Hallo,
endlich mal was Neues. Hier der
Entwurf von Kapitel 28. Ich musste heute unbedingt schreiben, weil der Staubwedel-Tipp aus dem Kap 27 Thread mir keine Ruhe gelassen hat. Eigentlich müsste ich schön seit zwei Stunden Bubu machen.
Bitte bedenkt, es ist alles nur ein Entwurf. Zum Beispiel muss ich noch nachlesen, ob ich Lucy wirklich schon die ich-Form habe nutzen lassen und ob Glorias Mann wirklich Famulus heißt. Desweiteren kann es sein, dass mir das Ende ein wenig aus dem Ruder gelaufen ist, weshalb ich gern eure Meinung hören würde.
Falls am Ende der Cliffhanger zu heftig sein sollte: Ich bin am überlegen, ob ich noch das "Interview" mit Famulus hinten dranhänge oder es dann in Kap 34 einbaue. Na ja, ihr könnt ja zur Entscheidungsfindung beitragen.
Achja, bitte beachtet die Fehler nicht. Niemand, nicht mal ich, hat Korrektur gelesen.
Und leider hat das Forum alle Kursivformatierungen entfernt. Ich hab jetzt nicht den Nerv das per Hand nachzutragen, denn mein kleines Script dafür ist beim letzten Windows aufsetzen verloren gegangen.
**********************************************************
- Kapitel 28 -
Ein guter Anlass zu Feiern „Erheben Sie sich für die ehrenwerte Madame Bones und dem Zaubergamot.“
Gloria brauchte nicht die rituellen Worte des Speakers. Sie war schon aufgestanden, als die Tür sich öffnete. Neben ihr erhob sich Janos Fairbanks deutlich langsamer. Er schien um Jahrzehnte gealtert. Die ganze Affäre hatte an seinen Kräften gezehrt und trotzdem straffte sich sein Rückgrat. Das war einfach nur der Stolz sich nicht vor den anderen zu beugen. Stolz war eine große Stärke und gleichzeitig die größte Schwäche der Rechtschaffenden. Trotzdem bewunderte sie Janos dafür – es machte ihn nur so ungeeignet für den Dschungel einer Bürokratie und der Politik. Stolz konnte man woanders sein, aber innerhalb des Systems musste man so etwas herunterschlucken können.
Sorgsam betrachtete Gloria die Gesichter der Mitglieder des Gamots, welche sich natürlich alle die Mühe gaben möglichst nichts sagend dreinzublicken. Es gab einige Lücken unter denen, die eine abschließende Entscheidung zu treffen hatten. Dumbledore fehlte, genau wie der Zaubereiminister. Kein Wunder, die mussten sich heute Abend um die letzte Aufgabe des Trimagischen Turniers kümmern. Aber es fehlten noch andere. Bei den meisten wusste Gloria warum sie nicht da waren. Viele von denen hatten sich einfach ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt zu der Zeit, als alle Janos Fairbank vorverurteilt hatten und jetzt waren sie zu Stolz, um gegen ihr eigenes Vorurteil zu stimmen. Aber da sie auch zu feige waren, sich jetzt noch gegen Glorias Beweise und Argumente zu stellen, blieben sie lieber mit einer Entschuldigung fort.
Sie unterdrückte ein triumphierendes Lächeln. Schließlich hatte Gloria das Plädoyer ihres Lebens gehalten und dann waren auch noch – natürlich von jemanden ganz anderen und vollkommen zufällig – die nötigen Beweise aufgetaucht.
„Mr Fairbanks?“, fragte die Vorsitzenden Madame Bones mit extrem neutraler Stimme. „Möchten Sie vor der Urteilsabstimmung noch etwas sagen?“
Das war auch nur eine traditionelle Frage. Man gab so einem Angeklagten noch einmal die Chance sich eventuell doch schuldig zu bekennen und so vielleicht eine mildere Strafe zu kassieren.
„Nein, Madame“, erwiderte Janos Fairbanks ohne ein einziges Zittern in der Stimme. Er hatte so oft selbst einem Beklagten diese Frage gestellt. „Ich danke Ihnen, für die faire Leitung des Prozesses.“
Es war bezeichnend, dass Madame Bones Schwierigkeiten hatten den Blickkontakt mit Fairbanks zu halten. Auch sie hatte zu Beginn stark an ihren Unterabteilungsleiter gezweifelt und deshalb fühlte sie sich sicher schuldig. Gut so.
„Dann stimmen wir jetzt ab“, fuhr Madame Bones fort. „Wer ist für eine Verurteilung von Janos Fairbanks aufgrund seiner geheimen Kontaktaufnahme mit dem-dessen-Name-nicht-genannte-werden-darf?“
Nur wenige Hände erhoben sich. Größtenteils von Leuten, die Gloria für Sympathisanten des Dunklen Lords hielt, aber auch einige, die mit Janos Fairbanks noch eine Rechnung zu haben glaubten. Aber wenn sich nicht jetzt noch achtzig Prozent der verbliebenen Stimmen sich enthielten…
„Wer ist der Überzeugung, dass Janos Fairbanks im Auftrag des damaligen Zaubereiministers handelte, in der Hoffnung eine Festnahme zu erzielen?“
Deutlich mehr Hände wurden erhoben und obwohl Gloria mit einem Sieg gerechnet hatte, hatte doch ein gewisses Restrisiko bestanden.
„Wer enthält sich?“
Es war irrelevant wer sich enthielt. Mehr als zwei Drittel hatten für einen Freispruch plädiert. Das war zwar kein überragender Sieg, aber auch kein knappes Ergebnis, bei dem der Tagesprophet noch einmal Zweifel konstruieren konnte.
