie getötet“, schrie Lucy und Gloria wusste, dass sie nichts verhindern konnte, wenn die Elfe sich zum äußersten entschloss.
„Ich weiß“, rappelte Gloria sich auf und ging langsam zu ihr. „Aber du darfst das nicht!“
„Wäre ich ein Mensch, würden Sie es mir nicht verbieten“, entgegnete Lucy weinend. Gloria konnte ihren Schmerz fast physisch spüren.
„Das stimmt“, sagte sie ehrlich und ging langsam zwischen die Elfe und den Todesser. „Aber ein Mensch wird auch nicht bestraft, wenn er aus Notwehr handelt. Bei Elfen geht man fast nie von Notwehr aus.“
„Das ist falsch!“
„Ja, dass ist es“, stimmte Gloria zu und kniete sich vor die Elfe. „Aber deine Mutter wusste das und ich will dich nicht auch noch verlieren.“ Sie legte die Arme um die Elfe und zog sie an sich. Lucys Magie schmerzte sehr, doch Gloria hatte dank ihrer Bekanntschaft mit dem Folterfluch einen neuen Maßstab erlernt und ertrug es. „Du und die anderen Elfen, ihr seid meine Familie und niemanden sonst als dir, kann ich meinen Sohn anvertrauen. Ich verdanke dir mein Leben und deshalb werde ich nicht zulassen, dass du deines weg wirfst.“
„Bitte verlangen Sie das nicht von mir“, weinte die Elfe und Gloria spürte wie die Elfenmagie erlosch.
„Ich will, dass du die unschuldige, loyale und liebenswerte Elfe bleibst, die du immer warst, Lucy. Ich hingegeben bin schon lange nicht mehr unschuldig.“
Ohne die Elfe loszulassen, drehte Gloria sich halb um und mit einer peitschenden Bewegung ihres Zauberstabes, riss sie den schwebenden Todesser die Kehle auf.
„Dies ist mein Geschenk an dich“, flüsterte sie der Elfe ins Ohr, dann sah sie mitleidlos zu, wie das Leben aus dem Mann ran.

