|
- Kapitel 26 - Das Ende des Wächters
Als Tarsuinn sie anschrie, reagierte Toireasa nach einer Schrecksekunde rein instinktiv. Sie schnappte sich die sich wild wehrende Tikki und rannte los. Weit kam sie jedoch nicht. Hinter ihr brach die Hölle los und als sie sich halb umdreht, sah sie eine Feuerwand auf sich zurasen. In Panik stolperte sie, schlug sich auf den harten Stein die Knie auf und weil sie keine Chance zum Entrinnen sah, machte sie sich kniend ganz klein und schützte Tikki mit ihren Körper. Sie hörte Steine gegeneinander krachen und dann wurde es kurzzeitig dunkel um sie herum. Ein Zwinkern und sie erkannte steinerne Flügel die sie umgaben. Flammen züngelten durch jeden Spalt nach ihr, es gab keine Luft zum atmen, der Lärm war ohrenbetäubend. Dann – urplötzlich – war alles vorbei. Sauerstoff füllte Toireasas Lungen und sie wusste nicht, ob sie den Schrei nachholen sollte, der eigentlich zu so einem Moment gehörte. Rechts von ihr zerfiel langsam ein steinerner Flügel in kleine Kiesel. Der linke lag einige Meter weit entfernt im Gang. Über und hinter ihr ragte die einst mächtige Staute des Ravenclaw-Adlers auf. Doch der Stein des Körpers zerfiel langsam vor ihren Augen. Risse bildeten sich, Sand rieselte aus dem Schnabel. Toireasa hatte das Gefühl jemanden beim Sterben zuzuschauen. „Für Ravenclaw und seine Freunde“, sagte der Adler leise, dann fiel sein Kopf zu Boden und zersprang in tausend Teile. Toireasa sprang erschrocken beiseite. Langsam riss sie den Blick von dem Steinhaufen los und schaute dahin, wo einst der Adler gewacht hatte. Doch statt einem Loch in der Wand war da nur eine glatte Mauer zu sehen. Es war so unnatürlich still, dass ein harmloses Geräusch hinter ihr, sie panisch herumfahren ließ – aber es war nur der Flügel des Adlers, der immer weiter zerfiel. Trotzdem löste dies Toireasa aus ihrem Schockzustand und so zwang sie sich die Dinge wahrzunehmen, denen sie sich bisher verweigert hatte. Der Gang war vom Feuer geschwärzt, die meisten Bilder verbrannt, der Leuchter über ihr ein silberner Klumpen – und doch lag, auf einem surreal hellen Fleck, Tarsuinn. Nichts an ihm ließ vermuten, dass hier eben ein Inferno getobt hatte. Wie im Trance wollte sie Tikki auf den Boden lassen damit sie zu dem Jungen laufen konnte und erst in diesem Moment bemerkte sie, dass das kleine Wesen völlig schlaff in ihren Armen hing. Langsam trat sie näher. Ihr war bewusst, dass sie eben den Tod in der Gestalt ihres besten Freundes begegnet war und dementsprechend groß war ihre Angst. Vorsichtig wollte sie sich hinknien, doch ihre blutenden Knie taten zu weh, so dass sie sich neben ihn setzen musste. Dann drehte sie Tarsuinn auf den Rücken. Jede Farbe war aus seinem Gesicht gewichen, doch er atmete noch. Ein Teil von Toireasa war froh, dass er nicht wach war. Wer konnte wissen was er tat, wenn er Tikki für wirklich tot hielt...? Sie legte ihm die schlaffe Tikki auf den Bauch in der Hoffnung, dass Tarsuinn der vertraute Kontakt half. Doch nichts geschah. Dafür hörte sie gedämpftes Hämmern an der Wand hinter der die Ravenclaw-Gemeinschaftsräume lagen. „Niemand sollte das hier sehen!“, murmelte Toireasa bei sich. Sie mochte zwar keine Haushaltszauber doch da diese zur Zauberkunst zählten, war sie ohne eigenen Verdienst nicht übel darin. Den Ruß und den Sand hatte sie innerhalb von Sekunden beseitigt. Die Überreste der Bilder ließ sie in einen Seitengang schweben. Sollte sich doch Filch darum kümmern. Den Kronleuchter gab sie so ungefähr seine Form zurück – wer achtete schon auf so was. Und zum Schluss besorgte sie sich aus dem Treppenhaus per Aufrufungszauber ein paar intakte Bilder. Das alles dauert kaum eine Minute und ein seltsamer Teil von ihr war stolz auf Toireasas Fähigkeiten. Ein sorgfältig gesprochener Schwebezauber und Tarsuinn schwebten samt Tikki vor ihr in Richtung Krankenflügel. Madame Pomfrey würde sicher nicht erfreut sein. Nein, ganz und gar nicht. Immer wieder prüfte Toireasa auf dem Weg, ob ihre beiden Freunde noch am Leben waren, während sie krampfhaft versuchte sämtlichen Kontakt zu anderen Personen im Schloss zu meiden. Das hatte zur Folge, dass sie alles andere als den direkten Weg zu ihrem Ziel nahm. Zumindest hatte sie Zeit sich zu überlegen, was sie überhaupt Madame Pomfrey erzählen wollte, dass nicht sofort nach Lüge roch. Es war das gemeine Schicksal, welches ihr das Problem abnahm. Gerade als sie unschlüssig die Tür öffnete... „Das war ganz sicher kein Diener des Dunklen Lords“, wehte die Stimme Professor Snapes wie ein kalter Windhauch an ihr Ohr. „Niemand interessiert sich für Muggel!“ „Sie, als Todesser, müssen es ja...“ In diesem Moment wurde Toireasa bemerkt und da sie heute sowieso nur aufgrund glücklicher Umstände lebte... „Was ist hier los!“, forderte sie in einem Ton zu wissen, der normalerweise Eltern und Lehrer vorbehalten war, die zu früh nach Hause kamen und die explizit verbotenen Party ihre Sprösslinge sprengten. Trotzdem fühlte Toireasa, dass sie ein Recht auf diese Frage hatte – auch wenn da neben ihr ein lebloser Tarsuinn und eine Tikki in der Luft schwebten. Schließlich standen Professor Dumbledore und Professor Snape vor einem sitzenden Medir, den Madame Pomfrey gerade eine übel aussehende Kopfverletzung verarztete. Die Reaktionen der drei Männer waren höchst unterschiedlich. Während Medir, der sich gerade mit Snape gestritten hatte, halb verlegen den Blick senkte, fixierte ihr Hauslehrer sofort Toireasa. Bei Professor Dumbledore hingegen sah sie für einen Moment Belustigung über ihren Auftritt, welche jedoch fast augenblicklich von der Sorge um Tarsuinn vertrieben wurde. „Und?!“, konnte es sich Toireasa nicht verkneifen. Was wieder keine scharfe Antwort provozierte – auch wenn Snape gerade tief Luft holte. Medir jedoch wischte Madame Pomfrey helfende Hände beiseite, sprang auf und eilte zu Tarsuinn. „Leg ihn dort aufs Bett!“, bat er Toireasa. „Wo ist er verletzt? War es ein Fluch?