Aber Gloria glaubte kaum, dass der Prophet daran noch Interesse hatte. Wahrscheinlich würden sie es ganz klein schreiben und hoffen, dass Rita Kimmkorn mit einem mitreißenden Beitrag über das Trimagische Turnier alles andere vergessen ließ. Gloria konnte das nur Recht sein. Sie hatte nicht vor auf ihrem Erfolg herumzureiten. Die richtigen Leute waren nun von ihr beeindruckt und die falschen würden sie vergessen, wenn sie das Messer nicht in der Wunde herumdrehte. Das hob sie sich für den passenden Augenblick auf.
„Für das Protokoll. Janos Fairbanks wurde von allen Vorwürfen gegen seine Person entlastet. Seine Suspendierung wird aufgehoben und seine Besoldung für die zurückliegenden zehn Monate muss nachgezahlt werden. Außerdem trägt das Ministerium die Kosten seiner Anwältin und muss eine mindestens halbseitige Anzeige zur Entschuldigung im Tagespropheten veröffentlichen. Damit ist diese Sitzung beendet.“
„Gratulation, Janos“, sagte Gloria leise und reichte ihrem Chef die Hand. „Sie sind jetzt endlich wieder das, was Sie immer waren: Ein ehrbarer Mann.“
„Ohne Sie hätte ich das niemals durch gestanden, Gloria“. Seine Hand zitterte und er hatte Tränen in den Augen. „Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken kann.“
„Vergessen Sie es einfach…“, die Rechnung würde sich von allein begleichen, „…gehen Sie besser zu ihrer Familie und überbringen Ihnen die frohe Botschaft. Und vergessen Sie nicht zu lächeln, damit sie Ihre Tränen richtig einordnen können.“
„Glauben Sie mir, ich werde heute nur noch lächeln. Sie waren einfach großartig, Gloria.“
„Wir hatten auch viel Glück, Janos, und nun gehen Sie endlich.“
Als er sich endlich umwandte, schaute Gloria sinnend ihren Mentor hinterher. Er war ein guter Mann und recht kompetent, aber völlig ungeeignet für eine Führungsposition. Einfach zu nett für diese Welt. Viel zu verletzbar und naiv.
„Wahre Loyalität ist schwer zu finden“, sagte Madame Bones, die unbemerkt an Glorias Seite getreten war.
„Sie zu verdienen ist noch viel schwerer“, sagte Gloria und schaute lang genug zur Tür durch die gerade Janos Fairbanks verschwunden war, um den falschen Eindruck entstehen zu lassen.
„Haben Sie wirklich niemals an seiner Geschichte zweifelt?“, fragte die Frau interessiert.
„Niemals!“, erwiderte Gloria überzeugt. Was auch sehr einfach war, wenn man die Wahrheit kannte.
„Wissen Sie, dass Janos gestern bei mir war?“
„Was!?“ Gloria war aufrichtig entsetzt. Das konnte das gesamte Urteil gefährden. Mit der Vorsitzenden des Zaubergamot am Vorabend des Urteils plauschen. Wenn das jemand…
„Keine Sorgen. Er hatte Zeugen mitgebracht und eine Protokollantin.“
„Das war trotzdem unvernünftig! Egal was es ist, er hätte damit bis heute warten sollen.“
„Sie wissen es wirklich nicht, oder?“
„Was soll ich wissen? Warum war Mr Fairbanks bei Ihnen, Madame?“
„Nun – Loyalität ist meist eine beiderseitige Sache. Gestern war Janos bei mir, um offiziell seinen Rücktritt einzureichen, damit kein Schaden auf das Ministerium, die Abteilung und mich zurückfällt. Er wollte dies tun, solange er noch selbst die Macht dazu hat.“
„Aber das ist doch jetzt unerheblich“, sagte Gloria, obwohl sie innerlich jubilierte.
„Nein, denn er hat ausdrücklich betont, dass sein Rücktritt auch gilt, wenn er freigesprochen wird.“
„Das ist nicht fair, Madame“, tat Gloria entsetzt.
„Es war sein Wunsch“, schüttelte Madame Bones traurig den Kopf und schaute dann Gloria eindringlich an. „Und es war auch sein Wunsch, dass ich Sie als seine Nachfolgerin in Betracht ziehe. Ich erwarte Ihre Unterlagen in zwei Stunden auf meinem Schreibtisch vorzufinden, Mrs Kondagion. Und wenn diese nur halb so überzeugen wie Janos und ihre Auftreten vor dem Zaubergamot, dann haben sie eine gute Chance gegen ihren Mitbewerber.“
Erst als Madame Bones schon lange Zeit gegangen und Gloria vollkommen allein war, gestattete sie sich ein leichtes Lächeln.
„Schatz, ich bin zu Hause.“
Durch Magie unterstützt flog Glorias Stimme durch alle Zimmer im Hause. Sie betrat ihre Wohnung, schleuderte übermütig die Schuhe von ihren Füßen und lief zur Küche. Es war noch früh am Abend und sie hatte nicht wirklich mit der Anwesenheit ihres Mannes gerechnet. Sie hatte sogar darauf gezählt, denn so konnte er ihren vielen Einkäufe nicht sehen. Sie war extra auf einen kurzen Sprung in Frankreich gewesen, um, dem Anlass entsprechend, Champagner und ein paar andere Delikatessen vom Festland zu holen. Auch wenn es ihr Nationalstolz niemals zugelassen hätte es zuzugeben, aber die Franzosen wussten wirklich das Leben zu genießen – auch wenn sie mit einigen Dingen weit übers das Ziel hinausschossen. Frösche zum Beispiel, fand Gloria, hatte nur was in Zaubertränken zu suchen, nicht auf dem Teller eines Feinschmeckerrestaurants.
„Cindy“, rief sie freundlich, als sie sicher war, dass ihr Mann es noch nicht nach Hause geschafft hatte.
„Guten Abend, Mylady. Was kann ich für Sie tun?“, materialisierte die Hauselfe vor Gloria.