Etwa eine Minute gab Gloria der Elfe um zu weinen, doch dann drückte sie Lucy ein wenig von sich.
„Lucy!“, sprach sie das kleine Wesen eindringlich an. „Hör mir jetzt zu! Ich fühle genau wie du, aber wir können jetzt nicht so trauern, wie es angemessen wäre.“
„Warum können wir das nicht?“, entgegnete die Elfe mit schmerzverzerrtem Gesicht.
„Wir müssen Caradoc, dich und die anderen Elfen schleunigst in Sicherheit bringen. Wenn es stimmt, dass der Dunkle Bastard zurück ist, dann haben wir gerade einen seiner Anhänger getötet. Und selbst wenn nicht, im Ministerium gibt es genug verkappte Rassisten, die dich am liebsten umbringen würden, wenn sie herausbekommen, dass du mir im Kampf geholfen hast.“
Gloria konnte sehen, wie Lucy mit sich kämpfe – doch schließlich gewann ihr Pflichtbewusstsein.
„Wie kann ich dienen?“, fragte sie leise.
„Aktiviere sämtliche Schutzzauber, so wie ich es dir gezeigt habe. Dann gehe zu Caradoc und den anderen Elfen. Packt ein was ihr tragen könnt und wichtig ist. Geht dann in mein Schlafzimmer. Du bekommst jetzt von mir einen kleinen Schlüssel. Dieser passt zur obersten Schublade in meinem Nachttisch. In diesem wirst du einen langen Ziergürtel finden. Dies ist ein multidirektionaler Portkey. Haltet euch alle am Gürtel fest und dann steck die Schnalle in das erste Loch des Gürtels. Hast du das verstanden, Lucy. Es muss so aussehen, als müsste der Gürtel für einen sehr, sehr dicken Mensch passen müssen. Nimm auf keinen Fall ein anderes Loch! Der Portkey wird euch dann zu einem sicheren Ort bringen und ein Hauself namens Fidusy wird euch empfangen. Sag ihm wer ihr seid und das ich euch schicke. Er wird wissen was zu tun ist.“
„Was ist mit euch, Gloria?“, fragte Lucy besorgt und ihre Stimme klang erstaunlicherweise ein wenig wie die von Cindy.
„Ich sorge dafür, dass wir halbwegs aus der Sache wieder herauskommen.“
„Und was wird aus Mama?“
„Ich werde sie mitbringen“, versprach Gloria. „Wir werden sie so ehren, wie du und deine Familie es wünschen.“
„Vielleicht sollte ich besser zu eurem Schutz hier bleiben?“
„Danke, Lucy, aber nein. Du musst auf Caradoc aufpassen, damit ich ihn in Sicherheit weiß. So, und jetzt beeile dich.“ Gloria gab ihr den Schlüssel, welchen sie immer um ihren Hals trug. „Ach, und Lucy. Egal wer dich fragt, du warst nicht hier als es passierte. Verstanden?“
„Wie ihr wünscht“, erwiderte Lucy, dann verschwand sie mit dem Geräusch rieselnden Sandes.
Gloria atmete tief durch. Für das, was sie jetzt vor hatte, wollte sie keine Zeugen in ihrer Nähe. Mit Hilfe ihres Zauberstabes fesselte sie ihren Mann und die noch lebende Frau, die anscheinend die Blutgerinnung hatte stoppen können. Es war ihr ein wenig peinlich, erst jetzt daran zu denken, doch Cindys Tod und Lucys Wut hatten ihre Gedanken zu sehr in Anspruch genommen.
Während sie auf das Geräusch des Portschlüssels wartete, sammelte sie zunächst alle herumliegenden Zauberstäbe auf und untersuchte die Taschen der Bewusstlosen nach Dingen, die ihr gefährlich werden konnten. Erst als ihre Ohren den Abflug der Elfen meldeten, weckte sie mit einigen herzhaften Ohrfeigen ihren Mann und bevor er richtig zu sich kam, deutete Gloria mit dem Zauberstab des toten Todessers auf seine Augen und sagte: „Imperio!“
Er war nicht in der Verfassung um groß Widerstand zu leisten. Gloria sah wie seine ängstliche Überraschung in willenlosen Gleichmut umsprang.
Gloria drängte ihren Zorn auf ihn in sich zurück. Im Moment brauchte sie einen klaren Kopf und einen messerscharfen Verstand.
„Sag mir, wie du meinen Wahrheitskerzen widerstehen konntest!“, befahl sie.
„Ich trage ein Gegengiftpflaster unter meiner Zunge“, erklärte er tonlos.
„Seit wann denn das?“
„Seit den Prozessen gegen die Anhänger des Dunklen Lords. Viele Aurore haben es heimlich eingesetzt, wenn ihr Verdächtiger sorglos war.“
„Hast du noch andere Vorkehrungen getroffen, um Lügen zu können?“
„Nein, das Gegengift wirkt fast gegen alles.“
„Gut! Dann öffne jetzt deinen Mund.“
Mit vor Ekel geschlossenen Augen griff sie in seinen Mund, fühlte die kleine Erhebung des Pflasters und riss es ab. Kritisch betrachtet sie das fast unsichtbare und stark aufgeweichte Etwas.
„Und ich dachte, du würdest dein Geld verprassen“, murmelte sie dabei. „Das Zeug muss ein Vermögen kosten. Wer hat dir das verkauft, oder ist es doch geschenkt?“
„Die alte Dartruke verkauft mir die Pflaster.“
„Gut zu wissen. So, und jetzt wirst du mir sagen, warum du unsere gemeinsame Zeit einfach wegwirfst?“, brach es aus Gloria heraus. „Warum nur?“
„Das Einzige was wir je zusammen hatten, ist Caradoc“, erklärte ihr Mann und wenn er es aufgrund des Fluchs nicht so absolut tonlos gesagt hätte, sie hätte ihn wahrscheinlich auf der Stelle umgebracht.
„Bedeutet das, du hast mich niemals geliebt?“
„Unsere Beziehung war von Anfang an von unseren Eltern arrangiert.“
„Quatsch, unsere Eltern waren gegen unsere Beziehung.“
„Das solltest du nur glauben.“
Gloria spürte wie sie an der Wirksamkeit ihres Imperio-Fluchs zu zweifeln begann. Sie ging zu ihrem privaten kleinen Schreibtisch und holte ihren kleinen Vorrat an Veritaserum. Sicherlich war das der perfekte Zeitpunkt, um auf Nummer sicher zu gehen. Sie flößte es ihrem Mann ein.