“ Ein wenig war Toireasa enttäuscht, dass ihre Frage und ihr freches Auftreten so vollständig ignoriert wurden, doch sie sah natürlich ein, dass Tarsuinn viel wichtiger war. Trotzdem war ihr klar, dass die Erwachsenen gerade etwas sehr Schlimmes besprochen hatten. Jedes geistig halbwegs entwickelte Zauberkind wusste das, wenn Erwachsene von Todessern sprachen. „Soweit ich weiß war es kein Fluch“, beantwortete sie Medirs Frage und legte Tarsuinn durch eine langsame Bewegung ihres Zauberstabes aufs Bett. „Ich denke, er ist von selbst umgekippt.“ „Einfach so?“, zweifelte Professor Snape und trat hinzu. „Naja“, gab Toireasa in einem möglichst unbeschwerten Ton zu. „Ravenclaw braucht einen neuen Türwächter und ein paar Bilder viel Pflege.“ Die Untertreibung des Jahres, wie sie selbst fand. „Aber sonst ist nicht viel passiert.“ Gefolgt von der Lüge des Jahres. Möglichst unschuldig schaute sie dabei ihren Hauslehrer an. Es mochte ja vielleicht wirklich sein, dass Snape Tarsuinn in Hogwarts behalten wollte, aber sie hatte kein Recht ihren Freund darauf zu wetten. Ob Snape ihr nun glaubte oder nicht, er sagte nichts weiter dazu. Stattdessen starrte der Mann nachdenklich auf den Jungen hinab. Es vergingen gute fünf Sekunden, dann hob er wieder seinen Blick und richtete ihn auf Dumbledore. „Ich denke, die Sache könnte doch meine Aufmerksamkeit wert sein, Direktor“, sagte er mit nur einem Hauch seiner üblichen Arroganz. „Ich werde noch heute ein paar Nachforschungen anstellen. Wenn Sie mich bitte entschuldigen würden...“ „Natürlich, Professor Snape“, entgegnete der bisher stille Direktor. „Wenn Sie bitte vorher Professor Flitwick ins Bild setzen könnten.“ Snape nickte knapp und verließ dann mit zügigen Schritten den Krankenflügel. Toireasa fiel dabei ein Blick Medirs auf, der voller Verachtung für den Meister der Zaubertränke war. Doch das war nur ein kurzer Moment und dann kümmerte er sich wieder um Tarsuinn. Es sah so aus, als würde er dafür noch eine ganze Weile brauchen. „Professor?“, bat Toireasa diesmal ein ganzes Stück höflicher, aber trotzdem mit viel Nachdruck. „Warum ist Medir hier? Warum ist er verletzt und was war da mit den Todessern?“ „Alles berechtigte Fragen“, antwortete Professor Dumbledore freundlich. „Doch alles auch Fragen, die besser in meinem Büro besprochen werden sollten. Sind Sie einverstanden, Heiler Cutter?“ „Ich würde lieber Tarsuinn weiter untersuchen“, sagte Ricas Lebensgefährte und war dabei so auf seinen Patienten fixiert, dass es fast wirkte, als würde er gar nicht in der normalen Welt existieren. „Wenn Sie das übernehmen könnten?“ „Natürlich“, erwiderte der Direktor und für einen kurzen Moment glaubte Toireasa in seinen Augen diesen Warum-immer-ich-Blick zu sehen, der eigentlich zu Schülern gehörte. „Komm, Toireasa. Gehen wir in mein Büro. Es sei denn, dir ist noch etwas eingefallen, was Heiler Cutter wissen müsste?!“ „Ähem“, war Toireasa ein wenig verlegen. Im Grunde wollte sie verheimlichen was passiert war, auf der anderen Seite aber war dies vielleicht wichtig in Bezug auf Tarsuinns Zustand. Es war extrem seltsam, aber es gewann der Wunsch es vor Medir und Madame Pomfrey zu verbergen. „Nein“, sagte sie deshalb, obwohl dies gegen ihre Natur war. Was, wenn Medir dadurch Tarsuinn nicht wecken konnte? Doch sie wollte sich ihre Zweifel nicht anmerken lassen. Deshalb ging sie dem Direktor voraus. So konnte Medir nicht sehen, wie rot sie geworden war. Als sie Minuten später die Tür zu Dumbledores Büro erreichte, ließ sie dem großen Mann höflich den Vortritt in seine eigenen Hallen. Der öffnete ohne Umschweife die Tür. „Glauben Sie mir, Professor Dumbledore, wir haben nichts gema…“, sprudelte ihnen eine aufgeregte Winona entgegen, nur um sofort zu verstummen, als sie Toireasa sah. „Sie hat nichts damit zu tun!“ „Wir klären später irgendwann, was du nicht getan hast, zu dem Toireasa dir nicht geholfen hat“, sagte Dumbledore und hob beschwichtigend die Hände. „Zunächst gibt es Wichtigeres zu klären. Setzt euch.“ Der Direktor ging in den Raum hinein und setzte sich hinter seinen Schreibtisch. Wie immer sah er so extrem Respekt einflössend aus, da konnte selbst sein freundliches Gesicht nicht helfen. Winona warf Toireasa einen fragenden Blick zu, woraufhin sie jedoch nur mit den Achseln zucken konnte. Dann setzten sie sich Dumbledore gegenüber. Toireasa wollte gleich ihre Fragen noch einmal stellen, doch der Mann ließ sie mit einem Wink seiner Hand verstummen – ohne dass er dazu Magie gebrauchte. „Bevor ich euch sage weshalb ihr hier seid, möchte ich nur das ihr wisst, dass es der Wunsch eurer Eltern, beziehungsweise Großeltern…“, Dumbledore nickte in Toireasas Richtung, „…ist, dass ihr hier in Hogwarts bleibt und normal am Schulunterricht teilnehmt – und jetzt da Tarsuinn sicherlich eure Hilfe braucht, hoffe ich, dass ihr dem auch Folgen leistet, ohne das Vorsichtsmaßnahmen notwendig sind.“ „Was ist mit…?“, war Winona verwundert und schaute geradezu vorwurfsvoll zu Toireasa hin. „Alles zu seiner Zeit“, unterbrach Dumbledore. „Zunächst müsst ihr folgendes wissen, Rica McNamara wurde entführt.“ „Was!“, Winona war vom Stuhl aufgesprungen. „Das kann doch nicht sein! Was ist mit den anderen? Waren meine Eltern dabei? Wer war es?“ Toireasa nahm es irgendwie ruhiger hin. Sie war ja auch schon vorgewarnt gewesen. Sie war sich sicher, wäre jemand getötet wurden, dann hätte sie das vorhin in Medirs Gesicht erkannt. Stattdessen wunderte sie sich über diesen seltsamen Vorfall. Rica wurde entführt und Tarsuinn brach zusammen. Sie glaubte schon seit einer ganzen Weile nicht mehr an Zufälle. „Nun, laut Professor Lupin, der aufgrund einer Einladung vorbeikam, sah er Gestalten mit Todesser-Masken und ihre typischen Unhänge davonlaufen. Aber ich glaube nicht, dass es auch welche waren.“ „Das sagte auch Professor Snape“, warf Toireasa ein. „Warum glauben Sie das? Was ist daran so abwegig?“ „Möglich, vielleicht“, gab Professor Dumbledore zu. „Aber sehr unwahrscheinlich. Kein Todesser wäre so dumm.“ „Zur WM hat die das nicht gestört!“, sagte Winona energisch. „Denen ist alles zuzutrauen!“ „Denkst du das ehrlich?“, erkundigte sich der Professor fast geflüstert und nahm allein durch den Ton Winona den Wind aus den Segeln. „Denkst du, man kann das wirklich vergleichen?“ „Nein“, gab das Mädchen zu, behielt aber ihre Wut. Es war eindeutig, dass sie einen Schuldigen wollte. „Wenn es wirklich Todesser gewesen wären, dann wäre niemand am Leben geblieben um davon zu berichten“, sagte Toireasa und ihre Stimme klang selbst für ihre Ohren unnatürlich beherrscht. „Sah es so als, als wollten sie gesehen werden, Professor?“ „Genau das vermutete Professor Lupin“, nickte Dumbledore. „Er meinte, selbst bei seinem Ruf wäre es doch eher unwahrscheinlich, dass drei Todesser vor ihm fliehen.“ „Und wie geht es den anderen?“ „Gut. Soweit es mir erzählt wurde, schaffte es nur Heiler Cutter sich zu wehren und wurde dementsprechend schwer verletzt. Mr und Mrs McAllister geht es besser, auch wenn die Lähmung wohl erst in ein paar Stunden nachlassen wird. Von euren Verwandten war niemand da. Natürlich sind sie jetzt alle auf der Suche, nach Tarsuinns Schwester.“ „Zusammen mit dem Ministerium werden sie Rica sicher schnell finden“, schien Winona plötzlich zuversichtlich. „Meine Eltern sind richtig gut darin.“ „Das sind sie sicher“, schüttelte Professor Dumbledore den Kopf. „Aber das Ministerium wird wohl offiziell eher wenig unternehmen. Man hat sich als nicht zuständig erklärt.“ „Das ist doch Bockmist!“, fluchte Winona und ließ ihrer Empörung freien Lauf. „Welcher hirnverbrannte, evolutionstechnisch-benachteiligte Bürokratenarsch würde das nicht für eine Zaubererschweinerei halten? Rica gehört zu uns. Nur weil sie nicht zaubern kann, ist das noch lange kein Grund…“ Winona musste tief Luft holen. „Also suchen nur Winonas Eltern, meine Großeltern, Professor Snape und Filius?“, fragte Toireasa. „Die McAllisters sicher auch, sobald sie wieder fit sind. Doch sie werden nicht die einzigen sein. Rica McNamara hat einen selbst für mich unerwartet großen Fanclub unter den Auroren. Auch an höheren Stellen. Aber leider betonen alle, dass sie nur inoffiziell helfen könne oder möchten.“ „Warum?“, war Winona frustriert. „Warum ist es inzwischen ein Verbrechen anderen Menschen zu helfen?“ „So ist es nicht“, sagte Professor Dumbledore. „Es ist einfach ein ungemütliches Klima im Ministerium.“ „So?“, wurde Winona wieder laute. „Also ich hab keine Angst und das Ministerium kann mich mal. Ich werde eine Welle machen. Ich werde dem Minister auf den Füßen herumtanzen…“ Toireasa sah sich genötigt einzugreifen. Sie stand auf und legte behutsam ihre Hand auf Winonas Schulter. „Wir brauchen keine Aufmerksamkeit“, sagte Toireasa eindringlich und sah dann den Direktor ernst an. „Ich werde jetzt erzählen, was wirklich mit Tarsuinn passiert ist und dann denke ich, sind wir alt genug, dass auch Sie uns die Wahrheit sagen.“ „Warum denkst du das?“, fragte Professor Dumbledore. „Ganz einfach, Professor.“ Toireasa unterdrückte den Impuls wie Winona ein wenig Frust abzubauen. „Was bringt es, wenn Sie uns wie Kinder behandeln, wenn dem Rest der Welt völlig egal ist, wie alt wir sind? Die scheren sich einen Dreck darum, Professor. Denken Sie nur daran, was die Tarsuinn schon alles angetan haben!“ Toireasa sah, dass ihre Worte etwas in Dumbledore berührten und seine Gedanken für einen Moment abschweiften. Um ein wenig seine Unaufmerksamkeit auszunutzen, begann sie nach einer kurzen Pause einfach mit ihrer Geschichte des Tages. Sie ignorierte dabei den vorwurfsvollen Blick Winonas, genau wie die nach einer Weile hochgezogenen Augenbrauen des Professors. Sie erzählte alles – was sie für wichtig hielt. Tarsuinn zuliebe erwähnte sie Snape nicht und auch wer ihnen den Kamin zum Reisen überlassen hatte. Am Ende äußerte sie sogar eine schmerzhafte Vermutung. „Das glaube ich nicht!“, kommentierte Winona empört. „Ich hab nur die Möglichkeit erwähnt“, erwiderte Toireasa ruhig. „Es muss nicht so gewesen sein.“ „Und wie kommst du darauf, dass Tarsuinn dich töten wollte“, erkundigte sich Professor Dumbledore ruhig. „Professor!“, war Winona entsetzt, „Sie können dies doch nicht ernsthaft in Erwägung ziehen.“ „Es spielt keine Rolle, was ich gern glauben möchte“, erwiderte Dumbledore eindringlich. „Aber ich bin mir sehr sicher, dass gerade Toireasa einen solchen Verdacht nicht leichtfertig äußert, nicht wahr?“ „Aber Tarsuinn hat Toireasa doch angeschrien sie soll weglaufen. Hat Toireasa selbst erzählt!“, klammerte sich Winona an ihre Überzeugung. Toireasa schüttelte traurig den Kopf. „Das Feuer war auf mich gezielt“, sagte sie noch einmal. „Alles was zwischen uns und um mich herum war, hat richtig was abbekommen. Da fällt mir ein – die Ravenclaws kommen im Moment mangels Tür nicht auf den üblichen Weg aus ihrem Turm raus.“ Professor Dumbledore ignorierte ihre letzte Bemerkung. „Du denkst, Tarsuinn hat die Kontrolle für einen kurzen Moment verloren, oder?“, forschte er weiter. „Ja“, nickte Toireasa. „Und ich wette, es war ungefähr in dem Moment, als Rica entführt wurde.“ „Das ist unmöglich!“, meinte Winona entschieden. „Rica war in London. Man kann doch keinen Fluch über sie zu Tarsuinn schicken. Nicht wahr, Professor? Nicht wahr!?“ „Mit Magie ist vieles möglich, aber ich muss zugeben, diese Möglichkeit wäre mir neu. Aber an einen Zufall glaube ich auch nicht. Ich halte es für durchaus möglich, dass jemand während eures kleinen Ausflugs einen zeitverzögerten Fluch auf Tarsuinn gesprochen hat. Vielleicht fürchtete man, er könnte Fähigkeiten besitzen, die ihn zu seiner Schwester führen könnten.“ „Dann waren es sicher die Inder“, vermutete Winona. „Die haben seit dem Sommer einen heiden Respekt vor Tarsuinn. Die Familie von dieser Marl Boro… Professor! Wir müssen dahin und helfen. Wir haben schon einmal gegen die gekämpft und uns nicht schlecht dabei geschlagen!“ „Es ist der Wunsch eurer Familien, dass ihr hier bleibt“, stellte Professor Dumbledore entschieden fest. „Jetzt mehr denn je!“ „Aber wir können helfen… und kämpfen wenn es sein muss.“ „Dein Mut und deine Fähigkeiten in allen Ehren“, tadelte Dumbledore, auch wenn es bei ihm nicht nach einer dahingesagten Floskel klang. „Aber dafür fehlen dir noch ein paar Jahre intensives Lernen und Erfahrung. Außerdem geht es im Moment darum, Miss McNamara zu finden und das können vor allem deine Eltern besser als andere – wenn sie ihr Kind in Sicherheit wissen.“ „Und es gibt noch andere Gründe“, murmelte Toireasa leise, aber deutlich für alle hörbar. „Sie haben Angst, dass Sie sich doch irren könnten und es wirklich Todesser waren, nicht wahr? Sie fürchten, dass er…“, ihr stockte der Atem bei dem Gedanken an diese Ungeheuerlichkeit. „Wir haben einen Seher darüber sprechen hören. Kehrt er wirklich zurück?“ „Ja.“ Die Antwort war einfach. Grausam einfach und sie entsprach dem was der Professor wirklich glaubte. Toireasa konnte dies in seinen Augen sehen, mit denen er sie prüfend fixierte. Ihr wurde kotzübel. Sie riss sich jedoch zusammen, löste die Augen von Dumbledore und erblickte dafür eine ebenso geschockte Winona. „Was werden Sie dagegen unternehmen?“, fragte Toireasa und wunderte sich wie ruhig ihre Stimme klang. „Alles was in meiner Macht steht“, entgegnete Professor Dumbledore und es klang wie ein Versprechen – nein, eher sogar wie ein Schwur. „Unsere Familien wissen und glauben das auch?“ „Lass es mich mit den Worten deines Großvaters ausdrücken: Wir wollen es nicht glauben, aber wir wollen verdammt sein, wenn wir uns noch einmal mit heruntergelassenen Hosen erwischen lassen würden.“ „Ja, Samuel weiß sich auszudrücken“, lächelte Toireasa schwach. „Oh nein, dies waren Erans Worte. Was Samuel gesagt hat, würde ich niemals in Gegenwart von Kindern wiederholen. Wenn ich mir es recht überlege, würde ich es niemals wiederholen.“ „Das klingt wirklich nach Sam“, bestätigte Winona und auch sie konnte nun ein wenig lächeln. „Dann ist es sicher das Beste, wenn wir hierbleiben und keinen Ärger machen, Winona“, stellte Toireasa fest. „Sprich nur für dich!“, widersprach Winona. „Ich werde mir sämtliche Optionen offen halten.“ „Und so dafür sorgen, dass deine Eltern nicht ihre ganze Kraft darauf verwenden können nach Rica zu suchen“, versuchte es Toireasa mit Vernunft. „Denkst du sie lassen uns wirklich helfen? Nein! Die sperren uns ins Haus ein und einer würde immer in unserer Nähe bleiben, damit wir nicht ausbüchsen. Und wenn wir auf eigene Faust losziehen, dann werden sie zuerst uns suchen, statt Rica.“ „Auf welcher Seite bist du eigentlich?“, murrte Winona. „Es mag frustrierend sein“, fügte Professor Dumbledore freundlich hinzu. „Vorallem für dich, Winona. Aber Toireasa hat die Situation recht gut erfasst. Ihr könnt am besten helfen, wenn eure Familien euch in Sicherheit wissen. Kann ich also darauf vertrauen, dass ihr beide Hogwarts bis zum Ende des Schuljahres nicht mehr verlasst?“ „Ja“, versicherten die Mädchen. Toireasa sofort, Winona ein klein wenig widerstrebend. „Und jetzt bitte so, dass ich deine Hände sehen kann, Winona!“, bat der Direktor mit einem Lächeln. „Ich hab doch gar nicht…“, behauptete Winona und entwirrte ihre Finger demonstrativ erst, als sie auf dem Schreibtisch lagen. „Also schön. Ich bleib in Hogwarts – aber nur bis zum Ferienbeginn und wenn man bis dahin Rica nicht gefunden habe, dann – da geben ich ihnen auch mein Wort – werde ich Himmel, Hölle und das Ministerium in Bewegung setzen und sie finden. Egal wer mir das verbietet und wer mir hilft.“ Dabei schaute sie ganz eindeutig und fast drohend Toireasa an.
Man konnte einiges über Winona und ihr Temperament sagen, aber ganz sicher nicht, dass sie nachtragend oder uneinsichtig wäre. Nachdem sie einige Tage lang nur das Nötigste mit Toireasa besprochen hatte, war alles wieder wie immer. Oft saßen sie nun beisammen und schmiedeten Pläne, doch da sie kaum etwas davon umsetzten konnten, zogen sich die Tage nur quälend langsam dahin. Sehr viel Zeit davon verbrachten sie davon bei Tarsuinn im Krankenflügel. „Schon eine Veränderung“, fragte Winona, die aufgrund ihres Stundenplans eine Stunde später dazukam. Das war die Standardfrage von demjenigen von ihnen, der als zweites ankam. Da inzwischen die Osterferien vorbei waren, hatten sie die Frage schon viele Male gestellt. Tarsuinn lag in einer bruchfesten Extrakammer in seinem Bett. Toireasa hatte seine Hand massiert und legte diese nun. Es war eigentlich unnötig, dass sie das tat, denn Madame Pomfrey kümmert sich sehr intensiv um den Jungen. Und auch Medir und andere Heiler hatten schon vorbeigeschaut. Doch alle waren nur mit einem verwunderten Kopfschütteln wieder abgezogen. Niemand konnte einen vernünftigen Grund für Tarsuinns Zustand finden. „Nichts!“, schüttelte Toireasa den Kopf. „Was neues von deinen Eltern?“ „Nur das Übliche. Wir sind dran. Macht euch keine Sorgen. Macht keinen Ärger. Habt Geduld!“ Winona setzte sich still auf die andere Seite des Bettes. „Hast du schon das Neueste gehört, Tarsuinn?“, tat Toireasa wie immer so, als würde er sie hören. „Sie werden die dritte Aufgabe in einem Irrgarten machen, den sie auf dem Quidditchfeld gerade wachsen lassen. Ich wette, der einzige, der dann wissen wird was darin vorgeht, wirst du sein. Wir haben deshalb sogar mit Professor Moody gesprochen und wie doof das für die Zuschauer ist, aber er meinte nur, dass, wenn man von außen hineinsehen könnte, würden sich alle Champions nur darauf konzentrieren, wie man betrügen könnte, statt sich auf ihre Aufgabe vorzubereiten. Natürlich musste Merton anmerken, dass damit der Professor der Einzige mit der Lizenz zum Schummeln wäre, was ihn den Rest der Stunde einen richtig ekligen und sicher sehr juckenden Ausschlag eingebracht hat, den er Aufgrund gelähmter Finger auch nicht kratzen konnte. Ich hab Moody noch nie so wütend gesehen. Den hat die indirekte Unterstellung anscheinend richtig getroffen. Naja – zumindest hat er den Fluch am Ende der Stunde zurückgenommen. Ansonsten ist nicht so viel passiert. Die Lehrer nerven immer mehr mit den Prüfungen und der gesamte Durchschnitt aller Klassen in Geschichte ist abgesackt seit du dich vor der Verantwortung drückst uns mit lesbaren Lernstoff und Hausaufgaben zu versorgen. Sogar einige andere Slytherins vermissen dich deshalb und die Ravenclaws sowieso. Luna scheint sich wegen dir sogar ziemlich zu grämen und man kann kaum noch mit ihr reden. Sie wird wirklich von Tag zu Tag seltsamer und das macht einigen ganz schön Angst – oder man lacht ganz offen über sie. Sie sind sogar dazu übergeben sie Loony Lovegood zu nennen und da sich Luna nicht dagegen wehrt, wird das auch immer schlimmer. Ich weiß nicht, ob du dich noch daran erinnerst, aber am Anfang hat Luna dich noch besucht, aber anscheinend kann sie es nicht ertragen dich so liegen zu sehen. Ich seh sie manchmal mit einem Bild einer Frau in der Hand weinen…“ Toireasa redete so gut wie eine Stunde so weiter, wobei sie den Klatsch der gesamten Schule verwendete und sicher auch viel von gestern wiederholte. Zum Schluss dann… „Rica ist auch noch verschwunden und sie haben wirklich überall gesucht. Tante Glenn war in Indien, einige Auroren haben ein paar Informanten ausgequetscht, bis sie wegen irgendeinem vermissten Ministers Überstunden schieben musste. Patrick und Fenella haben unbegrenzten Urlaub von den Nostow und Mohsl Privatnifflern bekommen. Meine Großeltern fordern derzeit ´nen Haufen Gefallen ein, wenn du wüsstest bei wen oder was alles. Aber all das bringt nichts! Tarsuinn…“ „Wach verflucht noch mal auf!“, schrie plötzlich Winona laut, sprang auf, packte den Jungen bei den Schultern und schüttelte ihn. „Rica braucht deine Hilfe und du liegst hier nur einfach so rum. Wehr dich endlich. Tobe, leg das halbe Schloss in Schutt und Asche, aber tu irgendwas.“ Ehe Toireasa eingreifen konnte, gab die Ravenclaw dem Jungen eine saftige Backpfeife. „Winona!“, rief Toireasa entsetzt. Das Gesicht ihrer Freundin war hochrot und wurde immer dunkler. Erschrocken ließ sie Tarsuinn los und rannte aus dem Zimmer. Toireasa stand zunächst einfach nur völlig perplex in der Gegend rum. Doch dann riss sie sich zusammen. Mit ruhigen Bewegungen zog und schob sie Tarsuinn wieder in eine möglichst bequeme Lage, legte Tikki in seine Arme und erst dann wandte sie sich zum Gehen. „Ohne dich geht einiges quer“, murmelte sie leise ihm zu, dann löschte sie das Licht und schloss die Tür von außen. Winona zu finden war nicht schwer. Nach dem Verlassen des Krankenflügels musste Toireasa einfach nur dem leisen Weinen des Mädchens folgen. Sie saß neben einer Rüstung auf dem Boden und drückte ihr Gesicht gegen Arme und Knie. Wäre Toireasa sauer auf sie gewesen, allein dieser Anblick des Jammers hätte sie sicher besänftigt. Ohne etwas zu sagen, setzte sie sich neben ihre Freundin und legte ihr tröstend die Hand zwischen die Schulterblätter. „Das wird schon wieder“, sagte sie leise. „Letztes Jahr war doch viel schlimmer.“ „Das stimmt nicht!“, schluchzte Winona. „Aber ich wollte das nicht machen. Er kann doch nichts dafür!“ Toireasa entschloss sich ein paar leichte Ohrfeigen nicht überbewerten. „Na ja. Im Endeffekt hattest du die gleichen Erfolgschancen wie die letzten fünf Heiler. Nur das eine Erfolg dich hätte umbringen können.“ „Das wäre mir egal gewesen!“, antwortete das Mädchen. Für einen Moment stutzen Toireasa und dann nahm ein Gedanken Gestalt an. „Du bist doch nicht etwa doch in ihn verliebt?“, fragte Toireasa vorsichtig, wobei sie mit ihrem Kopf vorsichtshalber ein wenig Abstand zwischen sich und dem Mädchen schaffte. „Was?“, schien Winona für einen Moment völlig perplex, nur um dann noch mehr Tränen fließen zu lassen. War das nun eine Bestätigung für Toireasas Theorie oder eher nicht? Doch irgendetwas sagte ihr, dass sie falsch lag. Da lauerte noch ein anderes Desaster im Hintergrund. „Was ist mit dir los, Winona“, fragte Toireasa direkt, weil die einzige Möglichkeit die ihr plötzlich einfiel… „Geht es deiner Familie gut?“ Winona schaute kurz leidend zu Toireasa auf, nickte aber dann leicht. Dann – mit einer energischen, Winona typischen Handbewegung – wischte das Mädchen die Tränen an ihrem Ärmel ab, holte ein ziemlich gebraucht aussehendes Taschentuch heraus und schnäuzte sich mit der Lautstärke einer Trompete. „Es ist überhaupt nichts, was das Drama hier rechtfertigt“, sagte Winona. „Nur der blöde Merton.“ „Was ist mit Merton?“ Toireasa fragte sich was denn aus Schatz, Zuckerschnecke und dergleichen geworden war? Wenn der Junge jetzt blöd war, dann bedeutet das…? Toireasa sah das gefährliche Wichtelnest direkt vor sich in dem sie gerade herumgestochert hatte. „Was mit ihm ist? Der Idiot wollte unsere Beziehung auf eine neue Stufe bringen!“, murmelte Winona und neben einem tiefen Rot durchzog nun auch Zorn ihre Gesichtszüge. „Kannst du dir das vorstellen? Gerade jetzt! Ich hab ihm gesagt, dass ich keine Lust dazu habe – naja, und dann gab ein Wort das andere.“ Toireasa schaute hilflos – und anscheinend so ahnungslos wie sie auch war – ihre Freundin an. Winona rollte ihre geröteten Augen. „Wir haben Schluss gemacht!“, erklärte Winona. „Aber warum?“, verstand Toireasa noch immer nicht. Es schien doch Winona sehr nahe zu gehen? Warum machte sie dann Schluss mit Merton? Hatte das etwas mit der neuen Stufe zu tun? Hatte Merton…: „Wollte er sich etwa mit dir verloben?“, vermutete sie entsetzt. „Oh, mein Gott bist du konservativ!“, kam nun vollends die alte Winona zum Vorschein. „Schaust du denn immer weg? Ich dachte, du hättest damals in DD’s Büro mitbekommen was los war und hast nur aus Taktgefühl nichts gesagt.“ Toireasa schüttelte den Kopf und beschloss nichts wissen zu wollen. Das Gespräch nahm gerade eine ihr unangenehme Wendung. Doch leider war Winona jetzt in Fahrt. „Also, mal kurz für dich zusammengefasst. Ich hab Merton nach dem Hogwartsausflug in einer ruhige Ecke an meine Bluse gelassen – und heute wollte er nun darunter. Aber auf so was hab ich Moment einfach überhaupt keine Lust…“ Erst jetzt fiel Toireasa auf, dass sie in letzter Zeit Winona und Merton kaum noch beim intensiven Lippenkontakt gesehen hatte. „…und das habe ich ihm auch gesagt. Wie soll man auch, wenn der beste Freund im Koma liegt! Das hat er wohl in den falschen Hals gekriegt und was Ähnliches gesagt wie: das Leben geht weiter und Tarsuinn würde nicht wollen, dass wir zu Trauerklößen werden. Danach meinte er auch noch, niemand könnte garantieren, dass Tarsuinn je wieder aufwacht. Na ja, in dem Moment habe ich einfach rot gesehen.“ Toireasa musste zugeben, sie hatte sich schon ähnliche Gedanken wie Merton gemacht, sagte jedoch nicht dazu, denn sie war noch immer nicht über den Satz mit der Bluse hinweg. „Na?“, forderte Winona mit einigen Zweifeln in der Stimme und Toireasa wusste plötzlich in der Tiefe ihres Mädchendaseins, was ihre Pflicht als treue Freundin war. „So ein gefühlloser und instinktloser Holzklotz!“, sagte sie mit möglich viel Verachtung und der hoffentlich passenden Herablassung. „Aber was erwartest du von einem Kerl!“ Den letzten Satz hatte Toireasa sehr oft von Fenella gehört, obwohl es da meist als Scherz gedacht gegenüber ihren Ehemann gemeint gewesen war. „Genau!“, fand Winona als müsste sich selbst auch noch überzeugen. „Wie kam ich nur darauf, er könnte anders sein.“ „Er verdient dich gar nicht.“ „Würde ich danach gehen, würden wir als alte Jungfern sterben“, brachte ihre Freundin ein heiteres Lachen zustande. „Vergessen wir das einfach für einen Moment.“ Nicht lieber als das, dachte Toireasa bei sich und half dann Winona auf die Füße. „Wollen wir zusammen Hausaufgaben machen“, fragte sie, doch dann hörte sie einiger näher kommende Stimmen und verwarf die Idee, denn Winona zog sie fast umgehend hinter eine Deckung, die aus einer alten Rüstung und einem halb hochgehaltenen Wandteppich bestand. Toireasa glaubte nicht, dass dies am Ende einen Unterschied machte. Sie hätten selbst an der Wand mit einer Kerze links und rechts in der Hand stehen können und man hätte sie ignoriert, so abgelenkt schienen die Erwachsenen die durch den Gang kamen. „Ich versichere Ihnen, Mrs McAllister…“, sagte gerade Dumbledore. „Tarsuinn geht es den Umständen entsprechend gut und er ist hier sicher.“ „Ich hatte nur diesen Traum, Direktor“, entgegnete Nathara. „Ich muss ihn einfach mit eigenen Augen sehen, um ganz sicher zu sein.“ „Das steht Ihnen natürlich jeder Zeit frei“, sagte Dumbledore verständnisvoll. „Ich wünschte nur, sie ließen uns ihn…“ „Das hatten wir doch schon…“, unterbrach Tarsuinns Vater Dour seine Frau. „Hier ist er sicher, in guter Obhut und Rica hat sehr klare Anweisungen hinterlassen, was Tarsuinn und St. Mungos angeht. Vertrau ihrer Entscheidung, Schatz.“ „Ja, ich weiß“, seufzte Nathara. „Aber je länger Rica verschwunden bleibt, desto mehr habe ich Angst, wir verlieren unsere Kinder noch einmal. Ich weiß nicht, ob ich das noch einmal….“ „Das wird nicht passieren!“, sagte Dour sehr bestimmt. „Wir werden unsere Kinder wiederbekommen.“ „Davon bin ich überzeugt“, pflichtete Dumbledore zu. Vorgestern war ein Geistheiler aus Frankreich hier – Madame Maxime hat ihn empfohlen – und er ist gerade dabei einen viel versprechenden Trank zu brauen. In drei Wochen sollte der…“ Die Tür des Krankenflügels schloss sich hinter den drei Erwachsenen. Toireasa fühlte sich ein wenig unwohl, weil sie gelauscht hatte, statt Tarsuinns Eltern zu begrüßen, aber auf der anderen Seite konnten Kinder nur so die Wahrheit ungeschönt erfahren. „Es klang so verzweifelt“, murmelte Winona. „Ich denken, ihre Spuren sind nicht gar so heiß, wie sie uns in ihren Briefen weiß machen wollen“, vermutete Toireasa und starrte auf die geschlossene Tür.
Die nächsten Wochen waren nicht einfach für Toireasa. Sie las die Briefe ihrer Eltern jetzt immer ein Stück misstrauischer und so blieb nicht viel Hoffnung in den Worten übrig. Merton und Winona giftete einander nur noch an und Toireasas schulischen Leistungen wurden immer schlechter. Erst gestern hatte sie Onkel Filius für eine schlampige Hausaufgabe gerügt – und es hatte sie nicht im Geringsten gestört. Während alle um sie herum die Prüfungen fürchteten und die letzte Aufgabe des Trimagischen Turniers herbeisehnten, war sie regelrecht lustlos. Kein Essen schmeckte ihr, kein Witz schien wirklich lustig. Es war, als hätte man diesen Teil ihrer Persönlichkeit fast vollständig entfernt. Nur ein gewisser böser Sarkasmus war ihr geblieben. Selbst ihre Träume waren inzwischen richtig langweilig. Doch was sie wirklich fertig machte, war das ständige Gefühl etwas zu übersehen und dies beschäftige sie jede wache Minute, egal in welcher Lebenslage sie sich gerade befand. So wie gerade jetzt. Zum Glück diesmal nicht bei Snape oder McGonagall im Unterricht, sondern ganz allein in einen der Innenhöfe. Jeder mit nur ein wenig Lebensfreude war draußen am See und genoss den ersten richtig warmen Sommertag. Viele würden zwar irgendein Schulbuch dabei haben, aber das war meist nur für das Gewissen dabei. Einzig die fünften und siebenten Klassen waren am Lernen, aber die blieben meist in ihren Gemeinschaftsräumen und waren froh, dass der Rest draußen Krach machte. Doch wie schon gesagt, Toireasa gehörte zu keiner der beiden Gruppen. Sie saß versteckt auf einer halb von einer Hecke überwucherten Bank und starrte auf ihre Schriftrollen. Es war ihre erste konzentrierte Arbeit seit Wochen und listete sämtliche, ihr bekannten, Merkwürdigkeit in Tarsuinns Leben auf. Linien verbanden Namen mit anderen Namen oder Ereignissen. Und wie immer sie es drehen und wenden wollte, es gab genau drei Namen, die besonders hervorstachen: Banefactor, Tikki und ihr eigener. Es mochte zwar sein, dass sie sich inzwischen ein wenig zu sehr in den Mittelpunkt gerückt hatte, aber auf dem Blatt verbanden nicht mal Rica und deren Eltern so viele Linien mit Tarsuinn. Die Augen, Marie-Ann, die Rettung vor dem Einhorn, das Große Einhorn, die Bisse von Shy, die Spiele ihres Vaters, dass Tarsuinn bevorzugt ihre Nähe zu suchen schien, Tikki, die auf ihrer Schulter ritt und Geheimnisse mit Toireasa teilte, von denen nicht einmal Tarsuinn etwas wusste, der gebrochene Imperio, die Träume bevor… „Darf ich dich kurz stören?“ Erschrocken fuhr Toireasa zusammen, schaute auf und wurde fast wütend als sie Risteárd erblickte. Sie war ganz nah daran gewesen den Knoten zu lösen… da war sie sich sicher. „Was?!“, schnappte sie unfreundlich und rollte das Geschriebene eilig zusammen. Nicht sonderlich unauffällig, aber er sollte auf keinen Fall etwas davon lesen. Egal wie viel Kreide ihr Stiefbruder gefuttert hatte. „Kein Grund für einen Crucio“, hob er abwehrend die Hände und zeigte doch damit gleichzeitig, wie dämlich man mit Gleichnissen umgehen konnte. Nicht, dass solche Redewendungen in Slytherin unüblich waren. „Ich wollte nur… na ja… vielleicht helfen.“ „Wie?“, fragte Toireasa und war erstaunt, dass sie echt wissen wollte. War die Lage wirklich so verzweifelt? „Nun… ich weiß natürlich nichts genaues, aber wenn man den paar Gerüchten glauben schenkt und ein paar Zungen löst – ganz sanft, ehrlich – dann scheint dein kleiner Freund sein Bewusstsein und vielleicht auch sein Selbst völlig verloren zu haben.“ „Und wenn?“, brummte Toireasa unverbindlich. „Du musst es wissen“, zuckte er mit den Schultern. „Aber falls ich Recht habe, dann ist das hier vielleicht die Möglichkeit um zu ihm durchzudringen.“ „Bewusstseinsverstärker haben die Heiler schon Dutzende probiert“, schüttelte Toireasa den Kopf. „Nichts hat gewirkt.“ „Ja, aber sicher war keiner so mutig – oder verrückt – den direkten Kontakt zu wagen. Bei allem was man so munkelt sicherlich verständlich. Ich persönlich würde es auch nicht riskieren und du weiß, dass mich der menschliche Geist sehr interessiert. Selbst Vater würde die mentalen Finger davon lassen.“ „Und was willst du dann mir hier verkaufen?“ Risteárd holte aus seiner Tasche zwei kleine Phiolen und hielt sie Toireasa hin. „Falls gar keine Hoffnung mehr besteht – versuch es damit.“ „Und das ist was?“, fragte Toireasa ohne zuzugreifen. Selbst ohne ein Schuljahr unter der Paranoia und dem magischen Auge eines Mad-Eye Moody hätte sie dies nicht getan. „Deine eigene Idee“, entgegnete Risteárd. „Der Traumteiler-Trank.“ Wie von Sinnen starrte Toireasa auf die purpurne und kristallblaue Flüssigkeit und als Risteárd eine halbe Bewegung macht um die Phiolen wieder wegzustecken, schluckte sie den Köder und griff schnell danach. Aber Risteárd ließ nicht sofort los. „Wirklich! Nur als allerletzter Ausweg. Und nicht du! Vielleicht deine Großmutter Caitlin. Sie hat einen starken Willen. Oder bring Dumbledore auf die Idee.“ Erst als sie nickte, ließ er los. „Warum tust du das?“, wollte Toireasa wissen. Sie war nicht misstrauisch, es interessierte sie nur. „Machst du denn nicht mehr Tarsuinn für alles Schlechte verantwortlich?“ „Das mache ich auch heute noch, aber du bereitest mir mehr Sorgen. Du bist bleich – noch bleicher als sonst. Hager bist du auch geworden und ständig so abwesend. Ich habe dich beobachtet. Seitdem der Junge nicht mehr bei dir ist, geht es dir von Tag zu Tag schlechter. Du kleidest dich schlampig, die Darkcloud kämmt deine Haare anscheinend häufiger als du selbst und du bekommst die Sticheleien einiger unserer Schätzchen überhaupt nicht mehr mit. Da ich aber deine Sturheit kenne - und dass Worte nichts ändern werden – bin ich der Überzeugung, dass ich dir nur helfen kann, wenn ihm geholfen wird. Ich wäre dir trotzdem dankbar, wenn du es nicht herumposaunen würdest.“ „Versprochen. Niemand wird erfahren, dass dein Herz doch weicher als Stein ist“, versprach Toireasa und schaffte ein freundliches und vorallem ehrliches Lächeln. „Danke, Risteárd.“ Sie schaute kurz auf die kleinen Phiolen in ihrer Hand. Die Lösung und eine ihrer größten Ängste. „Sei vorsichtig“, unterbrach Risteárd ihre Gedanken. „Ach und noch was. Regina und ihr neuer bester Freund suchen dich. Sie haben mich vorhin nach dir gefragt. Ich glaub zwar nicht das sie Streit suchen, aber wenn doch, eine Geste von dir und eine Scharr Fiese Warzen Kröten überfallen sie im Schlaf. Hand drauf!“ „Ich komme gern darauf zurück“, musste Toireasa seit langen mal wieder grinsen. „Und wenn auch nur als Idee für das nächste Jahr.“ Wenn alles wieder gut ist, fügte sie im Gedanken hinzu. „Wie schon gesagt, sei vorsichtig“, riet ihr noch einmal Risteárd. „Das ist mir schon zur Gewohnheit geworden“, versicherte Toireasa und wunderte sich, wie es geschehen konnte, dass sie Risteárd lieber mochte als Aidan. Das musste eigentlich auch auf ihre Schriftrolle. „Na dann, man sieht sich“, wedelte Risteárd unsicher mit der Hand. „Und iss mal wieder ordentlich.“ Dann ging er. Toireasa schickte ihm noch ein Jaja hinterher, dann nahm sie ihren Zauberstab und ließ ihre mühevoll erstellte Schriftrolle in Flammen aufgehen. Was hatte sie sich nur dabei gedacht dies alles aufzuschreiben? Wenn Risteárd jetzt noch der Arsch von früher gewesen wäre, hätte er Toireasa alle Geheimnisse wegnehmen können. Für einen Moment dachte sie daran Regina aus dem Weg zu gehen, doch das war nur die Stimme der Vernunft. Im Grunde ihres Herzens hatte sie jedoch Lust mal ein wenig Dampf bei jemandem abzulassen, bei dem sie im Nachhinein überhaupt nicht Leid tun würde. Was jedoch nicht bedeutete, dass sie blind wie ein Berserker in einen Kampf rannte. Zunächst einmal schaute sie sich gründlich um. Erst als sie sicher war, weder von Filch noch von einem Lehrer beobachtet zu werden, wagte sie ein paar kleine Zauber. Zunächst rief sie sich Sand herbei und machte so aus dem Trampelpfad vor ihrer Bank einen schicken Weg. Dann ein Lockzauber und eine Viertelstunde später traf die erhoffte Ameisenkönigin nebst Gefolge ein. Und da behaupteten diese Idioten man könnte in Hagrids Unterricht nichts lernen, auch wenn dem großen Mann sicher eine andere Anwendung vorgeschwebt hatte. Fasziniert beobachtete sie, wie hunderte der kleinen Tiere sofort begannen Tunnel in den Sand zu graben. Späher zogen los um Nahrung in der Nähe zu suchen und Soldaten bewachten die Königin. Wirklich ein interessantes Völkchen – und eine gemeine Waffe. Toireasa lächelte kalt. Manchmal hatte sie das sichere Gefühl Professor Moody brachte eine gewisse boshafte Kreativität in Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Nachdem nun ihre Vorbereitungen abgeschlossen waren, beschloss sie zu warten. Aus ihrer Schultasche holte sie ein Buch, das sie sich schon seit Wochen immer wieder von Madame Pince verlängern ließ. Suchen und Finden – zehn magische Wege für Anfänger und Forstgeschrittene. Theoretisch ein gutes Buch und sicher hatten die Erwachsenen alles daraus schon ausprobiert, aber Toireasa musste irgendwas tun und das war das Einzige was sie tun konnte, ohne gegen ihr Versprechen zu verstoßen. Inzwischen hatte sie einmal Möglichkeit acht geschafft, aber Nummer neun ging einfach über ihren Horizont. Winona tat etwas sehr ähnliches, sie sprach mit den Geistern. Etwas das sie eigentlich recht ungern machte und extrem viel Zeit fraß. Aus diesem Grund war Toireasa ja auch eben allein. In einem Anflug von Wagemut nahm Toireasa ihren Zauberstab erneut zur Hand und begann damit die Seiten umzublättern. Sie glaubte zwar nicht, dass Umblättern besonders strafwürdig war, aber sie hatte gelernt Filch mit seinen Schlachtruf Zaubern auf den Fluren verboten, ernst zu nehmen. Nicht, dass sie das im Moment störte. Es dauerte über zwanzig Seite Lektion neun – unauffälliges Auffinden vermisster Kinder innerhalb großer Muggelmenge – eher Regina endlich auftauchte. An ihrer Hand hing Jean Leraux mit einem Gesicht, als wäre er der Erfinder des Scheiße-zu-Gold-Zaubers. Toireasa glaubte, dass Regina damit endlich den Tiefpunkt erreicht hatte und obwohl sie ihr dies gönnte, fand sie diese Wahl recht seltsam. Bisher hatte das Mädchen es immer auf ältere, gutaussehende Jungs abgesehen gehabt, die ihr Prestige anhoben. Zwar war Jean durchaus hübsch, aber selbst in Slytherin nicht beliebt. Kein Haustierbesitzer sah ihn gern in der Nähe seines Lieblings. Mehr als einmal hatte Toireasa gesehen, wie ihm eine Katze, die er streichelte, von ihrem Besitzer fast entrissen wurde. Nach außen würde das natürlich niemand zugeben, aber innerhalb Slytherins war Jean Leraux als Freund kein Zuwachs an Ansehen! Eher im Gegenteil. „Keary!“, machte Regina auf sich aufmerksam, da Toireasa so tat, als hätte sie die Beiden noch nicht bemerkt. Ganz langsam hob Toireasa den Blick und ließ, wie zufällig, den Zauberstab ihrem Blick folgen. Betont auffällig schaute sie kurz auf Jean, dann auf die verschränken Hände der beiden und, als sie wieder Regina ansah, ließ sie ihre ganze Meinung über diese Verbindung auf ihrem Gesicht sehen. Verwundert glaubte sie dabei einen kurzen Moment lang Scham in Reginas Augen zu entdecken. „Jaaa?“, fragte Toireasa gedehnt. „Gibt’s was Wichtiges?“ „Nein, überhaupt nicht!“, entgegnete Regina und klang nicht scharf und überlegen, wie es Toireasa sonst von ihr gewohnt war. Vielleicht lag es auch daran, dass Jean gerade diesen Moment dazu nutze, um seine Hand um die Hüfte des Mädchens zu legen. Der Junge lächelte wie ein Gewinner auf Toireasa hinab. So nach dem Motto: Selbst schuld, dass nicht du diese Ehre hast. „Wie ich sehe, quälst du jetzt auch Menschenähnliches, Jean“, provozierte Toireasa ihn, obwohl sie eigentlich vorsichtig hatte sein wollen. „Alles was Recht ist, Regina. Ich habe schon viel Schlechtes über dich gedacht, aber nie, dass du einen solch unterirdischen Geschmack bei Jungs hast. Der Durmstrang war doch um Längen niveauvoller und deutlich schnuckliger.“ „Kannst ihn dir ja greifen!“, ätzte Jean und Toireasa freute sich, ihn offensichtlich verletzt zu haben. „Ich verzichte auf was Gebrauchtes“, lächelte sie und schaute kurz Jean in die Augen. „Oder etwas Fehlerhaftes.“ Leider machten weder Regina noch Jean eine Dummheit. Eigentlich schade. „Ich bin nicht hier um mir dein dummes Gerede anzuhören, Keary“, sagte Regina. „Ich bin nur hier, weil ich dir was von deiner Mutter ausrichten soll.“ „Wenn es von meiner Stiefmutter kommt, kann es nichts Wichtiges sein“, kommentierte Toireasa gelangweilt. „Sie nervt mich aber seit Wochen, weil du anscheinend all ihre Briefe verbrennst.“ „Vielleicht liegt das daran, dass ich nichts mehr von ihr wissen will.“ „Das ist mir egal. Ich spiel auch nur dieses eine Mal die Posteule, damit sie mich endlich in Ruhe lässt. Also! Zitat: Du hast was, was ich will und ich habe vieles, was du willst. Lass uns das unter uns regeln. Zitat Ende.“ Toireasa starrte Regina mit offenem Mund an. Sie konnte es einfach nicht verhindern. Warum hatte sie da noch nicht selbst dran gedacht? Zuzutrauen war es Pádraigín alle Male, doch irgendwie hatte Toireasa immer geglaubt, sie wäre nicht so dumm. Wenn sie bei so was erwischt wurde, würde doch selbst das Ministerium sich gezwungen sehen, etwas zu unternehmen und wenn es nur eine Anklage wegen Gefährdung der Geheimhaltung wurde. „Hau ab“, riet Toireasa Regina leise, als sie deren triumphierendes Gesicht bemerkte. „Huch, da ist aber jemand empfindlich“, freute sich Jean gehässig. „Hat das Ravenclaw-Liebchen etwa eine schlechte…“ Weiter kam er nicht, denn Toireasa verlor ein wenig die Beherrschung. Ein Wort, ein kreisender Zauberstab und Leraux stand in einer Wolke aus Sand und wütender Ameisen. Es war bezeichnend wie schnell der Junge in Panik verfiel, erst schlug er wild um sich, dann rannte er weg. Regina, die kein Sandkorn bisher berührt hatte, stand einfach nur da, ohne einen Finger zu rühren. „Na, auch was zu sagen?“, erkundigte Toireasa sich lässig. „Ich misch mich nicht mehr in Familienstreitigkeiten“, zuckte Regina erstaunlich vernünftig mit den Schultern. „Außerdem habe ich festgestellt, dass es bedeutend wichtigere Dinge im Leben gibt, als meine Zeit mit dir zu verschwenden. Also, viel Spaß mit deiner Mutter. Ich persönlich halte sie für eine durchgedrehte Furie.“ Toireasa gab Regina ausnahmsweise mal Recht, während das Mädchen anscheinend doch einen Angriff zu erwarten schien. „Ich greif dich nicht an, nur weil du meine Steifmutter beleidigst“, erkannte plötzlich Toireasa die Absicht von Regina. „Ich hab keine Lust von dir verpetzt zu werden.“ „Du hast Jean angegriffen!“ „Und dir damit einen Gefallen getan. Sobald er den Wirbel im Griff hat, werden die Ameisen ihn derart beißen, dass er keine Lust mehr hat, dich anzugrabschen.“ „Er ist mein Freund!“, betonte Regina. „Und du rührst keinen Finger um ihn zu helfen, oder?“ „Es würde ihn verletzen, wenn ein Mädchen ihm helfen muss.“ „Ah ja“, murmelte Toireasa und für einen kurzen, seltsamen Moment war da eine seltsame Verbundenheit mit Regina – oder zumindest ein gewisses Verstehen. Das andere Slytherin-Mädchen war zwar eine kalte Schnepfe, aber auch sie hatte Grenzen und zwar im positiven Sinne. Zu Toireasas Erleichterung verging der Moment schnell wieder. Fast gleichzeitig erkannten sie und Regina, dass sie eben etwas miteinander geteilt hatten und ihre Gesichter verzogen sich voller Abscheu. Die Nase hoch in die Luft gereckt, drehte Regina sich um und ging davon. Toireasa wartete bis sie verschwunden war, dann schnappte sie sich ihre Sachen und rannte zur Eulerei. Sie musste einen Brief an ihre Eltern schreibe, sie musste Filius und Winona informieren – und sie musste unbedingt duschen, um den Regina-Dreck von sich zu waschen.
|