„Guten Abend, Cindy. Wir werden heute feiern und ich brauche eure Hilfe bei den Vorbereitungen.“
„Sie werden feststellen, dass alles dem Anlass entsprechend vorbereitet ist, Mylady.“
„Dem Anlass entsprechend…?“, wunderte sich Gloria. „Woher weißt du es?“
„Gute Nachrichten verbreiten sich schnell unter den Elfen, Mylady“, entgegnete Cindy und verbeugte sich ehrfurchtsvoll. „Falls Sie es nicht für aufdringlich halten, dann möchte ich Ihnen im Namen alle gratulieren und Ihnen alles Gute wünschen – falls dies nicht zu gewagt ist.“
„Ich bin froh, dass du mal etwas wagst, Cindy“, lachte Gloria. „Und herzlichen dank für die Wünsche.“ Sie freute sich ehrlich über Cindys Worte. Wenn die Elfen sie schon für nett hielten, dann blieb der Rest der Welt auch nichts anderes übrig. „Und wie der Zufall es so will, habe ich die Zutaten für den leckersten Elfenkuchen der Welt dabei. Feenstaubzucker, Yeti-Gletscherschokolade und ein Ei des Vogel Roch – ich hoffe, ich habe nichts vergessen.“
„Mylady!“ Cindy erlitt wohl gerade einen kleinen Schock und hatte die Hände über ihren Kopf zusammengeschlagen. „Das ist doch viel, viel zu teuer.“
„Habe ich vergessen zu erwähnen, dass es sich auch finanziell lohnt die Nummer zwei unter Madame Bones zu sein?“, kicherte Gloria, genoss ihren Triumph und ging in Richtung Küche. Dort angekommen stellte sie das ganze Zeug ab und weil sie so guter Laune war…: „Ich bin im übrigen sehr stolz auf dich, Cindy. Du hast kein einziges Mal darum gebettelt mir etwas abnehmen zu dürfen.“
Wie erwartet machte die Elfe trotz des Lobes ein eher unglückliches Gesicht.
„Myladys Wünsche dahingehend waren sehr deutlich.“
„Es wird dir mit der Zeit immer leichter fallen“, versprach Gloria. „Und jetzt rufe bitte die anderen. Wir haben nicht viel Zeit.“
Sie hatte die Worte kaum ausgesprochen, als auch schon fünf weitere Elfen aus dem Nichts erschienen und in der Küche zu wuseln begannen.
Da Gloria ihre Talente kannte – und Kochen gehörte nicht dazu – überließ sie den Elfen das Feld und ging ins Kinderzimmer. Da ihr kleiner Schatz sie nicht begrüßt hatte, hatte sie schon vermutet, dass er schlafen würde. Immerhin war es heute spät geworden.
Am Fußende seiner Wiege saß Lucy und strickte.
„Wollte der kleine Halunke mal wieder nicht gleich ins Bett?“, erkundigte sich Gloria amüsiert und betrachte die Nase der Elfe, die im Moment sehr an die Löcher eines Reptils erinnerte.
„Er wird einmal ein außergewöhnlich starker Zauberer… Mrs Gloria…“
Gloria warf ihr einen tadelnden Blick zu.
„Gloria!“, korrigierte sich Lucy schnell.
„Gut“, murmelte Gloria, zog ihren Zauberstab und korrigierte die Nase der Elfe. „Warum hast du das eigentlich nicht selbst gemacht, Cindy?“
„Es schien ihm zu gefallen“, erklärte die Elfe.
„Du darfst dir nicht alles von ihm gefallen lassen“, schüttelte Gloria den Kopf. „Er muss lernen auf dich zu hören. Du bist nicht sein Sklave. Ich hab dir schon einmal erklärt, dass er sich dieses Denken gar nicht erst angewöhnen soll.“
Gloria beugte sich über die Wiege und sah ihren kleinen, schlafenden Engel an. Seine Minifinger umklammerten einen völlig harmlosen Babyzauberstab, dessen einzige Besonderheit war, dass er die ersten Zähne schütze, wenn man auf ihn herumkaute. Eine Tätigkeit, die Caradoc mit Begeisterung nachkam, wenn nichts anderes in Reichweite war. Sanft strich sanft über seine Haare.
„Darf ich etwas anmerken, My…? Gloria.“
„Nur zu.“
„Ich denke, es ist nicht mehr ratsam ihn zu dem Muggelmädchen zu bringen. Es könnte ihre Position schwächen, wenn es zu einem Verstoß gegen die Geheimhaltung kommt. Dieses Muggelmädchen…“
„…Rosa…“
„… ist nicht dumm und recht aufmerksam für einen Muggel. Ich kann nicht immer dafür sorgen, dass Caradocs Ausbrüche unbemerkt bleiben.“
„Ja, ich weiß“, bedauerte Gloria. Aber er mag Rosa und im Waisenhaus kann er auch mit anderen Kindern spielen.“
„Ich wollte nur anmerken, dass es ein großes Risiko ist. Ich bin mir sicher, Ihr findet eine gute Lösung.“
Gloria schaute sinnend auf ihre Schatz. Was war sie stolz gewesen, als er schon so zeitig angefangen hatte herumzuzaubern. Wohl jede Hexe auf der Welt fürchtete einen Squib in die Welt zu setzen und so zeitig das Gegenteil zu erfahren, war unglaublich beruhigend. Auf der anderen Seite aber zog es das Problem nach sich, auf welches Lucy gerade hingewiesen hatte. Es war eigentlich nicht mehr ratsam ihn mit unter Muggel zu nehmen. Doch Gloria graute es bei der Vorstellung, dass er so aufwachsen würde wie sie selbst. Eingepackt in den Mikrokosmos der Familie und vielleicht ein oder zwei anderen magischen Kindern in der Nähe, ohne große Möglichkeiten, die Welt kennenzulernen. Auch auf die Gefahr hin sich einmal eine blutige Nase einzufangen.