„Und jetzt die Wahrheit“, fuhr sie ihn an. „Wie ist das mit unserer Beziehung wirklich gelaufen?“
„Es war alles bis ins kleinste geplant“, zerstörte er ihre letzte Hoffnung. „Wie du ja weißt legt deine und meine Familie sehr viel Wert auf eine saubere Blutlinie und darauf, dass nicht innerhalb der Verwandtschaft Kinder gezeugt werden. Wir, du und ich, sind das Ergebnis einer solchen sorgsam gepflegten Abstammung. Es waren meine Eltern, die mich für dich anboten, obwohl unsere Familien sich nicht unbedingt grün waren. Überraschenderweise stimmten deine Eltern dem zu.“
„Meine Eltern waren gegen uns“, warf Gloria korrigierend ein. Sie wollte es noch immer nicht glauben.
„Das solltest du nur glauben. Sie wussten schon damals, dass sie kaum Einfluss mehr auf dich hatten. Ihr ward schon fast völlig zerstritten. Also mussten sie ein wenig anders vorgehen. Sie sagten mir, ich solle mit deiner verhassten Cousine Asena anbändeln. Sie war schon immer deine Konkurrentin und es war abzusehen, dass du ihr einen schönen Kerl wie mich ihr nicht gönnst und so wurde ich erst interessant für dich. Wir machten es dir absichtlich nicht einfach mich zu erobern, damit du das Gefühl hattest wirklich gekämpft und einen Schatz gewonnen zu haben. Uns war aber auch klar, dass du mich fallen lassen würdest, sobald du gewonnen zu haben glaubtest. Aus diesem Grund schickten deine Eltern genau im richtigen Augenblick den Brief, in dem sie dir jeden Umgang mit mir ausdrücklich verboten. Sie wusste, dein Trotz würde dann dafür sorgen, dass du mich solange bei dir behieltest, wie du damit deine Eltern zu ärgern glaubtest. Zeit genug um dich mit Romantik, Geschenken, perfekten Sex und Minidosen von Liebestränken gefügig zu machen.“
„Und das alles wofür?“, fragte Gloria mit vor Entsetzen trockenem Hals.
„Für die letzten, magisch reinen, englischen Kinder der Welt! Jedes ungerade Kind sollte deiner Familie gehören, jedes gerade mir.“
„Und was hattet ihr für mich vorgesehen?“
„Als der Dunkle Lord zu gewinnen schien, dachten wir daran, dich einfach unseren Willen unterzuordnen – doch dann brach diese so wunderbare Zukunft in sich zusammen.“
Gloria starrte ihn einige Sekunden lang an, dann wurde ihr derart übel, dass sie sich in eine Ecke des Kinderzimmers übergab. Sie selbst zeichnete sich durch eine gewisse Skrupellosigkeit aus, doch das ging ihr viel zu weit. Sie brauchte ein paar Minuten, doch als sie sich dann wieder unter Kontrolle hatte, ging sie zu der bewusstlosen Todesserin und nahm ihr die Maske ab. Ohne wirklich überrascht zu sein, erblickte sie das Gesicht ihrer Cousine Asena.
„Wie lange geht das schon mit ihr?“, fragte sie ihren Mann.
„Seit wir in der Schule die Scharade mit dir spielten. Von ihr wusste ich alles was nötig war, um dich zu verführen?“
Askaban war ein zu schöner Ort für die beiden.
„Ist der Dunkle Lord wirklich zurück?“
„Onkel Adrian hat ihn heute gesehen.“
Praktisch denken, Gloria. Nur nicht in Panik verfallen. Keine Zeit, um in die alte Gloria zu verfallen.
„Hör mir zu! Ich werde dir jetzt eine Erinnerung geben. Wenn dich irgendjemand fragt, was hier gelaufen ist, wirst du diese Erinnerung beschreiben. Wenn man dich für deinen Mut lobt, mit dem du deine Familie verteidigt hast, dann wirst du stolz, aber bescheiden antworten. Du wirst klagen, dass du Schmerzen hast, seit dich die Flüche von Asena und…“, sie schaute kurz auf die Leiche, „…Onkel Adrian getroffen haben. Cindys tot wirst du so behandeln, wie du es sonst auch tun würdest. Wenn man dich fragt, was diese Erinnerung nicht beantworten kann, dann wirst du dich nicht erinnern, weil alles so schnell ging und dich ja auch mehrere Flüche getroffen haben. Ansonsten wirst du den liebevollen und sorgenden Ehemann spielen. Alles weitere bekommen wir dann später.“
Gloria stand auf und schaute sich kurz um.
„Lucy, ich brauche dich hier!“
„Sie wünschen, Gloria“, erschien die verlangte Elfe.
„Sind alle in Sicherheit?“, fragte Gloria, obwohl sie sich hauptsächlich für Caradoc interessierte.
„Wir waren dort und haben auch den Elfen namens Fidusy getroffen. Aber ob dies ein sicheres Heim ist, weiß ich nicht zu sagen.“
„Es ist sicher. Du wirst schon sehen. Aber jetzt ist dafür keine Zeit. Lucy, bist du in der Lage diese Frau da in das sichere Haus zu bringen?“
„Ja!“
„Dann tu das bitte schnell und sobald du das erledigt hast, begibst du dich umgehend ins Ministerium und sagst, dass Todesser in das Anwesen der Kondagions eingedrungen sind. Sag nur diesen kurzen Satz, dann sofort zu Caradoc zurück.“
„Wie ihr wünscht“, verbeugte sich die Elfe, berührte dann mit einer Hand Cousine Asena und verschwand mit ihr.
Gloria legt den Zauberstab von Onkel Adrian wieder in seine Hand und zog Ihren Mann zu Cindys Leiche.
„Weißt du, Famulus. Ich habe deinen Namen immer gehasst, weil er Diener bedeutet. Aber jetzt begreife ich, dass du das schon immer und ewig warst. Und ich denke, dies wird sich auch nie mehr ändern!“
Sie betäubte ihn wieder. Dann kniete sie neben ihn, legte Cindys Kopf auf ihren Schoß und begann zu weinen. So sollten die Auroren sie finden, wenn sie kamen – und das traurige daran war, dass Gloria es nicht einmal spielen musste.


