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So, Kap 27 ist nun Online. Kurz, knackig und danach geht es mit Gloria weiter.
P.S.: Danke an die Korrekturleserin für die fixe Arbeit. ***********************************************************************
- Kapitel 27 - [noch kein Kapitelname]
Toireasa starrte auf ihren Prüfungsbogen. Geschichte der Zauberei. Nach Kräuterkunde heute Vormittag schon die zweite Hassprüfung an nur einem Tag. Sie seufzte frustriert beim Anblick der vielen freien Flächen zwischen den Fragen. Ihre Antworten füllten nicht mal ein Zehntel des verfügbaren Platzes. Sie glaubte nicht, dass es daran lag, dass Professor Binns besonders viel Freiraum für Fehler gelassen hatte. Nein, es lag ganz sicher an einem einhundertprozentigen Desinteresse auf Toireasas Seite. Außerdem war Geschichte der Zauberei das Fach, bei dem das Fehlen Tarsuinns besonders auffiel und damit wieder die Schuldgefühle weckte, die Toireasa begleiteten. Aber die hatte sie sich selbst zuzuschreiben. Zum einen hatte sie auf Winona gehört und fast niemandem von ihrer Stiefmutter erzählt. Aber das Mädchen hatte durchaus Recht gehabt, sie brachten Rica in Gefahr, wenn sie es ihren Familien erzählten. Die Offenheit ihrer Stiefmutter konnte eigentlich nur bedeuten, dass sie sich abgesichert hatte. Und irgendwie zweifelte Toireasa keine Sekunde mehr daran, dass Pádraigín Rica spurlos entsorgen würde, falls die Holts, Darkclouds oder gar Auroren davon erfuhren. Nein, Toireasa hatte sich entschlossen ihrer Stiefmutter die Axt Riesentod zu geben und deren Spiel da mitzuspielen. Na ja, nicht ganz. Tante Glenn wusste auch Bescheid und hatte Winona für ihre Besonnenheit gelobt. Danach hatte die Frau sich von Toireasa eine Zeichnung vom Haus der Davians machen lassen und war losgezogen, um sich den Inhalt heimlich anzusehen. Leider ohne eine Spur von Rica zu finden. Auch bei den Freunden ihrer Stiefmutter, an die sich Toireasa erinnerte, war nichts zu finden gewesen. Nachdem auch diese schwache Hoffnung starb, schrieb sie ihrer Stiefmutter, dass sie gern ihre Beziehung normalisieren würde, aber leider der Schlüssel zu dem Herzen fehle. Ein wenig verklausuliert, aber die Botschaft war angekommen. Gestern hatte Toireasa einen kleinen kristallenen Schlüssel erhalten, zusammen mit einer Anleitung, wie man damit den Kristall in Gringotts knacken konnte. Letzte Nacht war sie damit bei Tante Glenn gewesen und die hatte bestätigt, dass es funktionieren würde – und dass jemand einen Haufen Gold investiert hatte. So ein Nachschlüssel war ziemlich kompliziert, weil er ja einen Kristall auflösen sollte, für den er gar nicht gedacht war. Nun ja, Toireasa trug das gute Stück nun an einem Lederbändchen um den Hals und zitterte den Ferien entgegen. Doch das war alles halb so schlimm. Was Toireasa wirklich beschäftigte, und weshalb sie sich schämte in einen Spiegel zu schauen, befand sich in ihrer Kiste ganz unten und nannte sich Traumteiler-Trank. Sie hatte niemandem etwas davon erzählt. Selbst Keyx nicht, obwohl der es gar nicht verraten konnte. Egal, was Risteárd gesagt hatte, sie wusste instinktiv, wer als Einzige mit diesem Trank erfolgreich sein konnte – und dabei fürchtete Toireasa, sie würde darüber ihren Verstand verlieren. Sie hatte nicht Tarsuinns mentale Stabilität und nicht einmal ansatzweise seine Willensstärke. Was, wenn der Narr zu ihr wechselte? Lüg dich doch nicht selbst an, fuhr ihr Verstand sie an. Du hast Schiss und hoffst die ganze Zeit, Rica würde es richten, sobald sie wieder da ist. Ein Flüstern, ein Kuss und Abrakadabra Tarsuinn wacht auf wie die Prinzessin im Märchen. Schwach Mädchen, ganz schwach für eine Freundin, die ihm so viel verdankt. „Die Zeit ist um“, verkündete Professor Binns und Toireasa zuckte zusammen, als hätte er ihre Gedanken gelesen. Betreten schaute sie auf ihre Arbeit und wappnete sich schon mal für das S oder T, welches bestimmt kommen würde. Sie gab ihren Test ab und ging nach draußen, wo sie sofort von Winona und anderen Schülern abgefangen wurde. Jeder fragte jeden, was er bei dieser oder jener Frage geschrieben hatte. „Wie ist es bei dir gelaufen?“, fragte William, der anscheinend im allgemeinen Gewusel für einen Moment vergessen hatte, von Ravenclaws Abstand zu halten. „Du hast die letzte halbe Stunde nur rumgesessen. Wie hast du es geschafft, alle Fragen zu beantworten? Das war doch gar nicht machbar. Nicht mal unsere Streberqueen Briana ist fertig geworden.“ „Versagen sorgt manchmal für ein schnelles Ende“, entgegnete Toireasa monoton. „Wen interessiert schon Geschichte der Zauberei der dritten Klasse?“ „Meine Eltern und mein Feriengeld schon“, fand William. Sie wollte zuerst abfällig und gelangweilt mit der Schulter zucken, doch dann riss sie sich zusammen. Echte, wenn auch lose, Freunde waren in Slytherin selten. Denen sollte man nicht vor den Kopf stoßen. „Du musst deinen Eltern nur klar machen, dass ein A in Geschichte ungewöhnlich gut ist und sie fragen, ob sie dir mal ihre Zeugnisse zeigen, und schon bekommst du einen Bonus.“ „Kann ich leider nicht. Mein Mum ist Geschichtsprofessorin und mein Dad Bibliothekar in der Großen Zaubereibibliothek. Glaub mir, deren Vorträge sind meist noch langweiliger als die von Binns.“ „Das erklärt, warum du so langweilig bist“, stolzierte Regina gerade vorbei. „Und warum dein Umgang genauso ist.“ Toireasa schaute ihr genervt hinterher. Es war ihr aufgefallen, dass, egal was sie in letzter Zeit tat oder mit wem sie reden wollte, immer irgendwer von den Fantastischen Fünf in ihrer Nähe war. Kam sie aus dem Krankenflügel, ging gerade Vivian vorbei. War sie in der Eulerei, war Riolet schon da. Stand sie zweifelnd vor Filius Büro, entdeckte sie Regina an einer Ecke unweit entfernt und sah sie ganz langsam und bedeutungsvoll den Kopf schütteln. Ansonsten taten sie nichts. Toireasa wurde kaum gehänselt und auch ihre Freunde hatten größtenteils ihre Ruhe. Dafür aber entwickelte Toireasa ein gehöriges Maß an Paranoia. Sie ertappte sich immer häufiger dabei, wie sie um Ecken lugte, erst an einer Tür lauschte, bevor sie eintrat, und auch schon mal einen kleinen Fluch durch ein Schlüsselloch schickte. Das nervte und zeigte aber auch, dass Regina doch für ihre Mutter die Handlangerin spielte – egal, was sie behauptet hatte. Doch Toireasa musste das ja nicht mehr lange ertragen. „Kommst du dann bei der letzten Aufgabe zu uns rüber?“, riss William sie aus ihren Gedanken. „Wir wollen Cedric anfeuern.“ „Du weißt, dass ich das nicht kann.“ „Du wirst deine Ruhe haben. Malfoy, Regina und die andere Eliten wollen Krum anfeuern. Was ich persönlich als Verrat an der Schule ansehe.“ „Krum ist ein toller Sucher und eine Berühmtheit“, schränkte Toireasa ein. „Aber natürlich bin ich auch für Cedric.“ „Na, dann passt es doch“, drängte William. „Wir werden mehr oder weniger der harte Kern der Lerngruppe sein – du könntest also Winona mitbringen.“ Es war ein gewisser Ton im letzten Halbsatz, der Toireasa stutzen ließ. Diese Mischung aus Hoffnung und möglichst desinteressiert klingen wollen… „Es geht dir eigentlich um Winona, oder?“, platzte es aus ihr heraus. „Nein, überhaupt nicht!“, widersprach William heftig und wurde hochrot. „Und könntest du bitte solche Unterstellungen weniger laut herumposaunen!?“ „Ich bezweifle, dass du dir Hoffnungen machen solltest“, ignorierte Toireasa seine Lüge, sprach jedoch ein wenig leiser. „Zum einen ist der Zeitpunkt bescheiden und zum anderen muss ich dich daran erinnern, dass du ein Slytherin bist.“ „Aber sie ist doch wieder frei, nicht wahr?“ „Vielleicht“, verzog Toireasa das Gesicht. „Na ja, irgendwie schon. Ich glaub nur nicht, dass sie über Merton schon hinweg ist.“ „Ich könnte ihr dabei helfen“, meinte William und der Blick, den er dabei der Ravenclaw zuwarf, welche gerade mit Alec und Cassandra schwatzte, wanderte nicht nur über ihr Gesicht. Langsam glaubte Toireasa ernsthaft, dass die gesamte Welt verrückt wurde. Überall wurde gekichert, geschaut, geschmachtet oder geheult – ihr ging das so was von auf den Keks. Als ob das der Mittelpunkt des gesamten Lebens wäre. Wenn sich jetzt auch noch Slytherins in Ravenclaws verknallten… Genau wie es bei deinen Eltern gewesen ist, merkte eine innere Stimme an. „Das waren andere Zeiten“, sagte sie aus Versehen laut. „Was?“ William, der anscheinend mit ihr gesprochen hatte, starrte sie seltsam an. „Was hat das damit zu tun?“ „Tut mir leid, was hast du gesagt?“, murmelte Toireasa. „Ich hab dich gefragt, ob sie Blumen mag.“ „Ach… ich hab keine Ahnung“, gestand Toireasa. „Ich weiß nur, dass sie Schokofrösche mag.“ Was für ein toller Tipp, lästerte die Stimme wieder. Du hast keine Ahnung, oder? „Ähem, ich muss weg. Danke für… Bitte sag ihr nichts.“ William wandte sich hastig zum Gehen, was anscheinend daran lag, dass Winona gerade auf Toireasa zusteuerte. „Na, der hat wohl plötzlich Angst mit mir gesehen zu werden?“, sagte Winona ein wenig gehässig und schaute dem Jungen abfällig hinterher. „Völlig daneben“, schüttelte Toireasa emotionslos den Kopf. „Er hat mich gerade gefragt, wie er dir näher kommen kann.“ „Oh man! Der auch?“, stöhnte Winona. „Auch?“, runzelte Toireasa die Stirn. „Hast du es nicht mitbekommen? Dein Bruder Aidan hat erzählt, ich wäre leicht zu haben und mich mit einem nicht gerade schmeichelhaften Wort bezeichnet.“ „Hat er?“ „Ja, vorgestern. Er und Merton haben sich deshalb geprügelt und McG hat unseren Häusern dafür Punkte abgezogen. „Oh“, war der einzige Kommentar, der Toireasa dazu einfiel, doch dann kam ihr ein hoffnungsvoller Gedanke. „Bedeutet das, du bist wieder mit Merton zusammen?“ „Ganz sicher nicht“, verneinte Winona entschieden. „Welcher Idiot, glaubst du denn, hat unvorsichtigerweise jemandem erzählt, wie nah er mir kommen durfte? Soll er mal sehen, wie schnell so was die Runde macht.“ „Was er sicher nicht wollte.“ „Klar wollte er das nicht. Aber wie immer hat der Idiot nicht über die Konsequenzen nachgedacht.“ „Mmh“, machte Toireasa gedankenverloren. „Was?“ „Ich versteh nicht, warum dir jetzt deshalb alle Jungs nachlaufen.“ Für einen Moment schaute Winona Toireasa völlig verdutzt an, dann umarmte die Ravenclaw sie. „Wofür war das?“, fragte Toireasa. „Dafür, dass du wie Tarsuinn geklungen hast“, erklärte Winona, was sofort Toireasas Stimmung unter den Nullpunkt sinken ließ. „Gehen wir zu ihm?“, fragte Winona nach einigen schweigsamen Sekunden. „Ja.“ „Und nachher zum Hahnen- und ein Hühnchenkampf?“ „Vielleicht.“ „Das ist ein Ja. Wir schminken uns vorher. Ich garantiere dir, du wirst absolut süß in gelb-rot aussehen.“ Toireasa schämte sich später, dass sie diese kleine Gemeinheit nicht begriff.
Es war zu spät, als sie sich mit einem dick geschminkten Gesicht in den Gryffindor-Farben im Spiegel sah, doch wenigstens borgte Winona ihr einige ihrer Sachen, sodass sie sich hinter Ravenclaw-Kleidung verstecken konnte. Damit war es aber auch ausgeschlossen, dass sie zu William ging, denn so durfte sie kein lebender Slytherin jemals sehen. Um ganz sicher zu gehen, band sie sich wie ein Pirat ein Tuch um den Kopf. „Du siehst verwegen und fast wie ein Junge aus“, lachte Winona. „Ich glaube, ich hab meinen neuen Verehrer gefunden.“ Und ehe Toireasa es sich versah, schlang sich ein Arm um ihre Hüfte und sie wurde abgeschleppt. Das war ultrapeinlich, aber sie war irgendwie zu gleichgültig, um sich zu wehren. Selbst als Winona anfing, es ein wenig zu übertreiben, bremste sie das Mädchen nicht, sie beschloss nur Merton niemals zu sagen, wer dieser unbekannte Junge gewesen war. Seine Blicke waren alles andere als freundlich. Wenigstens waren sie so spät dran, dass nur die schlechtesten Plätze ganz hinten übrig waren und sie so aufgrund ihrer geringen Körpergröße in der Menge untergingen. Trotzdem konnte sie unterhalb der Ränge ab und an noch die Champions sehen. Sie wirkten allein, klein und sehr nervös und immer wieder schauten sie zu den riesigen Hecken des Labyrinthes, welches hinter ihnen aufragte. „Okay, nicht so bedrohlich wie Askaban“, murmelte Winona flapsig. „Aber es geht schon in die richtige Richtung.“ Es sollte vielleicht ein witziger Vergleich sein, nur erkannte Toireasa den Humor nicht. Dafür begriff sie endlich, was so witzig daran war, einen Gefängnisschlüssel eine Klippe herunterzuwerfen. Irgendwie hatte sie damals die Ironie nicht ganz zu würdigen gewusst. Soeben hatte der Sportminister eine Ansprache begonnen, um die dritte Aufgabe einzuleiten. Ringsherum tobte die Menge und auch Winona ging voll mit. Fahnen und Schals wurden geschwenkt, seltsame Laute geschrien, welche eher in die Urzeit gepasst hätten, und die eine oder andere kleine Zauberei wurde im Schutz der Menge gewirkt, obwohl das natürlich verboten war. Toireasa jedoch hörte davon kaum etwas. Das Jubeln war ein Rauschen im Hintergrund und alle Farben schienen irgendwie grau. War sie inzwischen so abgestumpft? Nein! Das Gegenteil war der Fall. Im Moment sah sie die Welt so klar, dass es ihr wehtat. Der Tod war zurück. Nicht der sanfte, der kam, wenn es an der Zeit war, sondern der, der grausam seine Sense kreisen ließ. Die Einhörner, welche Tarsuinns Seele mit ihrer Sanftheit hätten retten können, flohen gerade in die Tiefen des verbotenen Waldes. Die Dementoren befreiten ihre Ketten, um als Reiter der Apokalypse über die Welt herzufallen und Tarsuinn zu vernichten. Toireasa wusste plötzlich, dass die Dementoren den Jungen aufwecken würden – verflucht, er hatte es selbst vor einem Jahr gesagt – aber jetzt würde es ihn auch töten. Sie schaute über ein Schlachtfeld und konnte förmlich die Todesengel kreisen fühlen. Noch waren sie unentschlossen, aber bald… „Ich kann nicht glauben, dass sie es schon wieder machen!“, schimpfte Winona. „Was ist denn das für eine intensive und gründliche Vorbereitung, wenn sie Tribünen aufbauen und es dann nichts zu sehen gibt? Das ist doch für’n Arsch. Erstklässler beim Popeln zuzusehen ist spannender.“ Es war, als würde wieder Wärme in Toireasas Leben einziehen. Die klare Kälte des Todes war verschwunden, vertrieben durch Winonas loderndes Temperament und gerechtfertigte Empörung. „Aber, aber kleine Ravenclaw“, säuselte eine fröhliche, jedoch auch ein wenig hinterhältige, Stimme und zwei rotschöpfige Jungen schoben sich in Toireasas Sichtfeld. „Gelangweilt von der Show…“ „…Lust ein wenig Dampf abzulassen… „…oder mit einer Wette der Sache ein wenig Würze zu geben…“ „…Meinungsäußerungsutensilien auf höchstem Niveau… „…und Leckereien, wie man sie nur im Honigtopf kennt…“ „…beginnend schon ab einem Knut…“ „Das ist doppelt so teuer wie in Hogsmeade“, sagte Winona. Genau wie Toireasa konnte das Mädchen inzwischen sämtliche Preise aus dem Honigtopf herunterbeten, aber natürlich fiel keiner von ihnen ein, wann Krupnuk der Schäbige gelebt hatte. Heh, Krupnuk der Schäbige wäre doch die korrekte Antwort auf Frage vier gewesen, dachte Toireasa verblüfft und zuckte zusammen, als einer der beiden Weasley-Zwillinge kumpelhaft den Arm um sie legte. „Na, junger Freund. Hast da ja einen tollen Fang mit der Kleinen gemacht. Willst du ein wenig auf die Überholspur bei ihr – sag’s mit Blumen.“ Der Junge zog eine rote Rose aus seiner Tasche und wedelte damit unter ihrer Nase. „Nur einen Sickel.“ Die Schminke auf Toireasas Gesicht musste aber wirklich dick sein. In einem Anflug von Sadismus beugte sie sich schnell zu dem Weasley, sie konnte es nicht beschwören, aber sie glaubte es wäre Fred, und küsste ihn. „Aber ich bin doch eher an dir interessiert, Süßer“, sagte sie mit einer möglichst tiefen Stimme, versemmelte es aber grandios, weil sie aufgrund seiner aufsteigenden Panik lachen musste. Es war schön, den geradezu berühmten Regelbrecher ihrer Generation zu verblüffen. „Wer…?“, fragte Fred, während sein Bruder laut lachte. Er kam ein Stück näher und schaute interessiert in Toireasas Gesicht. „Du bist doch…“ Sie legte ihm ihren Zeigefinger auf die Lippen. „Willst du mich umbringen?“, flüsterte sie ihm zu. Fred schaute sie noch einen Moment an, dann grinste er breit, zauberte zwei große Zuckerstangen aus seiner Tasche und reichte sie an die Mädchen. „Echt tolle Farbkombination“, sagte Fred fast ein wenig bewundernd. „Die gehen aufs Haus. Komm, George! Lass uns woanders ein paar Geschäfte machen. Du weißt doch, vielleicht will Minister Bagman was… Wetten, Süßigkeiten, Diverses…“ Die Weasley-Zwillinge zogen ab, um ihren Geschäften nachzugehen. „Die tun ja so, als ob wir noch zwei kleine Mädchen wären“, maulte Winona, ließ sich die Zuckerstange aber trotzdem schmecken. „Mir wäre es lieber so“, murmelte Toireasa leise und zum Glück hörte Winona sie nicht, denn Jubel brannte auf. Stimmengewirr, Hektik, Panik, Schluchzen. Für einen Moment war Toireasa sich nicht sicher, ob sie wieder an der Abwesenheit von Realität litt, doch der Zustand des Unvollkommenen blieb. Sie konnte nicht viel sehen, doch sie wusste etwas Furchtbares war geschehen. Dazu musste sie nur die Gesten und Gesichter lesen. Winona neben ihr hatte die Zuckerstange fallengelassen. Ihre Augen starrten vor Schreck geweitet ins Stadioninnere. Ihre Hände verbargen den offenen Mund. … Cedric ist tot. … Der dessen… … Aber Potter lebt.
Die Stimme eines Mannes schrie ein solches Leid in den Nachthimmel, wie es körperliche Schmerzen niemals verursachen konnten. Toireasa zog die inzwischen weinende Winona an ihre Schulter und legte ihre Hände auf die Ohren des Mädchens. Sie selbst schaute über die Menge hinauf zum Nachthimmel über dem Labyrinth. Doch kein Dunkles Mal stand am Himmel und lachte hämisch auf sie herab. Sie sah, wie Professor Moody einen leicht schwankenden Harry Potter zum Schloss brachte, betrachtete die vergeblichen Versuche Dumbledores die Eltern von Cedric zu beruhigen, und erblickte einige Slytherins, die als erstes versuchten Abstand zu gewinnen. Doch schon Sekunden nach denen setzte sich der Zaubereiminister in Bewegung. Statt sich wie Dumbledore und andere um die Diggorys zu kümmern, versuchte er eindeutig schnellstmöglich die Grenzen von Hogwarts zu erreichen, ohne so auszusehen, als würde er rennen. Das führte zu einem geradezu komisch anmutenden Gang, der in Toireasas Hirn ab jetzt immer Feiglingen vorbehalten bleiben würde. Das war’s mit unserer Kindheit, sagte ihre innere Stimme traurig. „Dafür wird jemand bezahlen“, stimmte Toireasa zu und wartete geduldig darauf, dass Winona ihre Fassung wieder gewann.
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