„Du hast Recht, Lucy“, sagte Gloria. „Wir müssen eine gute Lösung finden. Aber nicht heute Abend.“
„Natürlich“, meinte die Elfe. „Ich werde dafür sorgen, dass sie heute einen ruhigen Abend haben.“
„Na, ich hoffe doch, dass er nicht zu ruhig wird“, murmelte Gloria und spürte ein wenig Vorfreude. Es war schon ziemlich lange her. Ein netter ruhiger Abend. Ohne Arbeit, ohne Kindergeschrei, mit…
Ja! Heute war Feiern angesagt. Morgen kamen die Probleme.
Sie schlich aus dem Zimmer und ließ Lucy und Caradoc zurück. Ein kurzer Blick ins Speisezimmer ließ Gloria erkennen, was Cindy unter den Vorbereitungen dem Anlass entsprechend verstand. Der Tisch war gedeckt wie zu einem königlichen Bankett. Alles beleuchtet von romantischem Kerzenlicht, leise Musik spielte und im Kamin brannte ein warm aussehendes, jedoch eher kühlendes Feuer. Nicht übel, gar nicht übel. Gloria war überaus zufrieden.
„Bedeutet das, du hast den Fall gewonnen?“, erklang hinter ihr die Stimme ihres Mannes. Er stand in der Tür, sah so gut wie eh und je aus und das Lächeln um seine Lippen, war geradezu elektrisierend. Mit ein paar schnellen Schritten warf sie sich in seine Arme und an seine Lippen.
„Mehr als“, freute sie sich. „Ich hab gewonnen und Janos hat trotzdem zu meinen Gunsten auf eine Rückkehr ins Ministerium verzichtet.“
„Also bin ich nun der Mann einer hochgestellten Persönlichkeit?“
„Mehr als das“, säuselte Gloria und küsste ihn verheißungsvoll.
In Glorias Reichweite materialisierte ein kleiner Tisch mit der eisgekühlten Champagnerflasche und zwei Gläsern.
„Wie aufmerksam“, sagte Gloria.
„Findest du es nicht beunruhigend, dass sie uns die ganze Zeit beobachten?“, schien Famulus sich noch immer nicht ganz mit den neuen Regeln abgefunden zu haben. Doch gleichzeitig füllte er die Gläser mit einer anderen Hand. „Nein, keine Diskussion heute“, schüttelte er den Kopf. „Das ist heute dein Tag. Ich freu mich so sehr für dich.“
„Für uns!“, korrigierte Gloria.
„Für uns“, nickte Famulus. „Was riecht denn hier so köstlich.“
„Das bin entweder ich oder das Essen auf dem Tisch“, vermutete Gloria.
„Es sieht beides zum anbeißen aus.“
Dieses verbale Hin und Her setzte sich am Essenstisch weiter fort. Gloria fühlte sich wie ein übermütiger Teenager. Genauso hatte es damals bei ihnen gefunkt. Für einen Außenstehenden mochte es kindisch und schmalzig klingen, aber jetzt und hier, fühlte es sich einfach gut an. Normalität hatte etwas Beruhigendes.
„Das Essen ist wirklich superb“, lobte Famulus. „Solch einen großen Tag angemessen. Ich wünschte, jeder würde diesen Tag feiern.“
„Na, dass wäre dann doch ein wenig übertrieben“, lachte Gloria.
„Das sehe ich nicht so!“, lächelte er sie gewinnend an. „Nicht an jedem Tag kehrt…“
„Mylady, Mylady“, Cindy materialisierte und zupfte an Glorias Kleid. Früher hätte ein solch ungehöriges Verhalten eine wütende Zurechtweisung nach sich gezogen – jetzt fragte sich Gloria nur, was so schlimm war, dass die Hauselfe all ihre Hemmungen verlor.
„Was ist denn, Cindy?“, fragte sie.
„Es ist ganz furcht…“
Ein gleißender Licht traf die Elfe und schleuderte sie hart gegen die Wand. Gloria fuhr herum, nur um einen vertrauten Zauberstab auf sich gerichtet zu sehen.
„Da versaut mir diese Wanze doch den Auftritt des Abends“, sagte Famulus kalt. Er schwenkte seinen Zauberstab ohne ein Wort zu sagen und Glorias Zauberstab flog quer durch den Raum. Sie war viel zu geschockt, um reagieren zu können. „Setz dich, Schatz. Und befehl den Elfen sich nicht einzumischen! Wir müssen mal in Ruhe reden.“
„Lass mich vorher nach Cindy sehen“, forderte Gloria und versuchte Zeit zu schinden, um sich zu fangen.
„Die wird das schon überleben. Und wenn nicht, besorgen wir uns einfach Ersatz. Sie wird eh immer aufsässiger. Das hier dreht sich nur um dich und mich! Setz dich!“
Die Macht seiner Worte und die seines Zauberstabes zwangen Gloria hin. Kaum das sie saß, spürte sie wie ihre Glieder gelähmt wurden. Oh, er war wirklich gut mit wortlosen Zaubern.
„Verzeih bitte die Vorsichtsmaßnahmen“, sagte er lässig. „Aber ich wollte, dass du mir zuhörst, ohne gleich Amok zu laufen. Hab ich von dir gelernt, Schatz.“
„Ich bin ja so stolz auf dich“, zischte Gloria und spürte wie Zorn und Wut in ihr aufstieg. Wut auf Famulus und Zorn auf sich, weil sie nicht auf Banefactors Warnungen gehört hatte.
„Tja, ist eine heikle Sachen, aber glaub mir, ich tue dies nur für unsere Familie.“
„Ach, und was tust du gerade?“
„Uns den Arsch retten.“
„Ach, wirklich?“
„Ja, wirklich! Denn was ich dir sagen wollte, kurz bevor die Wanze hereinplatzte und mir den Auftritt versaute: Der Dunkle Lord ist zurück! Und er ist mächtiger als je zuvor.“
Gloria spürte wie sich ihre Augen in Panik weiteten. Ihre Gedanken rasten und plötzlich drängten sich ein paar Worte in den Vordergrund ihres Denkens.
„Du hast dies gefeiert. Die ganze Zeit! Du freust dich darüber.“
„Natürlich freue ich mich, Schatz. Und du solltest das auch.“
„Bist du des Wahnsinns. Ich habe gegen ihn gekämpft. Wir haben deine Anwartschaft ausgelöscht. Ich hasse diesen Idioten wie die Pest. Er weißt das und wird niemals…“
„Er hat uns allen vergeben. Er ist bereit allen zu vergeben, die reinen Blutes sind und bereit sind für ihn zu kämpfen. Sogar seinen ehemaligen Feinden. Denk doch mal nach, wie wertvoll wir für ihn sein können. Du bist die Stellvertreterin von Madame Bones. Du hast Zugriff auf geheime Informationen und Akten und falls Bones etwas zustößt, wärst du sogar ihre Nachfolgerin. Wenn wir unsere Karten richtig ausspielen, dann ist der Himmel das Limit. Du könntest sogar Zaubereiministerin werden.“
„Nur eine Marionette“, schränkte Gloria abfällig ein. Natürlich wollte sie Zaubereiministerin werden, aber ganz sicher nicht eine, der man eines Tages einen Dolch in die Rippen stoßen würde und ganz sicher wollte sie die Macht auch wirklich ausüben und nicht ein Spielzeug sein, dass man jederzeit fallen lassen konnte.
„Aber wir wären in Sicherheit. Gloria, diesmal ist alles anders. Der Dunkle Lord ist anders. Mächtiger und auch viel weiser. Es geht ihn gar nicht mehr darum, alles zu töten, was nicht auf seiner Seite ist. Er weiß, dass wir es uns nicht mehr leisten können, weitere Zaubererfamilien zu verlieren und er weiß auch, das sinnlose Morde nur weitere, zu allem entschlossene Gegner, erzeugt. Eine neue Ordnung zieht auf, Gloria. Und wir können nur überleben, wenn wir uns anpassen.“
„Oder wir könnten außer Landes gehen“, schlug Gloria vor. „Ich kann uns verstecken…“
„Du verstehst das falsch, Schatz“, schüttelte er den Kopf. „Ich handele nicht aus Angst. Nein, ich bin schon immer überzeugt gewesen, dass die Macht wieder in die richtigen Hände…“
Gloria langte es.
„Es ist also eine Art Notfall!“, sagte sie laut. Wie Banefactor es eingerichtet hatte erloschen die Lichter und mit reiner Willenskraft brach sie den Lähmfluch, stand auf, griff den Stuhl bei der Lehne und mit einem großen Bogen schlug sie dahin wo Famulus stand. Der Stuhl zerbrach und als er zu Boden stürzte riss er den halben Tisch noch um.
„Licht!“, befahl Gloria, hechtete nach vorn um ihn ihren Zauberstab abzunehmen, als hinter ihr die Tür zerbarst und zwei Gestalten mit wild zuckenden Zauberstäben eindrangen. Schockzauber raubten Gloria langsam die Besinnung und das letzte, was sie noch sah war, wie sich Todesser-Masken über sie beugten.
Als Gloria wieder erwachte, war sie nicht gefesselt, sie fühlte aber auch keinen Drang ihren Mann oder den einen Todesser im Raum anzugreifen. Sie erhob sich.
„Dornröschen ist also wach. Fein“, sagte der Todesser. „Hört mir zu Famulus. Du wirst deine Frau schön unter Kontrolle halten. Du bist für sie verantwortlich. Gloria, du wirst weiterhin deine Arbeit so gut erfüllen wie du kannst und keinen Verdacht erregen. Du bist die pflichtbewusste Gloria und treusorgende Ehefrau und Mutter. Du wirst alles beobachten und jeden Abend dem Dunklen Lord einen Bericht darüber schreiben, was du am Tag im Ministerium gesehen und gehört hast. Verstanden?“
„Ja“, war Gloria einverstanden.
„Die Wünsche des Dunklen Lord sind nunmehr auch deine.“
„Ich lebe um den Meister zu dienen.“
„Wenn der Dunkle Lord oder ich nicht da sind, wirst du den Befehlen deines Mannes gehorchen!“
„Das werde ich.“
„Na dann viel Spaß, Famulus“, sagte der Todesser auf eine Weise, die Gloria als unangenehm empfand.
„Das mit ihr war nur ein Job!“, sagte ihr Mann abfällig. Gloria störte sich nicht daran. Er war der Mann, er hatte recht und wenn er unglücklich war, war es ihre Aufgabe ihn glücklich zu machen.
„Als ob du dich beschweren solltest“, lachte der Todesser. „Was uns aber zum Wichtigsten bringt: Falchion, wo bleibst du?“
„Ich hab hier Probleme, Sin.“, rief eine weibliche Stimme quer durchs Haus
„Du sollst ein Kind holen, was kann da Probleme machen!“
„Hier ist eine verfluchte Hauselfe die irgendeinen Schutzzauber gewirkt hat und ich brauche meine ganze Konzentration, um zu verhindern, dass sie mit dem Kind abhaut.“
„Das ist Lucy. Eine echte Pestbeule“, sagte Famulus. „Ich kümmere mich darum.“
Er ging und eine Minute später hörte sie ihn wütend brüllen.
„Ich bin der Vater. Du wirst sofort den Schildzauber beenden und mich zu meinen Kind lassen.“
Gloria spürte ein schmerzhaftes Stechen im Hinterkopf. Irgendetwas stimmte nicht. Es musste sie doch berühren was hier geschah. Die Welt wirkte so leer, bar jeder Emotion. So völlig unwirklich.
Famulus kehrte zurück. Er wirkte ziemlich erbost und Gloria fragte sich besorgt, was sie tun konnte, damit er wieder lächelte.
„Wir brauchen sie!“, sagte ihr Mann und deutet auf Gloria.
„Ihr wollt doch nicht etwa sagen, ihr kommt mit einer Hauselfe nicht klar?“
„Nicht, ohne das Kind zu gefährden.“
„Okay. Also auf sie wird die Elfe hören?“
„Unbedingt.“
„Dann machen wir es halt so. Gloria, komm mit.“
Sie folgte gehorsam dem Todesser bis zum Kinderzimmer. In eine Ecke gedrängt stand Lucy, die einen ängstlich schauenden Caradoc an der Hand hielt. Eine blau schimmernde Kugel umgab die beide. Gloria konnte gar nicht verstehe, warum die beiden da standen und ihr Kleiner solche Angst hatte. Es war doch alles in Ordnung, oder?
„Hol das Kind“, befahl der Todesser Gloria „Und gib es Famulus.“
Sie versuchte dem Befehl zu folgen, doch sie bekam einen schmerzhaften Schlag an der magischen Wand.
„Lass mich zu meinem Kind, Lucy“, sagte Gloria. Seltsamerweise schien sich die Elfe sträuben zu wollen. „Es ist alles okay“, versicherte sie deshalb.
„Nein, Mylady. Ist es nicht!“
„Du sollst mich doch nicht Mylady nennen“, schimpfte Gloria.
„Aber Sie sind doch Mylady!“, widersprach die Elfe.
Das Ziehen in Glorias Kopf wurde schlimmer.
„Hol endlich unser Kind“, sagte die Frau namens Falchion, was sicherlich ein Tarnname war.
„Mein Kind!“, korrigierte Gloria und warf einen Blick zurück. Es verwirrte sie noch mehr zu sehen, dass sich der kleine Finger ihres Mannes mit dem der Frau verschränkt hatte.
„Dein Kind!“, bestätigte der Todesser, der Sin genannt worden war. Und warf Famulus und Falchion einen sehr bösen Blick zu. Doch Gloria war nicht dumm. Es war ihr Beruf Lügen zu erkennen oder zu erspüren. Und plötzlich wusste sie, um was es gerade ging. Niemals bekommen die mein Kind. Es machte klick in ihren Kopf.
Sie drehte sich wieder zu Lucy.
„Lass mich zu meinem Sohn“, sagte Gloria, zeigte ihre leeren Hände und fixierte die Augen der Elfin. „Ich bin seine Mutter und du wirst meiner Bitte genau befolgen!“
Lucy bewegte ihre Hand ein wenig und obwohl der Schutzschirm nicht schwand trat Gloria nach vorn. Sie hatte nicht gewusst, ob es möglich war, aber sie trat durch den Schirm, ohne das dieser verschwand.
„Und jetzt bring das Kind hierher!“, forderte der Sin.
Gloria, die mit den Rücken zu den Todesser stand, streckte die Hand in Lucys Richtung aus.
Eine Waffe, formulierte sie extra deutlich, aber lautlos, mit dem Mund. Lucy schnippte mit dem Finger und wie Gloria vermutete hatte, verhinderte die Todesserin zwar die Flucht der Elfe, aber nicht den gegenteiligen Weg. Am liebsten hätte Gloria um ihren Zauberstab gebeten, aber das hätte nicht funktioniert, denn die Elfe musste wissen, wo sich der jeweilige Gegenstand befand.
Ein wenig erstaunt schaute Gloria auf den Gegenstand in ihrer Hand. Sie hatte gehofft einen anderen Zauberstab zu finden, ihren Taser oder eine der alten Duellschwerter aus der Vitrine im Empfangszimmer. Auf der anderen Seite – es war ziemlich elfenmäßig. Nun ja, besser als Wattebäuschen, dachte Gloria. Auch wenn sie keine Ahnung hatte, was sie mit einem Staubwedel sollte. Sie brauchte dringend eine Eingebung und sie hatte dafür nicht gerade viel Zeit. Jedes Zögern könnte die Todesser Misstrauisch machen.
Sie beugte sich zu Caradoc hinunter und nahm ihn auf den Arm. Er streckte seine kleinen Ärmchen nach ihr aus, wobei seine Augen erstaunlicherweise voller Begehren auf den Staubwedel gerichtet waren.
„Pflifli“, plapperte er. Normalerweise ärgerte sich Gloria immer ein wenig, dass Caradoc noch immer kaum ein deutliches Wort sprechen konnte – obwohl er nun schon fast zwei Jahre alt war. Doch heute rette es vielleicht Glorias Kopf. Pflifli stand bei Caradoc für seinen Wunsch zu fliegen und was immer auf die exzessive Verwendung von Feenstaub oder Elfenzauberei hinauslief. Und wenn der Spaß vorbei war, musste immer eine Menge der magischen Rückstände…
„Was hast du da in der Hand?“, fragte der Todesser Sin misstrauisch.
„Mein Kind“, tat Gloria verwirrt.
„Nein, in der anderen.“
„Oh, sein Lieblingsspielzeug“, erklärte Gloria und versuchte naiv zu sein. „Schau!“
Sie staubwedelte heftig über Caradocs Gesicht und Kopf, was den Kleinen ein begeistertes Giggeln entlockte. Er streckte die Arme aus, um loszufliegen – seltsamerweise das konnte – aber Gloria hielt ihn fest. Sie trat zu der Falchion und hielt ihr Caradoc hin, der heftig in ihren Arm herumzappelte. Die Todesserin wollte nach den Jungen greifen, doch in dem Augenblick gab Gloria den Jungen mit etwas Schwung frei, wobei sie hoffte, dass die Decke hoch genug war. Falchions Blick und Hand war unwillkürlich Caradoc gefolgt. Blitzschnell griff Gloria nach dem Zauberstab der Frau und rammte mit voller Wucht und gemeiner Freude die Stirn auf Todessermaske. Zum Glück sollte diese nur die Identität schützen und nicht das Gesicht, weshalb es ein wunderschönes Knacken zu hören gab. Leider durfte sie diesen Moment nicht genießen.
„Schaff Caradoc hier raus“, schrie sie, entriss den Zauberstab der schwankenden Frau und schaffte es gerade noch einen Schockzauber abzublocken. Um sicherzugehen, dass Lucy nicht verfolgt werden konnte, wirkte sie auf die drei Todesser einen komplizierten Antiapparierzauber, den sie bei ihrem Meister gelernt hatte. Zwar vernachlässigte sie damit ihre eigene Verteidigung und folgerichtig erwischte sie ein Expelliarmus, aber sie hatte der Elfe mindestens fünf Minuten Vorsprung verschafft. Ohne Zauberstab hatte sie nur noch die Chance sich zu ergeben, sie hob die Hände.
„Was zur Hölle?“, sagte Sin, während Famulus Falchion aufhalf. Er hatte gerade versucht zu disapperieren und war offensichtlich erstaunt, dass es nicht klappte.
„Ich bring die Schlampe um!“, schrie die Todesserin näselnd. Das Blut lief in strömen unter ihrer Maske hervor.
„Das wirst du bleiben lassen!“, fauchte Sin zurück hielt aber den Zauberstab fest auf Gloria gerichtet.
„Sie hat mir die verdammte Nase gebrochen!“
„Wir haben noch einiges mit ihr vor“, entgegnete Sin kalt und fügte dann ein wenig zittrig hinzu: „Er hat einiges mit ihr vor und er will keine Aufmerksamkeit.“
„Aber diese Blutsverräterin kann einem Imperio widerstehen!“
„Es gibt andere Wege jemanden zur Zusammenarbeit zu bewegen!“
„Welche denn? Der Junge wäre das beste Druckmittel gewesen“, sagte Famulus.
„Oh, ich weiß da eine andere Möglichkeit“, sagte Falchion und ihre Stimme beinhaltete eine gefährliche Art Freude.
„Stoppe erstmal die Blutung“, meinte Sin. „Danach kannst du sie immer noch bearbeiten.“
Gloria wusste wovon die beiden sprachen. Folter. Wie berechenbar diese Todessertypen doch waren. Sie musste zugeben, sie hatte ziemliche Angst davor. Es tröstete sie zwar, ihren Sohn in Sicherheit zu wissen, trotzdem half das nur ein wenig. Im Moment sah sie keine Möglichkeit zu entkommen. Auf der anderen Seite – die Deppen schienen gar nicht daran zu denken, dass Lucy vielleicht Hilfe holen könnte. Gloria war sich langsam ziemlich sicher, hier nicht gerade der Créme de la Créme der Todesser gegenüberzustehen. Vielleicht gab es ja doch Hoffnung?!
„So, dann wollen wir mal“, sagte Falchion kalt. „Bereit, Schlampe?“, und ohne auf eine Antwort zu warten: „Crucio!“
Noch nie hatte Gloria solche Schmerzen empfunden. Na ja, vielleicht bei der Geburt von Caradoc, aber da hatte jemand recht bald lindernd eingegriffen. Als endlich Falchion von ihr abließ, rang Gloria keuchend nach Luft, den sie hatte über das Schreien, das Luftholen vergessen.
„Na, macht es Spaß?“, lachte die Todesserin.
Glorias Blick wanderte hilfesuchend zu Famulus, doch da fand sie nichts was sie an ihm geliebt hatte. Ja, er war zwar angewidert, aber weder Liebe noch Mitleid stand in seinen Augen. Hatte Glorias Liebe zu ihm sie so blind gemacht oder stand er vielleicht unter einem Imperio-Fluch? Es war die Hoffnung an die sie sich klammern wollte, aber tief in ihr fühlte sie, das es nicht stimmte. Ihr Meister hatte immer wieder zu ihr gesagt, sie solle weniger denken und lieben, sondern stattdessen auf ihr Bauchgefühl hören.
„Keine Antwort? Na, dann weiter mit Runde…“
„Lassen Sie Mylady in Ruhe!“
Lucy war im Rücken der Todesser erschienen und schleuderte einen wilden Schwall Elfenmagie gegen die drei, die quer durch den Raum und gegen Wände und Kinderspielzeug geschleudert wurde.
„Lucy! Nicht! Das ist verboten!“, neben Gloria erschien eine sehr angeschlagen wirkende Cindy, welche Glorias Zauberstab in der Hand hatte. „Mylady, nehmen Sie! Fliehen Sie.“
Ohne Nachzudenken ergriff Gloria den Stab und in einem Anfall von überwältigendem Hass, dachte sie nicht an Flucht. Wie eine Furie ließ sie ihren Zauberstab fliegen. Sie hatte viel gelernt, doch niemals hatte sie daran gedacht, es auch wirklich anzuwenden. Zwei Todesflüche rasten auf sie zu und sie wich ihnen dank eines chinesischen Gummiknochenzaubers aus. Sie revanchierte sich bei Falchion mit einem Voodoofluch, mit der unangenehmen Auswirkung, dass einem langsam das Blut in den Adern gerann. Die war damit erst einmal mit der Rettung ihres Lebens beschäftigt.
Umso wütender wurden jedoch die Angriffe von Sin und Famulus. Beide schienen begriffen zu haben, dass der Todesfluch einfach zu lange in der Vorbereitung dauerte und auch zu leicht an den Zauberstabbewegungen zu erkennen war. Außerdem sprachen sie ihre Zauber laut aus, was Gloria einen extremen Vorteil verschaffte.
Sie begriff zu spät, dass dies eine Falle war. Sin mochte zwar nicht gut genug sein, um seine Zauber still zu wirken, aber ihr Mann war es. Er wechselte sich immer mit seinem Angriff mit Sin ab.
„Stupor!“.
„Plagam!“
„Stupor!“.
„Plagam!“
„Stupor!“.
„Plagam!“
„Stupor!“.
„Plagam!“
Gloria war derart in diesem Rhythmus gefangen, dass Famulus still gewirkter Fluch, völlig überraschend auf sie zuraste. Doch Zentimeter vor Glorias Gesicht zerfasterte der Angriff.
„Lucy! NICHT!“, hallte Cindys Stimme durch den Raum. Doch die Elfe, die nun mit steinerner Mine neben Gloria stand achtete nicht darauf.
„Niemand tut meiner Familie etwas an“, schrien die geballten neunzig Zentimeter Zorn und eine – selbst für Gloria – unerwartet starke Welle magischen Chaos fegte mit einem Angsteinflössenden Fauchen durch das Kinderzimmer. Was an Einrichtung bis jetzt noch nicht zersplittert oder verbrannt war und im Weg war, hörte auf zu existieren. Selbst Gloria musste für einen Moment die Augen schließen, so geblendet war sie. Als sie dann wieder öffnete tanzten grüne und schwarze Punkte vor ihren Augen herum, doch sie konnte sie was Lucy geschafft hatte. Sin, Famulus und Falchion lagen anscheinend bewusstlos oder gar tot am Boden. Lucy neben ihr schwankte und die weit aufgerissenen, starren Augen ließen Gloria erkennen, dass die Elfe genau in das Licht gesehen hatte und deshalb im Augenblick blind war. So sah sie auch nicht wie Sin im Liegen den Zauberstab erhob und auf Lucy zielte.
„Strangulare!“, schrie Gloria entsetzt laut.
„Avada Kedavra!“, krächzte der Todesser gleichzeitig.
Wie in einer grausamen Zeitlupe sah Gloria wie die beiden Flüche aneinander vorbeirasten. Sie wollte Lucy wegstoßen, doch ihre Glieder bewegten sich genauso langsam wie die Zeit. Ihr Fluch traf zuerst, doch das half nicht mehr. Der Todesfluch war schon lange unterwegs und die Elfe machte keine Anstalten auszuweichen. Gloria schloss entsetzt die Augen nur um sie sofort wieder aufzureißen. Zu ihrer Verwunderung stand Lucy immer noch neben ihr. Der grüne Fluch stoppte vor ihr und für einen wunderbaren Moment glaubte Gloria, dass Elfen…
Dann erkannte sie ein Flirren, da wo der Fluch endete und hilflos musste sie mit anschauen, wie aus dem, was aussah wie heiße Luft in der Wüste, sich zu Cindy verfestigte. Und dann begriff Gloria das grausame Wunder, die Elfe materialisierte mitten in dem Todesfluch, um ihre Tochter zu retten.
Plötzlich beschleunigte die Zeit wieder. Getrieben von ihrer begonnen Bewegung riss Gloria Lucy zu Boden. Sie wollte die Elfe festhalten, doch noch bevor sie beide zu Boden gingen, verschwand Lucy unter ihr und Gloria hörte sie hinter sich wieder auftauchen. Sie warf sich herum.
„Lucy! Hör auf!“, befahl Gloria.
Die Elfe verharrte mitten in ihrer Bewegung. Sie stand über dem toten Körper ihrer Mutter. Wut verzerrte ihr sonst niedliches Gesicht zu einer Maske des Hasses, Magie brannte in ihren Händen – und der Todesser hing vor ihr hilflos in der Luft. Die Hände an seiner Kehle versuchte er einen unsichtbaren Strick zu lösen.
„Er hat sie getötet“, schrie Lucy und Gloria wusste, dass sie nichts verhindern konnte, wenn die Elfe sich zum äußersten entschloss.
„Ich weiß“, rappelte Gloria sich auf und ging langsam zu ihr. „Aber du darfst das nicht!“
„Wäre ich ein Mensch, würden Sie es mir nicht verbieten“, entgegnete Lucy weinend. Gloria konnte ihren Schmerz fast physisch spüren.
„Das stimmt“, sagte sie ehrlich und ging langsam zwischen die Elfe und den Todesser. „Aber ein Mensch wird auch nicht bestraft, wenn er aus Notwehr handelt. Bei Elfen geht man fast nie von Notwehr aus.“
„Das ist falsch!“
„Ja, dass ist es“, stimmte Gloria zu und kniete sich vor die Elfe. „Aber deine Mutter wusste das und ich will dich nicht auch noch verlieren.“ Sie legte die Arme um die Elfe und zog sie an sich. Die Magie schmerzte sehr, doch Gloria hatte dank ihrer Bekanntschaft mit dem Folterfluch einen neuen Maßstab erlernt und ertrug es. „Du und die anderen Elfen, ihr seid meine Familie und niemanden sonst als dir, kann ich meinen Sohn anvertrauen. Ich verdanke mir dein Leben und deshalb werde ich nicht zulassen, dass du deines weg wirfst.“
„Bitte verlangen Sie das nicht von mir“, weinte die Elfe und Gloria spürte wie die Elfenmagie erlosch.
„Ich will, dass du die unschuldige, loyale und liebenswerte Elfe bleibst, die du immer warst, Lucy. Ich bin das schon lange nicht mehr.“
Ohne die Elfe loszulassen, drehte Gloria sich halb um und mit einer peitschenden Bewegung ihres Zauberstabes, riss sie den schwebenden Todesser die Kehle auf.
„Dies ist mein Geschenk an dich“, flüsterte sie der Elfe ins Ohr, dann sah sie mitleidlos zu, wie das Leben aus dem Mann ran.