Nach oben 
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 28: Ein guter Anlass zum Feiern
 Beitrag Verfasst: 14. Jun 2009, 19:28 
Offline
Private
Private
Benutzeravatar

Registriert: 29. Okt 2008, 18:44
Beiträge: 5
Wow! Das find ich, war ziemlich...ähm...Krass! Ich konnte Glorias Mann zwar noch nie leiden, aber trotzdem!
Und mit diesem Kapitel hast du es geschafft dass ich Gloria richtig gern habe! Auch wie sie diese Todesserin abmurkst...
Aber... ihr Mann ist so ein *piep*! Und ihre Eltern, na danke, da braucht man echt keine Feinde mehr!

Aber ich fand das interview wirklich gut! Und auch dass sie die gesammelte Bagage zu Banefactor schickt. Und jetzt weiß ich vollends nicht mehr ob ich für Gloria, oder für Tarsuinn, oder für beide oder für keine Ahnung wen bin!
Also, ich freu mich schon aufs nächste Kapitel, und besonders auf das übernächste... aber das braucht wohl noch eine Weile
MfG
Tikki

_________________
"Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum!"

"Wo man Bücher verbrennt, da verbrennt man am Ende auch Menschen"


Nach oben 
 Profil E-Mail senden  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 28: Ein guter Anlass zum Feiern
 Beitrag Verfasst: 8. Jul 2009, 00:41 
Offline
Major General
Major General
Benutzeravatar

Registriert: 7. Apr 2002, 19:50
Beiträge: 2719
Als erstes: Der Entwurf von Kap 29 ist online.

Als zweites: Sorry an Tikki. Ich hab den Beitrag übersehen. Deshalb hier dann doch noch ein kurzer Kommentar statt schlafen gehen:

Bist du dir sicher, dass du Gloria und ihr Tun magst? Ich muss zugeben, mich schaudert es manchmal wenn ich sie schreibe, denn auch ich ertappe mich bei dem Gedanken daran sie sympathisch zu finden - und das, obwohl wir doch inzwischen alle wissen, was sie tut. :schockiert:
Na ja, ich nehm es einfach als Kompliment, weil es eigentlich genau dass ist, was ich mit Gloria erreichen wollte. ;)

MfG Rikki-Tikki-Tavi (um den Unterschied zu Tikki zu waren) :D


Nach oben 
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 28: Ein guter Anlass zum Feiern
 Beitrag Verfasst: 11. Jul 2009, 00:40 
Offline
Major General
Major General
Benutzeravatar

Registriert: 7. Apr 2002, 19:50
Beiträge: 2719
Der Entwurf von Kap 30 ist hier im Forum online.

MfG Dana


Nach oben 
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 28: Ein guter Anlass zum Feiern
 Beitrag Verfasst: 11. Jul 2009, 07:40 
Offline
Lance Corporal
Lance Corporal
Benutzeravatar

Registriert: 13. Aug 2008, 00:28
Beiträge: 24
Wohnort: OF
Huch, da schaut man einen Moment nicht hin *hüstel hüstel* und schon gibts gleich zwei neue Kapitel :D :D :D


Nach oben 
 Profil E-Mail senden  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
 
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 14 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2

Foren-Übersicht » Allgemeines » Die Geheimnis Triologie


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

 
 

 
Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron